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Die Krake muss nicht alles wissen

Firmen und Programme lesen unsere Nutzerdaten mit, werten sie aus und erstellen vernetzte Profile. Die neueste Datenkrake heißt Pokémon GO. Das Problem heißt Vertrauen. Eine Lösung auch.

6. September 2016  11 Minuten

Pokémon GO ist überall, auch vor meiner Haustür. Dort jagen der Sohn meiner Nachbarin und sein Freund gerade ein virtuelles Monster. Das Handy-Spiel ist seit Juli ein weltweiter 20 Millionen aktive Nutzer, 100 Millionen Downloads Hit. Das wissen auch die beiden.

Zurückgelegte Strecke: 2,5 Kilometer. Entfernung vom Wohnort 1,8 Kilometer. Stopp bei McDonald’s von 17:18 bis 17:32 Uhr. Zuletzt besuchte Website: Instagram.

»Wer das nicht spielt, lebt unter einem Stein«, erklären die beiden etwa 15 Jahre alten Jungs und zeigen eine ausladende Monstersammlung. Pokémon GO verwendet die Technologie der augmentierten Realität. Durch die Kamera des Smartphones wird die Umgebung aufgenommen, die App fügt digital virtuelle Figuren (Pokémon) hinzu. Der Spieler sieht auf dem Display eine Mischung aus Wirklichkeit und Videospiel. »Das Geniale ist ja, dass du überall Pokémon findest. Ich hab’ sogar mal eines auf der Tafel in der Schule geschnappt.«

Was die beiden wahrscheinlich nicht wissen, ist, dass eine Datenkrake »Datenkrake, die«: Als Datenkrake wird eine Art von Firma bezeichnet, die sich hauptsächlich von Daten der Nutzer ernährt. Sie kommt nicht mehr nur allein im Silicon Valley vor. Neben der Hauptspezies (Google) gibt es noch weitere Ableger (Facebook, Niantic Inc., Microsoft), die einen regen Austausch mit privaten Unternehmen, Sicherheitsdiensten und Behörden pflegen. Anders als der Krake in der freien Natur ist die Datenkrake weiblichen Geschlechts. parallel ein Profil über sie anlegt – GPS und mobiles Internet machen es möglich. Keine App hat durch diese Praxis so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie Pokémon GO, tatsächlich ist sie jedoch nur eine unter vielen: Allein im App-Store von Android werden zur Zeit 2.375.059 Apps angeboten, davon Nach eigenen Angaben von Google und der Analyse-Seite Appbrain rund 90,5% kostenlos. Bei kommerziellen Anbietern heißt das meist: Der Nutzer zahlt nicht mit Geld, sondern mit Informationen. Häufig, ohne es zu wissen.