Reportage 

Darf Trauern auch Spaß machen?

Zwischen schriller Totenparade und intimem Friedhofsbesuch findet unser Autor in Mexiko 4 Hinweise für einen offeneren Umgang mit dem Tod.

27. November 2018  11 Minuten

Fast 2 Millionen Menschen quetschen sich Ende Oktober für die Totenparade ins Zentrum von Mexiko-Stadt. Haushohe Skelette aus Pappmaschee mit Sombreros auf den kahlen Schädeln grinsen von den Festwagen herunter. Schauspieler, verkleidet als bunte Kolibris, Laut Mythos führte der aztekische Gott Huitzilopochtli sein Volk in der Gestalt eines Kolibris zu einem großen See ins Tal von Mexiko, wo heute Mexiko-Stadt liegt. Die Azteken nennen sich übrigens selbst Mexica – daher kommt der Name des Landes. die den Weg ins gelobte Land der Azteken Die Azteken waren eine zentralamerikanische Hochkultur, die zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert existierte. Das Zentrum der aztekischen Welt lag im Stadtstaat Tenochtitlan im heutigen Mexiko. Um 1520 wurden die Azteken von den spanischen Eroberern unter Hernán Cortés unterworfen. zeigen sollen, tanzen, wild mit ihren Kostümflügeln flatternd, durch die Straßen. Gruppen elegant gekleideter Frauen, unter deren ausladenden Hüten bunt verzierte Totenkopfmasken hervorblitzen, winken den Zuschauern am Straßenrand zu.

Als der letzte Wagen vorbeirollt, verkündet eine Stimme aus dem Lautsprecher: »Im Leben sind wir vielleicht unterschiedlich, aber wenn der Tod schließlich zu uns kommt, sind wir alle gleich. Dann sind wir alle nur noch »calaveras«. Die Menge jubelt. »Calavera« ist das spanische Wort für Schädel. Aber während des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts wurde das Wort auch für kurze, humorvolle Gedichte verwendet. Oft waren das sarkastische Grabinschriften, die auch in Zeitungen veröffentlicht wurden und sich über die Lebenden lustig machten. Diese literarischen Calaveras wurden schließlich zu einem beliebten Teil der Feierlichkeiten zum Día de los Muertos. Auch heute noch wird das ausgiebig praktiziert: Die cleveren, satirischen Gedichte begegnen einem in gedruckter Form, bei Lesungen, im Radio und im Fernsehen.

Das Kostüm ist dem auffälligen orange-schwarzen Musters eines Monarchfalters nachempfunden – einer in Mexiko beheimateten Schmetterlingsart. – Quelle: Callejón Salao copyright

Der »Día de los Muertos«, auf Deutsch der »Tag der Toten«, ist für viele Mexikaner das wichtigste Fest im Jahr – und spätestens seit dem letzten Hier findest du die Website des James-Bond-Films »Spectre« (2015) James Bond und dem Disneyfilm Hier findest du die Website des Disneyfilms »Coco« (2017) Coco weltbekannt. Besonders kurios: Die riesige Parade in Mexiko-Stadt gibt es nur wegen einer Verfolgungsjagd von 007, aber dazu später mehr.

Titelbild: Arash Marandi - copyright

von Felix Franz 

Felix Franz arbeitet als freier Journalist in Berlin für internationale Fernsehsender wie die BBC und schreibt Reportagen, wenn er unterwegs ist. Manchmal filmt er auch mit seinem Gimbal und kombiniert die unterschiedlichen Formate. Er interessiert sich für Demokratie, Gesellschaft und Umwelt.

Themen:  Glaube   Gesellschaft  

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