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Sophie hat eine Krankheit: Albträume

Begleite sie bei ihrer Suche nach Heilung.

4. Januar 2019  7 Minuten

Erinnerst du dich an deinen letzten Albtraum?

Wahrscheinlich bist du schon mal, wie nahezu jeder Deutsche im Laufe seines Leitlinie zu nicht erholsamem Schlaf der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM, 2009) Lebens, im Schlaf von einer bedrohlichen Situation heimgesucht worden – etwa von einer Verfolgungsjagd, dem typischen Sturz in die Tiefe oder sogar dem Tod eines nahestehenden Menschen. Und sehr wahrscheinlich bist du dann angsterfüllt, schweißgebadet und mit rasendem Herzen aufgewacht.

Stelle dir vor, das passiert dir nicht nur gelegentlich, sondern jede Nacht von Neuem.

Etwa die Hälfte aller Deutschen hat gelegentliche Albträume. Etwa 7% haben sogar alle 2 Wochen oder häufiger damit zu Wie diese repräsentative Studie zeigt (englisch, 2013, PDF) kämpfen. Und bei manchen ist die Angst im Schlaf der Normalfall.

Zum Beispiel bei der Studentin Sophie M.: Nachts durchlebt sie horrorfilmreife Szenen, die von Gewalt, Krieg und Ungerechtigkeit geprägt sind – und das schon seit über 20 Jahren.

Ich wollte wissen, was das mit ihr macht. Gelernt habe ich dabei, wie wir alle besser träumen.

Katharina Lüth

Katharina Lüth

Mein Beitrag zur Traumforschung: Ich beschäftige mich seit einigen Jahren an der Universität Osnabrück mit den Forschungsthemen Schlaf und Traum. Dort leite ich die studentische Initiative »Sleep and Dream«.

Was macht das mit einem Menschen?

Sophie M. ist heute 27 Jahre alt. Die Albträume kommen seit ihrer Kindheit schubweise. Manchmal geht es ihr für ein paar Wochen gut, bis die nächste schlimme Nacht an ihren Nerven zerrt. Natürlich ist ihr nach dem Aufwachen meist schnell klar, dass alles nur ein Traum war. Doch das ändert nichts am Schrecken und einem beklemmenden Gefühl, das oft noch lange anhält: »Das Gefühl ist total echt und das macht es so anstrengend. Wenn ich im Traum sterbe, dann wache ich immer auf und dann bleibt das Gefühl von ›ich sterbe gerade‹«, sagt Sophie.

Treten ihre Albträume auf, dann meist gehäuft. In einer solchen »Albtraumphase« suchen sie Sophie M. jede Nacht heim, manchmal auch mehrmals pro Nacht. Oft spitzt sich die Situation dann so zu, dass sie abends nicht mehr ins Bett gehen will.

Die Angst, dass ein Traum wieder zum Horror wird, kann Albträumende wie Sophie M. davon abhalten, ruhig zu schlafen. Klar, dass das die Schlafqualität mindert und der nächste Tag von Konzentrationsmangel, Schläfrigkeit und schlechter Stimmung getrübt ist. Schlimmer noch: Immer wiederkehrende Albträume können Suizidgedanken begünstigen, Finnische Forscher zeigen einen Zusammenhang zwischen Albträumen und Suizid (englisch, 2001) wie finnische Wissenschaftler zeigten.

Da fragt sich nicht nur Sophie M.: Woher kommt sowas? Und wie kann es sein, dass manche Menschen nachts leiden müssen, während andere seelenruhig durchschlafen?

Mit Illustrationen von Adrian Szymanski für Perspective Daily

von Katharina Lüth 

Katharina Lüth studiert Cognitive Science (Kognitionswissenschaften) in Osnabrück und forscht zum Thema Schlaf und Traum. Von Mai bis August 2017 hat sie die Redaktion von Perspective Daily als Praktikantin unterstützt. Seither schreibt sie bei uns als Gastautorin über Schlaf und Schlafprobleme in unserer Gesellschaft.

Themen:  Psychologie   Gesundheit  

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