Gastautor: Kai Rüsberg

Bamba Chakula: Wenn Geflüchtete mit dem Handy bezahlen

28. Juni 2016

Stundenlanges Anstehen: Bei der Verteilung von Notrationen kommt es in Flüchtlingslagern oft zu Spannungen und Verteilungskämpfen. Kenia geht einen neuen Weg und verteilt statt Reissäcken digitales Geld. Damit können die Menschen selbst einkaufen und entscheiden, was auf den Tisch kommt.

Es ist heiß in der engen Gasse zwischen den Wellblechbaracken – 38 Grad Celsius. Doch hunderte Menschen drängen sich über den Lehmboden im sogenannten Äthiopier-Markt von Kakuma. Das Flüchtlingslager liegt inmitten einer Trockensavanne im Nord-Westen Kenias, nahe den Grenzen zu Uganda und dem Südsudan. Im April 2016 veröffentlichte das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) aktuelle Zahlen für Kenia Knapp 190.000 Menschen leben hier aktuell. Afrika ist der Kontinent mit den meisten Flüchtlingen und Kenia gehört weltweit zu den wichtigsten Ländern, die Geflüchteten verschiedener Religionen und Ethnien Zuflucht gewähren. Nach Angaben des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) leben in Kenia seit einigen Jahren nahezu konstant 600.000 Menschen, von denen ca. 40.000 einen Asylantrag gestellt haben. Ein Drittel von ihnen lebt im Flüchtlingslager Kakuma, mehr als die Hälfte in den Dadaab/Allinjugur Lagern im Osten des Landes und etwa jeder Zehnte in der Hauptstadt Nairobi. Gemessen an der Einwohnerzahl von 45 Millionen Kenianern ist der Anteil vergleichbar mit anderen großen Zufluchtsländern wie Deutschland. Zwei Drittel der Flüchtlinge in Kenia stammen aus Somalia, jeder Fünfte aus dem Südsudan.

»Hier von diesem Reis eine Schütte!« Christine Sande dirigiert den Verkäufer durch den Laden und lässt ihn Tüte um Tüte mit Lebensmitteln füllen: braune Bohnen und Rohrzucker aus dem Leinensack, dazu abgepacktes Mehl, mit Backpulver gemischt. Die roten Zwiebeln sucht sie selbst aus und füllt eine blaue Einkaufstüte damit. Heute macht die junge Mutter Großeinkauf, es muss den ganzen Monat für sie und ihre Familie ausreichen.

Christine Sande hat aber kein Geld in der Tasche. Sie ist Geflüchtete aus dem Sudan und auf Nahrungshilfe angewiesen. Sie bezahlt Bohnen und Mehl mit einer SIM-Karte, wie sie in jedem Handy steckt. Dazu gibt sie den Chip dem Kassierer. Der sitzt umringt von einem Dutzend anderer Kunden vor der Wellblechbaracke und macht den gesamten Tag nichts anderes, als die SIM-Karten der Einkäufer in ein Handy zu stecken, den Akku einzulegen, das Gerät anzuschalten und die vom

Titelbild: UNHCR/Benjamin Loyseau - copyright

 

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