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Grübeln wird deine Probleme nicht lösen

Grübeln ist nichts als ein raffinierter Trick deines Gehirns, um dich abzulenken. Wenn das nächste Mal deine Gedanken endlos kreisen, denke an diesen Text.

7. Februar 2019  7 Minuten

Unsere Gedanken sind der Soundtrack unseres Lebens. Wir sind permanent im Gespräch mit uns selbst, nicht laut, sondern in der Privatsphäre unseres Kopfes. Dieses Gespräch gleicht allerdings für gewöhnlich keiner gesitteten Unterhaltung oder gar einem besonnenen Austausch logischer Argumente. Stattdessen geht es in unserem Kopf meist drunter und drüber, wir unterbrechen uns selbst, kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen, reisen in die Vergangenheit, springen zwischen unterschiedlichen Zukunftsversionen hin und her.

Zwischendurch lenken wir unser inneres Gespräch bewusst auf konkrete Fragen Es ist normal, dass unsere Gedanken wandern. Multitasking funktioniert trotzdem nicht oder Aufgaben: wenn wir intensiv über eine Aufgabe nachdenken, herausfinden wollen, warum wir uns gestern so geärgert haben, oder den Besuch von Freunden am Wochenende planen. Doch passiert es manchmal, dass die Gedanken mit uns durchzugehen scheinen. Dann, wenn wir immer und immer wieder dasselbe denken. Dann, wenn dieser eine Gedanke unkontrollierbar scheint, weil er alle Aufmerksamkeit an sich reißt. Dann, wenn wir zu keinem Ende kommen, zu keiner Lösung.

Dann sind wir sind mittendrin in der Grübelschleife. Ich nutze den Begriff Grübeln entsprechend der psychologischen Definition: Es meint wiederholtes Nachdenken über ein bestimmtes Problem oder zu einer Frage, ohne zu einer Lösung zu kommen. In der psychologischen Forschung wird genauer zwischen Grübeln (auch Rumination) und Sorgen unterschieden: Beim Grübeln kreisen Menschen um Gründe und Ursachen für ihre aktuelle negative Stimmung und fragen sich, welche Konsequenzen ihre Stimmung haben könnte: »Warum bin ich so unmotiviert? Wie kann das sein, dass ich das nicht schaffe?! Vielleicht liegt es daran, dass … Wie soll ich so die nächste Woche schaffen?!« Sorgen wird als wiederholtes Nachdenken über bedrohliche Dinge in der Zukunft definiert: »Wie soll ich nur die Vorbereitung für den Vortrag schaffen? Ich werde sicher wieder irgendwas vergessen. Was ist, wenn ich das in den Sand setze? Was denken meine Kollegen?« Sorgen und Grübeln ist gemein, dass die Gedanken um belastende Themen kreisen, auf das Selbst fokussiert sind, als unkontrollierbar und belastend wahrgenommen werden und sich wiederholen, ohne eine Lösung oder Veränderung zu bewirken. Aus diesem Grund ist die Unterscheidung in der klinischen Praxis für das Verständnis der Patienten weniger relevant.

Und warum? Weil wir glauben, durchs Grübeln die beste Lösung zu finden. Doch das ist ein Irrglaube, weil wir fälschlicherweise annehmen, mit Nachdenken alles lösen zu können.

Mit Illustrationen von Tobias Kaiser für Perspective Daily

von Katharina Ehmann 

Was macht dich krank, was hält dich gesund? Wie können wir uns selbst besser verstehen und welchen Einfluss hat jeder Einzelne – auf sich selbst, aber auch seine Umwelt? Diesen Fragen geht Katharina als Psychologin auf den Grund.

Themen:  Gesundheit   Psychologie  

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