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»Mir hat die Bundeswehr beigebracht, nicht in Schubladen zu denken«

Sagt diese Frau, Muslimin und Marineoffizierin. Jetzt hat sie ein Buch darüber geschrieben, warum sie stolz auf Deutschland ist.

Interview - 12. Februar 2019  11 Minuten

Soldatenschwund, Skandale und Spott über marode Ausrüstung – seit Jahren kommt die Bundeswehr nicht aus den Negativschlagzeilen. Das schlechte Image lastet vor allem auf den Kameraden. Das weiß die Marineoffizierin Nariman Hammouti-Reinke, die seit 14 Jahren Soldatin ist und jetzt Das Buch ist im Rowohlt-Verlag erschienen (2018) das Buch »Ich diene Deutschland« veröffentlicht hat. Es ist ihr persönliches Plädoyer für die Bundeswehr.

In ihrem Buch arbeitet sie sich an den Vorwürfen gegen die Bundeswehr ab. Ausführlich steigt sie zum Beispiel in den spektakulären Immer noch wird gegen das Netzwerk um Franco A. ermittelt. Die F.A.Z. widmet den Untersuchungen ein Dossier Fall um Franco A. ein. Der deutsche Oberleutnant aus dem Elsass hatte sich seit dem Jahr 2015 als syrischer Flüchtling ausgegeben und soll so in Deutschland Anschläge auf Politiker geplant haben. Als seine Tarnung aufflog, sei in der öffentlichen Aufarbeitung zu Franco A. hatte auch Kontakt in die Reichsbürgerszene Rechtsextremismus in der Bundeswehr viel verallgemeinert worden, meint Hammouti-Reinke und schreibt: »Nur möchte ich darauf hinweisen, dass wir kein besonderes Sammelbecken für Menschen mit solchen Ideen sind.«

Biografie

Nariman Hammouti-Reinke, geboren und aufgewachsen bei Hannover, trat im Jahr 2005 in die Bundeswehr ein. Sie war 2-mal in Afghanistan und dient heute als Leutnant zur See. Außerdem sitzt sie dem Verein Deutscher.Soldat. e. V. vor und war Mitglied der 16. Bundesversammlung (Wahl Steinmeier).

Bildquelle: Patrice Kunte

Der Generalverdacht haftet ihr nicht nur als Soldatin an. Als Tochter marokkanischer Eltern und als Muslimin kämpft sie gegen Vorurteile an vielen Fronten. Die meisten Medien berichten über Hammouti-Reinke zuerst als »muslimische Soldatin«. »Für die bin ich ein Ufo«, sagt sie mir im Interview. Über die mediale Repräsentation von Muslimen schreibe ich hier »Wie kann eine Frau mit dunklen Haaren, Muslima, deutsche Marineoffizierin sein?«, fragt sie provokant im Interview, das ich in Berlin mit ihr führe. Noch davor habe ich mich gefragt, wie ich denn so eine Offizierin überhaupt anspreche. Doch relativ direkt und schnell duzt sie mich. Und mindestens genauso direkt spricht sie dann über Soldatenbashing in der Öffentlichkeit, die Parallelen zu ihrem Vater, der marokkanischer Freiheitskämpfer war, und die Verantwortung der Politik, die Bürger endlich über Auslandseinsätze der Bundeswehr zu informieren.

\interview

Warum hast du jetzt ein Buch über die Bundeswehr veröffentlicht?
Nariman Hammouti-Reinke: Der Zeitpunkt war Zufall. Wir wissen ja nie, wann Skandale um die Bundeswehr hochkochen. Warum ich es geschrieben habe? Wir brauchen die Debatte darüber, dass die Bundeswehr in die Mitte der Gesellschaft gehört. Wir brauchen aber auch die Auch der Antirassismus-Aktivist Tarik Tesfu geht dagegen an, dass ihm das Deutschsein immer wieder abgesprochen wird Debatte über das Deutschsein, das man mir absprechen möchte. Das geht für mich nicht. Ich bin in meiner Familie die erste Generation, die in Deutschland geboren wurde. Ich habe wie viele andere diesen statistischen Migrationshintergrund. »Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Im Einzelnen umfasst diese Definition zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländerinnen und Ausländer, zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte, (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler sowie die als Deutsche geborenen Nachkommen dieser Gruppen. Die Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges und ihre Nachkommen gehören nicht zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund, da sie selbst und ihre Eltern mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren sind.« So wird der Migrationshintergrund auf der Website des statistischen Bundesamts definiert. Aber auch wir sind Deutsche.

Titelbild: Nariman Hammouti-Reinke - copyright

von Juliane Metzker 

Juliane schlägt den journalistischen Bogen zu Südwestasien und Nordafrika. Sie studierte Islamwissenschaften und arbeitete als freie Journalistin im Libanon. Durch die Konfrontation mit außereuropäischen Perspektiven ist ihr zurück in Deutschland klar geworden: Zwischen Münster und Beirut liegen gerade einmal 4.000 Kilometer. Das ist weniger Distanz als gedacht.

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