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So kann Kolumbien der geordnete Rückzug im Krieg gegen das Kokain gelingen

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So kann Kolumbien der geordnete Rückzug im Krieg gegen das Kokain gelingen

8. September 2016
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8. September 2016

Dschungel, Gewalt und Kartelle – Kokain hat Kolumbien ein negatives Image verschafft. Doch gerade ein Umdenken beim Drogenkrieg und ein jüngster Friedensschluss geben dem Land eine neue Perspektive.

Alex James – Quelle: Laura CC BY

Beginnen wir bei einem europäischen Popstar. Musiker Alex James war in den 1990er-Jahren Bassist der britischen Rockband Blur. In den Medien machte vor allem sein privater Drogenmissbrauch Schlagzeilen. Das Gift seiner Wahl: Kokain Die Droge wird aus den Blättern des Koka-Strauches gewonnen, der vor allem in der Amazonasregion gedeiht. Bei der Herstellung werden Chemikalien wie Calciumoxid, Calciumhydroxid, Ammoniak, Kerosin, Salzsäure, Schwefelsäure und Aceton verwendet. In Europa kommt die Droge in 2 Formen an: »Koks« wird als Pulver geschnupft (im Szenejargon »eine Line ziehen«) oder intravenös eingenommen, »Crack« wird geraucht. Kokain bewirkt eine Stimulation des Zentralnervensystems, Euphorie, eine Steigerung der Leistungsfähigkeit und der Aktivität sowie eine Reduzierung von Hunger- und Müdigkeitsgefühlen. Mögliche Nebenwirkungen sind eine Störung des Furchtempfindens und psychische Störungen (depressionsartige Zustände, »Kokainpsychose«) sowie durch den Schlafentzug bedingte Halluzinationen, Verfolgungsängste, Desorientierung, Nervosität und Aggressivität. Die Droge macht hauptsächlich psychologisch abhängig. Unter 2% aller Drogentoten in Deutschland sterben an Kokain. Besonders gefährlich ist die Droge für Personen mit unentdeckten Herzfehlern. Diese können bereits nach einmaligem Konsum sterben. – Europas illegales Laut dem EU Drug-Market Report (2016) mit einem jährlichen Marktwert von 5,7 Milliarden Euro. Aufputschmittel Nummer 1. Nach eigenen Aussagen gab James The Guardian über Alex James (englisch) 1 Million Pfund für die Droge aus. Im Jahr 2007 erhielt er einen Brief des damaligen Vize-Präsidenten Kolumbiens, BBC News berichtet über Francisco Santos Calderons Kritik am Kokainkonsum von Stars (englisch) Francisco Santos Calderon.

Ich lade Sie herzlich in unser schönes Land ein, damit Sie nicht nur den Schmerz sehen, den der Drogenhandel über uns gebracht hat, sondern auch die Hoffnung und Kraft, mit der wir dagegen vorgehen. – Francisco Santos Calderon

Die Einladung war Teil einer Aufklärungskampagne der kolumbianischen Regierung. Sie wollte damit die Aufmerksamkeit auf die Probleme ihres Landes lenken, das bis heute der weltweit größte Produzent für Kokain ist. Die Quantifizierung der Herstellung einer illegalen Substanz ist schwer zu messen. Der World Drug Report aus dem Jahr 2016 liefert jedoch Zahlen für beschlagnahmte Kokainmengen zwischen 2009 und 2014: 56% allen in Südamerika beschlagnahmten Kokains wurde in Kolumbien gefunden, was mehr als 1/3 der weltweiten Beschlagnahmung entspricht. Gefolgt wird Kolumbien von Ecuador (10% der südamerikanischen Produktion), Brasilien (7%), Bolivien (7%) und Peru (7%). Das Motto der Kampagne: Die Anti-Drogen-Kampagne des Vize-Präsidenten (englisch) »Kokain zerstört nicht nur dich, sondern auch ein Land.«

Mit Illustrationen von Fabian Ludwig für Perspective Daily

 

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