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Du zahlst zu viele Steuern. Aber aus anderen Gründen, als du denkst

30. April 2019
Themen:

Deutschland besteuert seine Durchschnittsverdiener so hoch wie kaum ein anderes Land. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wer dafür verantwortlich ist – und wie es wieder anders werden kann.



Die Welt (2019) »Deutsche Steuerlast ist Weltspitze!«, »Steuern und Abgaben – Manager Magazin (2019) Deutschland und Belgien sind die größten Gehaltsfresser!« oder »So viel mehr dürften Sie Wirtschaftswoche (2019) im Ausland vom Brutto behalten.«

Jedes Jahr aufs Neue ist es Anfang April so weit. Der deutsche Steuerzahler kocht vor Wut, OECD – »Taxing Wages« (englisch, 2019) denn die jährliche OECD-Studie zum Thema Steuern und Sozialabgaben wird veröffentlicht.

Und weißt du was?

Wir kochen zu Recht: Deutschland belegt hinter Belgien Platz 2 der Liste, bis zu 49,5% muss eine alleinstehende Durchschnittsverdienerin hierzulande von ihrem Lohn abtreten. Dieser Wert sorgt berechtigterweise für Zähneknirschen, auch wenn wir nicht vergessen dürfen, dass darin Sozialabgaben für Gesundheit, Pflege und Rente enthalten sind.

Doch diese hohe Belastung ist nicht gleichmäßig auf alle Schultern der Gesellschaft verteilt – und das ist auch richtig so: Der Lohn von Geringverdienern etwa ist – wie die Bezeichnung schon sagt – so gering, dass kaum Spielraum für Steuern und Abgaben bleibt, Arbeitssuchende können mangels Einkommen gar keine Abgaben beisteuern.

Das ist fair, denn unser Steuersystem ist so geregelt, dass jeder Bürger gemäß seinen finanziellen Möglichkeiten zum Gemeinwesen beizutragen hat, die Abgaben folgen also dem sogenannten »Leistungsfähigkeitsprinzip«. Wer wenig hat, kann wenig beisteuern – was im Umkehrschluss bedeutet, dass die finanziell stärkeren entsprechend ihrer höheren Einkommen mehr schultern müssen.

Vermögen ist Einkommen für Fortgeschrittene.

Folgen wir dieser Logik, sind diejenigen Menschen unserer Gesellschaft steuerlich am leistungsfähigsten, die am reichsten sind. Um Missverständnissen vorzubeugen: Dabei geht es nicht um die Oberärztin mit 10.000 Euro Bruttoverdienst, ebenso wenig wie um den selbstständigen Familienunternehmer mit 50 Angestellten.

Es geht also, anders gesagt, nicht um die Porschefahrer oder Rolexträgerinnen dieses Landes, es geht um die Privatjetflieger. Also zumindest um die 45 Personen am oberen Ende der Reichtumsskala, die zuletzt so viel Vermögen besaßen wie die 41 Millionen Menschen, die das untere Ende der Vermögensskala bilden.

Da unser Gehirn Zahlen in einer solchen Größenordnung nicht mehr richtig einordnen kann, hilft es, Vergleiche wie diesen In besagtem Text beschreibe ich, wie ungerecht die Vermögen in Deutschland verteilt sind aus einem früheren Text zu bemühen:

Der jährliche OECD-Bericht kümmert die Menschen oberhalb des DIN-A4-Blattes wahrscheinlich in etwa so sehr wie der nächste Streik des Ryanair-Personals: nämlich gar nicht. Denn seit Ende der 1990er-Jahre wurden sämtliche Steuerarten, die besonders auf die Superreichen abzielten, systematisch abgebaut.

Welche das sind, wie es dazu kommen konnte – und wie wir die Uhr vielleicht zumindest ein bisschen zurückdrehen können, erfährst du auf dieser Reise durch die goldene Zeit für Vermögende, die vor ungefähr 20 Jahren begann.

Abfahrt!

Mit Illustrationen von Isabell Altmaier für Perspective Daily

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