Weibliche Lust muss niemand unterdrücken

Verstümmelt, vergewaltigt, verhaftet: Diesen 5 Frauen wurde beigebracht, dass ihre Körper »sündhaft« sind. Sie alle haben sich gewehrt.

20. November 2018  10 Minuten

Deborah Feldman wurde in eine ultraorthodoxe jüdische Gemeinde im New Yorker Stadtteil Williamsburg hineingeboren. Mit 17 Jahren verheiratet ihre Familie sie an einen fremden Mann, von dem sie sofort ungewollt schwanger wird.

Doris Wagner trat nach dem Abitur einer streng katholischen Glaubensgemeinschaft bei, die Armut, Keuschheit und Gehorsam verlangt. Als sie einer der Pater das erste Mal vergewaltigt, hat sie schon lange keinen eigenen Willen mehr.

»Sie praktizieren das Patriarchat, die universelle Religion.« – Leyla Hussein, Psychotherapeutin und Aktivistin gegen weibliche Genitalverstümmlung

Die geborene Somalierin Leyla Hussein war erst 7 Jahre alt, als ihre Welt einen Riss bekam. Die Frauen, denen sie zuvor vertraut hatte, Tanten und Nachbarinnen, wurden zu Gewalttäterinnen im Namen von Tradition, Kultur und Religion: Sie verstümmeln Leyla Husseins Genitalien.

Rokudenashiko wuchs in einer Kultur auf, in der weibliche Sexualität ein absolutes Tabu ist. Einen Einblick in Rokudenashikos Kunst gibt es auf ihrer Website Heute ist sie Künstlerin; manche sehen in ihr aber auch eine Kriminelle. Ihr Verbrechen: In ihrer Kunst arbeitet die Japanerin mit 3D-Abdrücken ihrer Vulva. Im Jahr 2014 wird sie dafür verhaftet.

Vithika Yadav wurde Hier schreibt Eva Lindner über eine Organisation, die sich gegen die Diskriminierung von Mädchen in Indien stemmt als Mädchen in Indien von Männern begrapscht und belästigt. Sie hat gelernt, nur dort zu weinen, wo es niemand sieht – in der Überzeugung, man würde ohnehin denken, es sei alles ihre Schuld.

5 Frauen, 5 Geschichten. Jede könnte für sich stehen, jede von ihnen bietet genug Stoff für ein abendfüllendes Drama. Die Schweizer Regisseurin Barbara Miller hat sich trotzdem dafür entschieden, die Erzählungen der Frauen in einer einzigen Dokumentation zu verarbeiten. Denn es gibt ein verbindendes Element: Allen Frauen wurde beigebracht, dass ihre Körper und ihre Sexualität »sündhaft« sind, dass sie unterdrückt, verstümmelt und versteckt werden müssen, um sich selbst und die Männer zu schützen. Und sie alle haben sich gewehrt.

Seit dem 8. November läuft »#Female Pleasure« Website zum Film in den deutschen Kinos.

Titelbild: unsplash - CC0

von Katharina Wiegmann 

Katharina interessiert sich dafür, was Gesellschaften bewegt. Sie hat da ein paar Fragen: Wer bestimmt die Regeln? Welche Ideen stehen im Wettstreit miteinander? Wie werden aus Konflikten Kompromisse? Einer Sache ist sie sich allerdings sicher: Nichts muss bleiben, wie es ist. Bei Perspective Daily schreibt sie über Menschen und Ideen, die den Status quo herausfordern. Katharina hat Politikwissenschaft und Philosophie in München und Prag studiert, inklusive kurzer Ausflüge in die Soziologie und Geschichtswissenschaft.

Themen:  Glaube   Gesellschaft   Aktivismus  

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