Diese Tierversuche können helfen, Krebs zu heilen – bei Hund und Mensch

Würdest du deinen krebskranken Hund für Versuche hergeben – wenn das Menschenleben retten könnte? In den USA ist das ganz normal.

27. Februar 2019  7 Minuten

Hunde haben keine Krankenversicherung. Die Mehrheit der Hunde jedenfalls nicht, was nicht bedeutet, dass es keine entsprechenden Angebote gibt. Die Verbraucherzentrale bezeichnete die Krankenversicherung für Tiere zuletzt als tierisch überflüssig.

Was erst einmal banal klingt, kann für ihre Halter ernste Konsequenzen haben: Unsere Gefährten mit der feuchten Nase nehmen für viele Menschen die Rolle eines vollwertigen Familienmitglieds ein.

Familienmitglieder, die in manchen Fällen mehr mit uns gemein haben, als ihren Haltern lieb ist. Denn jeder zweite Hund, der die Altersschwelle von 10 Jahren überschreitet, stirbt an einer tückischen Krankheit, die auch für uns Menschen noch immer Hier erkläre ich, worauf man bei Statistiken zum Thema Krebs und bei der Früherkennung achtgeben muss häufig nicht heilbar ist: Krebs. Kommt es so weit, müssen Herrchen und Frauchen die kostspieligen Therapien selbst zahlen – wenn sie es sich leisten können.

Dabei gibt es eine Chance für die betroffenen Tiere, die ebenso jedem menschlichen Patienten offensteht, bei uns in Europa aber bisher kaum genutzt wird: die Teilnahme an medizinischen Studien – deren Ergebnisse später anderen Haustieren und Menschen zugutekommen könnten.

Krebsarten, die bei Mensch und Hund auftreten. –

Das klingt ganz anders, als wenn man diesen Vorgang als das bezeichnet, was er am Ende des Tages ist. Nämlich als einen Tierversuch. Warum weckt dieser Begriff vor allem ungute Assoziationen?

Tierversuch ist nicht gleich Tierversuch

»Tierversuch«. Allein das Wort auszusprechen genügt, um wohl bei den meisten Exemplaren des Tieres der Gattung Mensch ein flaues Gefühl in der Magengrube hervorzurufen. So hat eine kritische öffentliche Haltung zu dem Thema in der Vergangenheit bewirkt, dass Versuche an Tieren, die nicht der biologisch-medizinischen Forschung dienten, durch das Deutsches Tierschutzgesetz – Gesetze im Netz deutsche Tierschutzgesetz stark eingeschränkt oder gänzlich verboten wurden. Auch auf EU-Ebene gab es Fortschritte, etwa das 2013 verhängte Verbot, die Verträglichkeit von Europäische Kommission – Ban on Animal Testing (englisch) Kosmetika an Tieren zu testen.

Fragen und Antworten zu Tierversuchen – Bundesinstitut für Risikobewertung (2016) Abseits dieser Versuche aus wirtschaftlichen Interessen stehen Tests, die sicherstellen sollen, dass die Risiken von neu entwickelten Medikamenten und Behandlungen sich in Grenzen halten, bevor sie schließlich am Menschen erprobt werden. In den meisten Fällen geschieht das, indem gesunde Versuchstiere – in Deutschland sind das in 80% der Fälle Nagetiere wie Mäuse oder Ratten – Mäuse machten 2017 etwa 66% (ca. 1,36 Millionen) der eingesetzten Tiere aus. Circa 11% (ca. 240.000) der Tiere waren Fische, 5% (ca. 92.000) Kaninchen und etwa 2% (ca. 37.000) Vögel. mit einer Krankheit infiziert werden, um anschließend zu überprüfen, Daten zur Verwendung von Versuchstieren vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2018) ob die Behandlung wirksam ist.
Um der ethischen Verantwortung gegenüber den Tieren gerecht zu werden, gilt es, In der »Baseler Deklaration« von 2011 haben sich europäische Forscher die 3R zum Ziel gesetzt: Replacement (Vermeidung), Reduction (Verringerung) und Refinement (Verfeinerung) die Versuche möglichst effizient und zweckmäßig zu gestalten – und das ist bei Versuchen an Mäusen in der Krebsforschung nicht immer der Fall.

Zum einen hat diese Art der Forschung das generelle Problem, die Realität unter Laborbedingungen nie zu 100% nachbilden zu können. Zum anderen können neue, vielversprechende Krebstherapien, in denen körpereigene Abwehrzellen des Patienten so verändert werden, dass sie Tumorzellen aufspüren und zerstören können, Infos zur Zulassung der sogenannten T-Zellen-Therapie – Krebsinformationsdienst (2018) wahrscheinlich nicht an Mäusen erprobt werden.

Grund dafür ist, dass die kleinen Nager in freier Wildbahn gar nicht dazu neigen, Krebs zu entwickeln. Um die Erkrankung unter Laborbedingungen trotzdem bei ihnen hervorzurufen, werden ihnen menschliche Krebszellen implantiert. Dazu müssen die Forscher verhindern, dass das Immunsystem der Mäuse die fremden Zellen angreift – und das klappt nur, indem sie ihre Immunabwehr künstlich verändern.

Titelbild: Eric Ward - CC0

von Chris Vielhaus 

Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit hat wenig Reibungspotenzial: Wer würde schon ernsthaft behaupten, für weniger Gerechtigkeit zu sein? Chris zeigt, wie das konkreter geht. Dafür hat er erst Politik und Geschichte studiert und dann als Berater gearbeitet. Er macht die Bremsklötze ausfindig, die bei der Gesundheitsversorgung, Chancengleichheit und Bildung im Weg liegen – und räumt sie aus dem Weg!

Themen:  Gesellschaft   Gesundheit   USA  

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