Saubere Luft kann sich hier nicht jeder leisten

Schwarze und Latinos atmen schlechtere Luft und trinken dreckigeres Wasser. Jetzt setzt sich einer der ärmsten Stadtteile von Los Angeles gegen den »Umweltrassismus« zur Wehr.

29. November 2018  9 Minuten

Paco und Teo steigen aus ihrem Wagen und werfen die Türen hinter sich ins Schloss. Die beiden Mexikaner haben gerade eine Wagenladung Pferdedung von einem nahegelegenen Reitstall abgeholt und einmal quer durch den Süden von Los Angeles hierher gekarrt. Sie schwitzen zwar schon von der Autofahrt bei geöffnetem Fenster, die Arbeit geht jetzt aber erst los: Mit Mistgabeln schaufeln sie die Pferdeäpfel von der Ladefläche auf einen Rasen mitten im »Florence-Firestone Community Garden«.

Für die Menschen hier in Watts, einem der ärmsten Stadtteile von Los Angeles, dessen Bevölkerung zu 98% schwarz oder latinostämmig ist, ist der Gemeinschaftsgarten eine kleine, grüne Oase; hier können sie mit Kürbissen, Kohl und essbaren Kakteen günstig Essen anbauen, am Wochenende Feste feiern und über der Gartenarbeit ihre Alltagssorgen vergessen.


Im Süden von Los Angeles hat sich unter einer Stromleitung der »Florence-Firestone Community Garden« angesiedelt. Quelle: Felix Austen

Teo, Paco und ihre Mitstreiter haben Pferdedung herangeschafft, um ihre Pflanzen zu düngen. Quelle: Felix Austen

Feigenkakteen sind in der mexikanischen Küche weit verbreitet. Quelle: Felix Austen

Die jungen, grünen Blätter wachsen nach und werden abgeschnitten, um sie zu verzehren. Quelle: Felix Austen

Nicht vergessen: Dornen entfernen. Quelle: Felix Austen

Geschmacklich erinnert Kaktus ein wenig an grüne Bohnen. Quelle: Felix Austen

Wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung gilt Kaktus mancherorts schon als das nächste Superfood. Quelle: Felix Austen

Hebt man im Garten den Blick und lässt ihn über den Zaun hinweg streifen, wird deutlich, warum die Menschen diesen Ort aufsuchen: Lärmende, stinkende Highways liegen in fast allen Himmelsrichtungen in nächster Nähe. Wenige Meter über den Gemüsebeeten baumeln dicke Stromleitungen, am Horizont wippen Ölbohrtürme im Takt.

Wenige Meter über den Gemüsebeeten baumeln dicke Stromleitungen, am Horizont wippen Ölbohrtürme im Takt.

Die Kombination aus krankmachender Umwelt und einer Bevölkerung aus ethnischen Minderheiten ist nicht nur hier in South L.A. – auch Black L.A. genannt – typisch, sondern in den gesamten USA. Von Seattle bis Was passieren muss, damit Miami nicht das nächste Venedig wird Miami, von New York bis San Diego erfahren Menschen wie Teo, Paco In der Regel nennen wir alle Personen, die in unseren Texten vorkommen, unabhängig von Religion, Ethnie und sozialem Status bei Vor- und Nachnamen. In Ausnahmefällen wie diesem weichen wir aus Erzählgründen von dieser Regel ab. und ihre Nachbarn dasselbe Phänomen, das es seit Jahrzehnten gibt, das aber erst in letzter Zeit beim Namen genannt wird: »Environmental racism« – Umweltrassismus.

Wie so oft, wenn eine Gesellschaft auf soziale Missstände aufmerksam wird, schärft erst der Begriff das Problembewusstsein – und mit dem Bewusstsein formt sich der Widerstand.

Titelbild: Felix Austen - copyright

von Felix Austen 

Dem Physiker Felix geht es ums Klima, um Landwirtschaft, Energie und Umwelt. Was können Wissenschaft, Politik und Gesellschaft tun, damit alle auf der Welt, mit der Welt und von der Welt gut leben können? Genau: Der heilige Gral der Nachhaltigkeit!

Themen:  USA   Klima   Gerechtigkeit  

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