Wer davon profitiert, dass du an den »Fachkräftemangel« glaubst

Schluss mit dem Mythos: Was dem Arbeitsmarkt wirklich fehlt.

6. März 2019  8 Minuten

Der Warteraum des Jobcenters ist prall gefüllt. Doch statt Menschen, die Arbeit suchen, sitzen hier Führungskräfte örtlicher Unternehmen. Die Chefs warten verzweifelt, denn ihre Firmen haben einfach zu wenig Arbeitskräfte und stehen fast still. Da überbringt der Sachbearbeiter die schlechte Nachricht: »Heute ist nichts mehr zu machen. Es sind keine qualifizierten Arbeitnehmer mehr verfügbar.« Enttäuschte Gesichter. Der Fachkräftemangel hat wieder einmal zugeschlagen!

Ist diese ausgedachte Szene unrealistisch? Angeblich nicht. Bei der Diskussion um den allseits beschworenen »Fachkräftemangel« bekommt man den Eindruck, Unternehmen seien längst die Bittsteller auf dem Arbeitsmarkt und würden um eine Handvoll Arbeitnehmer buhlen.

Die BILD ruft den »Kampf um Fachkräfte« aus, das Handelsblatt schrieb schon im November: »Fachkräftemangel verschärft sich«. Es wirkt, als gehe es schon ums Ganze, als befinde sich der Arbeitsmarkt in einer Krise.

Und aktuelle Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) scheinen das zu belegen: Ergebnis der IAB-Stellenerhebung zum 4. Quartal 2018 (2019) Deutsche Unternehmen finden für 1,46 Millionen freie Arbeitsstellen nicht sofort passende Arbeitnehmer. Es sind so viele unbesetzte Stellen wie zuletzt vor 25 Jahren.

Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis hat diese Zahlen für das IAB zusammengetragen. So klar, wie es zunächst scheint, ist die Lage nicht. Er hilft uns, die Mythen und Missverständnisse einzuordnen.

Titelbild: Toa Heftiba - CC0

von Benjamin Fuchs 

Jeder weiß: Unsere Arbeitswelt verändert sich radikal und rasend schnell. Nicht nur bei uns vor der Haustür, sondern auch anderorts. Wie können wir diese Veränderungen positiv gestalten und welche Anreize braucht es dafür? Genau darum geht es Benjamin, der erst Philosophie und Politikwissenschaft studiert hat, dann mehr als 5 Jahre als Journalist in Brasilien lebte und 2018 zurück nach Deutschland gekommen ist. Es gibt viel zu tun – also: An die Arbeit!

Themen:  Gesellschaft   Deutschland   Arbeit  

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