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9 Minuten

Sonnig mit Aussicht auf Giftgas

3. Dezember 2018
Themen:

Chemiewaffen werden nicht nur in Syrien regelmäßig eingesetzt. Deshalb geht die internationale Gemeinschaft jetzt neue Wege, um sie zu bekämpfen. Mit Erfolg.



Dies ist der dritte Teil meiner Artikelreihe über Massenvernichtungswaffen. Die ersten beiden Artikel beschäftigen sich mit Atomwaffen und Biowaffen.

Giftgas harmoniert nicht gut mit Regen. Darum ist es die tragische Ironie von Chemiewaffeneinsätzen, »Chemiewaffen« sind alle Kampfmittel, die sich in irgendeiner Art der giftigen Wirkung einer chemischen Substanz bedienen. Dazu gehören Gase, die die Atemwege oder die Haut angreifen, sowie Nervengifte. Viele Biowaffen sind gleichzeitig Chemiewaffen, wenn sie nicht selbst lebende Organismen sind. Sprengstoffe sind zwar auch chemische Substanzen und oft auch giftig, werden aber wegen ihrer Flammbarkeit oder Sprengkraft eingesetzt und gelten somit nicht als Chemiewaffen. dass sie in der Regel bei strahlendem Sonnenschein stattfinden.

Chlorgas statt Picknick

Entsprechend war es ein wunderschöner Tag, als das deutsche Kaiserreich im April 1915 ein neues und schreckliches Kapitel der Kriegsführung eröffnete. »Wir hätten auf ein Picknick gehen sollen«, schreibt der Pionier Willi Siebert in einem Brief an seinen Sohn. Stattdessen gaben die Offiziere den Befehl, die Ventile einer Reihe von Gasflaschen mit Chlorgas Das von den Deutschen eingesetzte Chlorgas ist ein Abfallprodukt verschiedener industrieller chemischer Prozesse. An der Entwicklung von Chlorgas und anderen Chemikalien als Waffe waren auf deutscher Seite unter der Führung von Fritz Haber noch mindestens 7 andere Nobelpreisträger verschiedener Disziplinen beteiligt, darunter die heute noch sehr bekannten Otto Hahn und Max Planck, nach dem die heute wichtigste deutsche Institution der Grundlagenforschung, die Max-Planck-Gesellschaft und ihre diversen Institute, benannt ist. zu öffnen, die an einer Stelle nahe der belgischen Stadt Ypern auf den richtigen Wind gewartet hatten.

»Was wir sahen, war der Tod. Nichts war mehr am Leben.« So dokumentierte Siebert die Folgen. »Alle Tiere waren aus ihren Löchern gekommen, um zu sterben. Tote Hasen, Maulwürfe, Ratten und Mäuse waren überall. Hinter den französischen Linien waren überall die Körper der Soldaten. Es war erschütternd. Man konnte sehen, wo Männer ihre Gesichter und Hälse gekratzt hatten, bei dem Versuch, Luft zu bekommen. Einige hatten sich erschossen. Der vollständige, von Siebert auf Englisch verfasste Brief Die Pferde, Kühe, Hühner, alle waren tot. Alles, sogar die Insekten, war tot.«

Im Ersten Weltkrieg wurden die Grundlagen der modernen Kriegsführung mit chemischen Waffen gelegt. – Illustration: Malte Zirbel

Eine Reihe technischer Innovationen Chemiewaffen werden seit mehreren Tausend Jahren eingesetzt. Der Einsatz giftigen Rauchs wird aus den Peloponnesischen Kriegen ca. 500 vor Christus überliefert und chinesische Heere setzten arsenhaltigen Rauch seit etwa 1000 vor Christus ein. Erst im Zuge der Industrialisierung wurden aber die wissenschaftlichen und praktischen Voraussetzungen geschaffen, um große Mengen der Giftstoffe produzieren und lagern zu können. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden dann die Kampfmittel selbst, in der Regel Artilleriegeschosse, Bomben und Raketen, perfektioniert. ermöglichte es allen Kriegsparteien, bis zum Kriegsende im November 1918 mehr als 124.000 Tonnen der eigentlich schon damals durch internationales Recht verbotenen Die im Jahr 1899 beschlossene Haager Landkriegsordnung untersagt als erster völkerrechtlicher Vertrag den Einsatz von toxischen Gasen. Schon früher war deren Einsatz allgemein geächtet. Chemiewaffen einzusetzen.

Mit Illustrationen von Malte Zirbel für Perspective Daily

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