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Von der Kunst, den Krieg hinter sich zu lassen

Nur 120 Kilometer trennen Beirut und Damaskus. Doch dazwischen liegen Welten – Krieg auf der einen, Frieden auf der anderen Seite. Viele syrische Künstler sind in die libanesische Hauptstadt geflüchtet und etablierten dort ein Zentrum für ihre Exil-Kunst. Ein Audiobeitrag

13. September 2016  5 Minuten

Um unseren Audiobeitrag direkt bei Soundcloud zu hören, hier klicken Wieder und wieder prellt der Basketballspieler einen Ball auf das Bettgestell aus Metall. Unter dem Metallgitter kauert eine Gruppe von Menschen, die bei jedem Aufprall zusammenzucken. Schutzsuchend kriechen sie unter das nächste Bett. Diese Szene aus dem Theaterstück könnt ihr euch hier anschauen Der Hüne setzt ihnen nach. Wie Bomben auf Häuserdächer prasseln die Aufschläge des Balles auf die Bettgestelle nieder.

Die Szene stammt aus dem Theaterstück »Über Null«, Das Stück wurde von der syrischen »Koon«-Theatergruppe im Babel Theater in Beirut uraufgeführt und verbindet Tanz- und Sprechtheater. Es entstand in Zusammenarbeit mit libanesischen Rappern und dem syrischen Theaterregisseur Osama Halal, der die Gruppe in Damaskus gründete. Halal kommt aus dem Tanztheater und etablierte als einer der Ersten das Straßentheater in Syrien. Die meisten Darsteller in »Über Null« studierten am Institut für Darstellende Künste in Damaskus. Das Theaterstück gastierte 2015 bereits in den Niederlanden, in leicht veränderter Besetzung, da nicht alle Darsteller ein Visum erhielten. das im Libanon 2014 uraufgeführt wurde. Die Heinrich Böll Stiftung hat das Stück rezensiert Das Stück erzählt von Flucht, Folter und Verfolgung aus der Sicht von syrischen Schauspielern, die heute im libanesischen Exil leben. Jeder Fünfte im Libanon ist heute Syrer. Im Juni 2016 gab das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) an, dass 1,033 Millionen syrische Geflüchtete im Libanon registriert seien. Nicht erfasst werden diejenigen, die keine finanziellen Hilfen der UNHCR in Anspruch nehmen. Im Libanon leben rund 5 Millionen Einwohner. Damit ist heute jeder Fünfte im Land ein Syrer.