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Die deutschen Drogengesetze sind verfassungswidrig

Unser Autor und Rechtsanwalt Frederik v. Paepcke untersucht: Warum darf der Staat seinen mündigen Bürgern verbieten, Cannabis zu besitzen? Die Antwort: Er darf es nicht.

2. September 2016  14 Minuten

Das zu Recht hochgelobte Grundgesetz ist eine tolle Sache. Dem Grunde nach dürfen wir nämlich erst einmal tun und lassen, was wir wollen. Wer von Grundrechten, Bürgerrechten oder Zivilrechten spricht, meint damit in der Regel die Artikel 1-19 unseres Grundgesetzes. Dort gibt es zum einen (allgemeine und spezielle) Gleichheitsrechte: Die Staatsgewalt darf gleiche Sachverhalte nicht ungleich behandeln. Zum anderen werden uns Bürgern Freiheitsrechte gewährt: Wir dürfen uns (grundsätzlich) aufgrund »spezieller Freiheitsrechte« beispielsweise unseren Beruf aussuchen, uns friedlich versammeln, unsere Meinungen äußern. Darüber hinaus gibt es noch die allgemeine Handlungsfreiheit aus Artikel 2 Absatz 1 des Grundgesetzes: Grundsätzlich darf jeder tun, was er mag. Klingt für manch einen komisch, ist aber so. In der Praxis bedeutet diese sogenannte »allgemeine Handlungsfreiheit« häufig, dass wir etwas tun möchten, was Interessen anderer beeinträchtigt. Zum Beispiel um Mitternacht laut Musik hören, während der Krankenpfleger ein Stockwerk tiefer gern schlafen würde, weil er Frühschicht hat. Um solche Interessenkollisionen zu regeln, darf uns der Staat Gesetze auferlegen, die unsere allgemeine Handlungsfreiheit einschränken. Im Kreißsaal herrscht Rauchverbot. Dein Nachbar darf nicht in deine Wohnung hineinspazieren, wenn du es ihm nicht erlaubst.

An diese Gesetze, die uns einschränken, gibt es Anforderungen. So muss unter anderem jedes Gesetz, das uns etwas verbietet, den Schutz eines

von Frederik v. Paepcke 

Frederik interessiert sich für etwas, das zunächst sperrig klingt: Systeme. Welchen Einfluss haben scheinbar unsichtbare Strukturen auf unseren Lebens-Alltag? Als Anwalt, Unternehmensberater, Gründer und Diplomat hat Frederik unterschiedlichste Perspektiven kennengelernt und ist überzeugt: Vom kleinen Startup bis hin zum großen Völkerrecht sollten wir weniger an das Gewissen des Einzelnen appellieren und stattdessen mehr an systematischen Veränderungen arbeiten.

Frederik war bis Juli 2017 Stammautor bei Perspective Daily und ist seitdem Gastautor.

Themen:  Gerechtigkeit   Politik  

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