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Gehören unsere Denkmäler auf den Schrottplatz?

Kriegshelden, Kaiser und Kolonialismus – viele Denkmäler in Deutschland sind längst aus der Zeit gefallen. So nutzen wir sie, ohne Nationalismus zu befeuern.

Essay - 2. Oktober 2018  8 Minuten

Es ist heute kaum mehr vorstellbar, aber bei der Fußball-WM 2006 hatten wir Deutschen für kurze Zeit eine Art positiven, unverkrampften Patriotismus entwickelt. Schwarz-Rot-Gold, das waren die Farben des Sommermärchens und 8 Jahre später auch die des Weltmeisters, der deutschen Nationalmannschaft, die so vielfältig war wie Deutschland selbst.

Nach dem Rausch kam der Kater.

Ein hässlicher, ausgrenzender Nationalismus übertönt den Zusammenhalt von damals, Nazis zeigen in Chemnitz den Hitlergruß, und von den Hetzjagden auf Ausländer, die dort offenbar stattgefunden haben, bleiben »semantische Debatten« Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in der Bundespressekonferenz, er wolle keine »semantische Debatte« über den Begriff der Hetzjagd führen – tatsächlich bezweifelten Politiker der AfD, aber auch der Union nach den Ereignissen von Chemnitz, dass man die auf Video dokumentierten Einschüchterungen von Neonazis gegenüber Ausländern als »Hetzjagden« bezeichnen könne, weil eine Hetzjagd über eine längere Strecke ausgeführt werde. über den Begriff stärker in Erinnerung als die glaubhafte und entschiedene Verurteilung der Ereignisse. Deutschlandfahnen sieht man heute häufig verkehrt herum, Auf dem Hambacher Fest im Jahr 1832 wurden die Nationalflaggen schon einmal in dieser Anordnung gehisst. Wenn Pegida-Anhänger die Fahnen heute falschherum tragen, wollen sie damit meist Patriotismus für Deutschland und gleichzeitig Ablehnung des aktuellen politischen Systems zum Ausdruck bringen. Ebenfalls häufig zu sehen ist die sogenannte Wirmer-Flagge, in der die Farben Schwarz-Rot-Gold in einem skandinavischen Kreuz dargestellt sind. Sie war sogar einst als alternative Flagge im Gespräch, wird heute aber nur noch von Rechtsextremen getragen. und der einstige Posterboy der gelungenen Integration, Ali Can über seinen Hashtag #MeTwo, der auf Alltagsrassismus aufmerksam macht Mesut Özil, wird wegen eines kritikwürdigen Fotos mit Erdoğan zum Sündenbock für schlechten Fußball erklärt und aus der Nationalmannschaft gemobbt.

Und dann ist da noch die AfD, die entscheidend dazu beigetragen hat, dass aus dem Wir-Gefühl des Jahres 2006 längst ein »Wir gegen die«-Gefühl wurde. Ihr Parteichef »Wortlaut der umstrittenen Passage der Rede von Alexander Gauland« auf der Webseite der AfD-Bundestagsfraktion (2018) Alexander Gauland sagte im Juni beim Kongress der Jungen Alternative über den Nationalsozialismus:

Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die 12 Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in unserer über 1.000-jährigen Geschichte. Und die großen Gestalten der Vergangenheit von Karl dem Großen über Karl V. bis zu Bismarck sind der Maßstab, an dem wir unser Handeln ausrichten müssen. – Alexander Gauland, AfD-Vorsitzender

Mal abgesehen davon, dass die »1.000-jährige Geschichte« selbst eine klare Nazi-Referenz ist: In ihrem Größenwahn wollten die Nationalsozialisten ein »1.000-jähriges Reich« begründen. Gehalten hat es 12 Jahre. Was erinnert in Deutschland noch an die Geschichte vor dem Jahr 1933?

Ziemlich viel, allerdings eher unbemerkt. Wikipedia: Liste der Bismarckdenkmäler in Deutschland Allein die Wikipedia-Liste der Bismarckdenkmäler in Deutschland umfasst mehr als 600 Einträge, und das ist nur ein verhältnismäßig Welche Denkmäler listet Wikipedia in deiner Stadt? Hier kannst du es herausfinden kleiner Teil der Bauten, Gastautor Peter Schraeder über den subjektiven Blickwinkel, aus dem Geschichtsbücher geschrieben sind die im öffentlichen Raum unser Geschichtsbild prägen. Was sind das also für Denkmäler, und was lehren sie uns über die deutsche Geschichte?

Titelbild: onnola -

von David Ehl 

Wenn Zugvögel im Schwarm fliegen, beeinflusst jedes einzelne Tier die Richtung aller - das hat David bei einer Recherche gelernt. Sonst berichtet er eher über Menschen, stellt sich dabei aber eine ganz ähnliche Frage: Welche Rolle spielt der einzelne Wähler und Verbraucher, welchen Einfluss hat jeder von uns auf die Gesellschaft? David recherchiert gerne unterwegs, studiert hat er Musikmanagement, Englisch und Journalismus.

Themen:  Gesellschaft   Deutschland   Demokratie  

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