Interview 

Reiche Städte, arme Dörfer: Wie wir den sozialen Sprengstoff entschärfen

Bröckelnde Brücken, lahmes Internet, marode Schulen: Damit uns nicht alles um die Ohren fliegt, sagt mir der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, was wir jetzt tun müssen.

11. Februar 2019  11 Minuten

Deutschland geht es gut!

Zumindest finanziell. Die Einnahmen des Staates sprudelten in den vergangenen Jahren, einer frisch angebohrten Ölquelle gleich, scheinbar unaufhörlich. Kein Jahr verging ohne neue Rekordüberschüsse. Allein im ersten Halbjahr Die genauen Zahlen für das gesamte Jahr 2018 sind bis dato noch nicht veröffentlicht. des vergangenen Jahres blieben dem Bund nach Abzug aller Ausgaben 19,5 Milliarden Euro (in Zahlen 19.500.000.000) auf der Habenseite, den Bundesländern 13,1 Milliarden. Auch die kleinsten Verwaltungseinheiten, die Kommunen, machten Statistisches Bundesamt (2018) unterm Strich ein Plus von 6,6 Milliarden Euro.

Volle Kassen, klamme Kommunen

Schauen wir jedoch genauer hin, trübt sich das Bild, denn es kommt ganz darauf an, welche Regionen wir betrachten: Volle Kassen findet man in erster Linie in den süddeutschen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg. In Berlin, Sachsen oder auch Nordrhein-Westfalen sieht es hingegen schon Finanzströme des Länderfinanzausgleiches (2018) wesentlich bescheidender aus. Schauen wir noch genauer, werden die Ungleichheiten noch wesentlich tiefgreifender: Abseits von den florierenden Ballungszentren wie Hamburg, München oder Stuttgart ist knapp jede dritte Kommune in Deutschland überschuldet. Manche von ihnen so sehr, dass sie ohne immer neue Kredite nicht mehr überleben könnten.

Die Folgen sind dramatisch und reichen von geschlossenen Schwimmbädern und Theatern über gammelnde Schulklos bis hin zu wegen Einsturzgefahr geschlossenen Brücken. Hier herrscht nicht selten Tristesse und Perspektivlosigkeit – wer kann, zieht weg. Zurück bleiben die Alten und finanziell Schwachen.

Wie passt das alles zusammen?

Woher kommt die Ungleichheit?

Titelbild: Tobias Kaiser / Adrian Szymanski - copyright

von Chris Vielhaus 

Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit hat wenig Reibungspotenzial: Wer würde schon ernsthaft behaupten, für weniger Gerechtigkeit zu sein? Chris zeigt, wie das konkreter geht. Dafür hat er erst Politik und Geschichte studiert und dann als Berater gearbeitet. Er macht die Bremsklötze ausfindig, die bei der Gesundheitsversorgung, Chancengleichheit und Bildung im Weg liegen – und räumt sie aus dem Weg!

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