12 Minuten

Wie werden wir alle satt? Dieser Mann hat eine Antwort

20. Dezember 2018
Themen:

Um die Menschheit zu ernähren, erschafft er den Regenwald neu.



Flink klettert er einen zitternden Baumstamm empor. Oben angekommen greift er mit der linken Hand nach einem Ast, um mit rechts gekonnt einen weiteren abzuschneiden. Dass Ernst Götsch 70 Jahre alt ist, fällt erst auf, als er wieder auf dem Boden steht, näherkommt und den Blick freigibt auf die Spuren, die Sonnenlicht und Lebensjahre in sein Gesicht graviert haben. Die geschilderte Szene stammt aus einem Video, das auf Ernst Götschs Internetseite zu sehen ist. Ich habe Ernst Götsch mehrere Male ausführlich telefonisch gesprochen, aber nicht persönlich getroffen.

In den professionell gestalteten Dieses Video erklärt in schönen Bildern die Arbeit und die Philosophie von Ernst Götsch (portugiesisch, englisch) Videos, die über ihn im Internet kursieren, wirkt Ernst Götsch wie ein moderner Prophet. Ein Prophet, der nicht die Botschaft Gottes, sondern die einer Natur verkündet, in der Mensch und Umwelt im Einklang stehen. Sie können in Partnerschaft existieren – zur selben Zeit, am selben Ort. Den Beweis tritt der gebürtige Schweizer in seiner Wahlheimat Brasilien mit einer selbst entwickelten landwirtschaftlichen Methode an. Diese verwandelt unbrauchbare Äcker wieder in Regenwald und bringt gleichzeitig ähnlich viel Ertrag wie konventionelle Felder, allerdings in bester Bio-Qualität.

Ernst Götsch kombiniert alte Prinzipien zu einer neuen Methode

In den 1980er-Jahren hat Ernst Götsch im brasilianischen Piraí do Norte eine neue Heimat gefunden, genau genommen 500 Hektar Heimat. Das rund 700 Fußballfelder große Grundstück sieht auf den ersten Blick aus wie gewöhnlicher Fliege auf Youtube mit der Drohne über Götschs Wald (portugiesisch) Regenwald, große Teile nutzt er für den Kakaoanbau.

Der Ort Piraí do Norte liegt im brasilianischen Bundestaat Bahia und hat etwa 10.000 Einwohner. –
Bachläufe schmiegen sich in die üppig bewachsene Landschaft und münden in kleine Wasserfälle. Die Klänge der unberührten Natur: Plätschern, Zwitschern, Rascheln. Doch wenn es nach Ernst Götsch geht, klingt so auch die Landwirtschaft der Zukunft.

Als der Kakaobauer vor 30 Jahren nach Südamerika kam, fand er in seinem heutigen Garten Eden nichts als Zerstörung vor. Seine Vorgänger hatten dort einst Regenwald gerodet, um auf der Fläche Rinder zu züchten. Doch nicht einmal mehr die wurden schließlich noch satt. Das Land war abgewirtschaftet und vertrocknet. Heute sprudeln alle Quellen wieder und die 17 Bäche, die auf dem Land entspringen, führen das ganze Jahr über Wasser. Der Schweizer hat es sogar geschafft, das lokale Klima zu verbessern. Es regnet wieder öfter als früher. Beginnen wir von vorn.

Das ist die Farm »Fazenda Olhos d'Água«, auf der Ernst Götsch mit seiner Frau Cimara wohnt. Wer genau hinsieht, entdeckt unterschiedliche Entwicklungsstadien der Landschaft. – Quelle: Felipe Pasini copyright

Titelbild: Felipe Pasini - copyright

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