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Für die Zukunft brauchen wir »den Westen« nicht mehr

Diese 3 Entwicklungen sind für uns wichtiger als jeder Trump-Tweet.

10. Oktober 2018  10 Minuten

Eigentlich könnten wir viel mehr wissen. Dafür, dass heute jede Information nur ein paar Mausklicks entfernt ist, ist unser Horizont aber erstaunlich begrenzt.

Klar, was in Trumps Amerika passiert, sorgt auch hierzulande für Schlagzeilen. Wenn ein Brett Kavanaugh in das oberste Gericht der USA gewählt wird, obwohl ihm Frauen glaubwürdig sexuelle Gewalt vorwerfen, verstehen auch Feministinnen in Deutschland, dass sie noch einen langen Weg vor sich haben. Wenn ein Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigt, verstehen Unternehmen in ganz Europa, dass sie dort wohl keine Geschäfte mehr machen können.

Die USA sind weit weg – aber die wesentlich von den USA geprägte Erzählung einer »westlichen Welt« verbindet die Atlantikufer bis heute. Auf diesem Narrativ Der Begriff Narrativ ist eigentlich nur ein Synonym für »Erzählung«. Besonders im politisch-gesellschaftlichen Kontext schwingt dabei aber auch ein sinnstiftendes Element mit, das gemeinschaftliche Werte hervorheben kann. Ein Beispiel: Die Worte »Liberté, Égalité, Fraternité!« (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!) haben sich als Narrativ der französischen Revolution durchgesetzt. Narrative stehen in einem historischen Kontext, oft thematisieren sie ein Problem, ein Ziel und eine Vorstellung von legitimen Mitteln, um dieses zu erreichen. bauen politische und wirtschaftliche Realitäten auf: in Form von Handelsverträgen, dem Dollar als Leitwährung oder der NATO als bewaffneter Hüterin der gemeinsamen Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Auch die liberale Demokratie ist Teil dieser Erzählung, welche die Bundesrepublik Deutschland über die Nachkriegsjahrzehnte verinnerlicht hat.

In dieser Zeit, in den Jahren des Kalten Kriegs, wurde das östliche Europa zum »anderen Europa«, zu einer Art Feindbild, das für ein komplett anderes Narrativ stand – ob das die Menschen in diesen Ländern wollten oder nicht.

Titelbild: Tobias Kaiser - copyright

von Katharina Wiegmann 

Katharina interessiert sich dafür, was Gesellschaften bewegt. Sie hat da ein paar Fragen: Wer bestimmt die Regeln? Welche Ideen stehen im Wettstreit miteinander? Wie werden aus Konflikten Kompromisse? Einer Sache ist sie sich allerdings sicher: Nichts muss bleiben, wie es ist. Bei Perspective Daily schreibt sie über Menschen und Ideen, die den Status quo herausfordern. Katharina hat Politikwissenschaft und Philosophie in München und Prag studiert, inklusive kurzer Ausflüge in die Soziologie und Geschichtswissenschaft.

Themen:  Osteuropa   Europa   EU-Politik  

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