So behältst du online recht

Mit deinen Argumenten im Netz keinen Erfolg? Dann hör auf einen seit über 200 Jahren toten Adligen und eine sehr lebendige Social-Media-Expertin.

10. Mai 2019  8 Minuten

Du hast eine Meinung und möchtest sie mit der Welt teilen? Dann bist du nicht allein. Die Marketinganalysten von Zephoria analysieren Facebooks aktuelle Statistik (englisch, 2019) Pro Minute werden heute 510.000 Kommentare im Internet gepostet – allein auf Facebook. Dazu kommen noch Beiträge in anderen sozialen Netzwerken, Die berühmte Internetübersicht der Radiomoderatorin Lori Lewis (englisch, 2019) unter Youtube-Videos und in Diskussionsforen. Und jetzt kommt es: Ein Großteil davon ist sinnlose Zeitverschwendung.

Nein, ernsthaft. Oder wann hattest du zuletzt wirklich eine ernsthafte Diskussion im Internet, an deren Ende du zufrieden warst und dich bereichert gefühlt hast?

Die alte Internetweisheit Eine Analyse, warum das Sprichwort »Don’t Read The Comments« vor allem auf Journalisten zutrifft (englisch, 2015) »Lies niemals die Kommentare!« trifft heute mehr zu als je zuvor. Hinter jeder digitalen Ecke scheinen Trolle Troll steht im Netzjargon für eine Person, die in ihrer Kommunikation vor allem auf emotionale Provokation anderer Gesprächsteilnehmer abzielt, um dadurch Reaktionen zu erhalten. und So macht der Hass das Internet kaputt (und ich stelle 5 Ideen vor, die das ändern sollen) Wutschreiber nur darauf zu warten, sich an irgendwelchen Reizwörtern aufzuhängen, um schlechte Laune zu verbreiten und das Gespräch an sich zu reißen – Youtube sperrte im Februar die Kommentarfunktion unter fast allen Videos, in denen Kinder zu sehen waren, wegen kindesmissbräuchlicher Kommentare (englisch, 2019) oder Schlimmeres. Und selbst wenn du tatsächlich an vernünftige Gegenüber gerätst, Missverständnisse, Ärger und Fettnäpfchen: Lutz Bergmann zeigt 4 Tipps, mit denen du aufhörst, deinen Mitmenschen digital auf den Keks zu gehen lauern allerhand Stolperfallen.

»Kommentare enden meist im Streit mit absoluten Fremden und ohne irgendein Ergebnis.« – Youtube-Influencerin Das Video »Don’t Read the Comments« von Kat Blaque (englisch, 2016) Kat Blaque

Kein Wunder, dass es schon Browsererweiterungen gibt, die Gespräche im Internet komplett ausblenden. Ihr treffender Name: Die Browsererweiterung »Don’t Read The Comments« »Don’t Read The Comments«.

Sollen wir die Möglichkeit, uns mit Fremden auszutauschen und dabei wirklich etwas zu gewinnen, wirklich einfach so begraben?

Es muss doch im Jahr 2019 möglich sein, Ein Paper zur Auswirkung von toxischen Kommentaren auf Frauen (englisch, 2018) vernünftige, ernsthafte und wertvolle (Streit-)Gespräche im Netz zu führen. Und am Ende vielleicht sogar andere von der eigenen Meinung zu überzeugen – zumindest den eigenen Standpunkt souverän klar zu machen.

Illustration: Mirella Kahnert

Meine These: Das geht. Aber nicht von selbst. Denn richtiges Diskutieren ist eine Kunst, die man erlernen muss. Das schaffen wir aber nicht, indem wir wutschäumende Kommentare lesen – sondern zur Abwechslung mal schauen, was ein 230 Jahre toter Freiherr, Dichter und Illuminat zu sagen hat.

Der Herr Freiherr hätte das Internet gerockt

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Dirk Walbrühl 

Dirk ist ein Internetbewohner der ersten Generation. Ihn faszinieren die Möglichkeiten und die noch junge Kultur der digitalen Welt, mit all ihren Fallstricken. Als Germanist ist er sich sicher: Was wir heute posten und chatten, formt das, was wir morgen sein werden. Die Schnittstellen zu unserer Zukunft sind online.

Themen:  Gesellschaft   Psychologie   Internet  

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