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Offiziell gibt es Burn-out jetzt nur noch am Arbeitsplatz. Wem hilft das?

Die Weltgesundheitsorganisation definiert Burn-out erstmals als Gesundheitsgefahr, die ausschließlich im Job auftritt. Diese Regelung sei »wirklich hanebüchen«, sagt ein Psychologe. Was wirklich hilft.

4. Juni 2019  2 Minuten

Wenn Menschen wegen psychischer Belastungen nicht mehr arbeiten können, bringen sie den Diagnoseverdacht häufig selbst mit zum Arzt: Burn-out.

Das Problem dabei: Bisher war Burn-out keine medizinische Diagnose. In der international maßgeblichen Klassifizierung der Krankheiten ICD, die auch für alle deutschen Ärzte bindend ist, tauchte die Diagnose Burn-out nicht auf. Zwar gibt es in der bislang geltenden Fassung ICD-10 eine knappe Charakterisierung. Burn-out ist jedoch Katharina Ehmann erklärt, ob es sinnvoll ist, dass immer mehr psychische Störungen diagnostiziert werden nicht als Diagnose gelistet, für die Krankenkassen eine Behandlung bezahlen. Unter Der Psychotherapeut und Bestseller-Autor Manfred Lütz ist der Ansicht, dass Burn-out nicht existiert Psychiatern und Psychotherapeuten, aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung führt das häufig zu der Einschätzung: Burn-out? Das gibt es doch gar nicht. Diagnostiziert wurde stattdessen häufig eine »Anpassungsstörung« oder eine »Belastungsdepression«.

Das ändert sich nun: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Das Ärzteblatt berichtet über die Aktualisierung der ICD-Diagnosen ICD-Klassifikation aktualisiert. Die ICD-11 tritt im Jahr 2022 in Kraft. Darin wird Burn-out definiert als ein Faktor, der die Gesundheit beeinträchtigen kann. Das Gefühl des Ausgebranntseins resultiere aus unverarbeitetem chronischen Stress am Arbeitsplatz, heißt es Die Definition der WHO im Wortlaut (englisch) in der neuen Definition.

Die WHO unterscheidet 3 Dimensionen eines Burn-outs:

  • Gefühle der Erschöpfung
  • Zunehmende geistige Distanz zum eigenen Job
  • Verringerte Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz

Burn-out verliert damit also seine Beliebigkeit und wird eindeutig mit den Belastungen der Arbeitswelt in Verbindung gebracht. »Durch die genauere Definition erhöht sich das Bewusstsein für gesundheitliche Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz«, lobt der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer Harald Mayer. Die Bundesärztekammer und der Deutsche Hausärzteverband kommentierten die WHO-Entscheidung auf Anfrage nicht. Schafft die UN-Behörde damit also nun Klarheit für Ärzte und Patienten? Finden Betroffene endlich Anerkennung und bessere Hilfe für ihr seelisches und körperliches Leiden?

Titelbild: Nik Shuliahin - CC0

von Stefan Boes 

Kennst du auch das Gefühl, 1.000 Dinge tun zu wollen – oder zu müssen? Wie nutzt du die Zeit, die du hast? Stefan geht aus soziologischer Perspektive der Frage nach, wie eine neue Zeitkultur aussehen kann – und wie wir Zeit gestalten können, ohne immer nur hinterherzurennen. Dazu gehört auch die Frage, wie die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Privatleben gelingen kann.

Themen:  Psychologie   Gesundheit   Arbeit  

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