Unbesorgte Bürger

Die Krawalle in Bautzen zeigen: Gewalt gegen Geflüchtete geht längst nicht mehr nur von Rechtsextremen aus. Was muss passieren, damit Bürger nicht zu Tätern werden?

20. September 2016  7 Minuten

Tausende Menschen stehen vor der Flüchtlingsunterkunft in Freital. Im sächsischen Freital – aus dem übrigens auch Pegida-Gründer Lutz Bachmann stammt – mobilisieren Rechte seit Anfang 2015 regelmäßig zu Protesten gegen die Unterbringung von Geflüchteten in einem Hotel. P arallel gründeten sich selbsternannte Bürgerwehren und militante Gruppen, zuletzt schaltete sich der Generalbundesanwalt wegen Terrorverdachts ein. Sie werfen Böller und Eier, stecken Autos linker Lokalpolitiker in Brand und schwenken die Wirmer-Flagge. Die Wirmer-Flagge ähnelt der schwedischen und der dänischen Flagge; sie zeigt ein schwarz-gelbes Kreuz auf rotem Untergrund. Ursprünglich wurde sie von den Hitler-Attentätern um Stauffenberg entworfen. Seit einigen Jahren wird sie von Rechten und Rechtsextremen verwendet. Auf dem Höhepunkt der politischen Debatte um Geflüchtete in Deutschland eskaliert die Gewalt in der sächsischen Kleinstadt. Was in Freital begann, setzt sich in Clausnitz fort: Wütende Menschen empfangen einen Bus mit Geflüchteten. Es kommt nicht zu gewalttätigen Übergriffen, doch Menschen verstellen den Ankommenden den Weg zur Flüchtlingsunterkunft. Keiner der Passagiere traut sich, seinen Weg durch die Menge zu bahnen. Erst mit Polizeischutz können die Geflüchteten ihre

Titelbild: Bürgerversammlung zur Unterbringung von Geflüchteten in Amt Neuhaus (Niedersachsen) / Philipp Schulze - dpa - copyright

von Tareq Sydiq 

Stell dir vor, es gibt einen Staat und keinen interessiert es: Mit Tareq passiert uns das nicht. Warum Regierungen so aussehen, wie sie es tun, was wir ändern können und wie auf der internationalen Bühne getanzt wird, interessiert den früheren Radiojournalisten und Blogger ganz besonders. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am »Zentrum für Konfliktforschung« in Marburg und Redakteur der Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung.

Themen:  Populismus   Demokratie   Deutschland  

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