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Warum auch du bei der Arbeit schlafen solltest

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Warum auch du bei der Arbeit schlafen solltest

12. Juni 2019
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Dieser Text zeigt dir, wie Powernappen wirklich geht und wie du deine Kollegen und Chefs davon überzeugst.



Gegen 14 Uhr an deinem Arbeitsplatz. Du versuchst zu arbeiten, bist aber viel zu müde. Dein Bauch verdaut gerade das Mittagessen, dein Kopf kann Informationen nur langsam aufnehmen. Gute Ideen, Kreativität, Konzentration – Fehlanzeige. Auch deine Kollegen schleichen wie Zombies durch die Firma zur Kaffeemaschine.

Kommt dir das bekannt vor?

Und jetzt stell dir vor, du gibst deinem Körper das, wonach er sich in dieser Situation sehnt: Schlaf. Die Schlafforschung weiß schon lange, dass Übersichtsartikel zu den Vorteilen des kurzen Mittagsschlafs (englisch, 2009, PDF) selbst ein kurzes Nickerchen nicht nur gesund ist, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit wiederherstellt, die Lernkapazität erhöht, die Motivation steigert und die Laune hebt.

Statt im typischen Mittagsloch festzuhängen, arbeitest du nach dem Mittagsschlaf einfach effektiver und machst weniger Fehler – und das sollte eigentlich auch deinem Arbeitgeber gefallen. Denn Müde Mitarbeiter verursachen Kosten: ein internationaler Vergleich (englisch, 2017) durch müde Mitarbeiter gehen der deutschen Wirtschaft jedes Jahr schätzungsweise 60 Milliarden Euro durch die Lappen.

Falls du jetzt denkst »Klingt gut, aber bei mir klappt das nicht!«, dann kannst du beruhigt sein. Auch du kannst Powernapping üben und zu einem begnadeten Mittagsschläfer werden. Dieser Text zeigt dir, wie das funktioniert und wie du deine Kollegen und Chefs davon überzeugen kannst.

Powernap

Der Powernap, auch »Turboschlaf« oder »Tagschlaf« genannt, ist ein kurzer Schlaf zwischen 5 und 20 Minuten, der – wie der Name verrät – neue Kraft verleiht. Dabei ist der Körper nur im Leichtschlaf, Tiefschlaf sollte tagsüber vermieden werden.

So überzeugst du deine Kollegen und Chefs vom Powernap

»Schlaf gut, Deutschland«, Schlafstudie der Techniker Krankenkasse von 2017 (PDF) 29% der Deutschen verspüren im Alltag regelmäßig das Bedürfnis nach einem Mittagschlaf. Doch der Powernap am Arbeitsplatz ist in Deutschland noch verpönt. Während Die Deutsche Welle über die »Nickerchen-Richtlinie« bei der Lufthansa (2012) Fluggesellschaften wie die Lufthansa ihren Piloten sogar per »Napping Policy« vorschreiben, bei Müdigkeit die Augen zu schließen, wird genau das in vielen anderen Unternehmen nicht gern gesehen.

Dabei sind die Vorzüge des Naps längst gut erforscht. Wenn dein Was ein guter Chef noch können sollte, schreibt Stefan Boes Chef das Napping noch nicht erlaubt, hat er die Erkenntnisse aus der Schlafforschung schlicht ignoriert. Die zeigt, dass der Leistungsabfall um die Mittagszeit auf einem Das Auftreten des Mittagstiefs ist von äußeren Einflüssen unabhängig (englisch, 2009) körpereigenen Rhythmus beruht Das Tief tritt zwar nach einem sehr reichhaltigen Mittagessen verstärkt auf, lässt sich aber nicht nur mit dem Mittagessen begründen, denn wir haben es auch dann, wenn wir nichts zu Mittag essen. Forscher, die sich mit der 24-Stunden-Rhythmik des Körpers beschäftigen, fanden sogar heraus, dass sich das Mittagstief besser mit den körpereigenen chronobiologischen (also auf zeitlichen Gesetzmäßigkeiten beruhenden) Prozessen erklären lässt als mit der Nahrungsaufnahme. und nicht nur durch ein zu schwer im Magen liegendes Mittagessen ausgelöst wird.

So profitieren deine Gesundheit, deine Leistungsfähigkeit und deine Stimmung tatsächlich vom Powernap:

  1. Blutdruck: Fast jeder dritte Deutsche hat einen Die deutsche Hochdruckliga informiert über Bluthochdruck zu hohen Blutdruck und damit den größten Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 2019 zeigte eine Napping senkt den Blutdruck (englisch, 2019) Studie, dass der Mittagsschlaf den Blutdruck senkt – um etwa so viel wie blutdrucksenkende Medikamente. Bluthochdruck ist laut Statistischem Bundesamt in Deutschland die Todesursache Nummer 1. Eine Verringerung des Blutdrucks um 2 mmHg senkt das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, also zum Beispiel eines Herzinfarkts, um 10%. Napping senkt ihn um um 3 bis 5 mmHg und ist daher eine kostenlose Alternative zu blutdrucksenkenden Medikamenten. Andersherum gedacht bedeutet das, dass Menschen, die nach ihrem natürlichen Rhythmus einen Nap brauchen, aber keinen bekommen, ein höheres Risiko einer Herzerkrankung haben als die Menschen, die mittags ihrem Schlafdrang nachkommen können.

  2. Produktivität: Auch wer Das Leistungstief am Mittag hängt nicht nur vom Essen ab (englisch, 2005, Paywall) mittags nichts isst und wer nachts gut schläft, rutscht am Nachmittag automatisch in eine Tiefphase der Produktivität Unsere Leistungsfähigkeit innerhalb eines Arbeitstages schwankt: Durchschnittlich sind wir vormittags produktiver als nachmittags. Gegen 14 Uhr rutschen wir in das eingangs erwähnte Mittagstief, das von 2 Hochphasen eingerahmt ist. Auch bei genügend Nachtschlaf erfolgt um die Mittagszeit eine Leistungsminderung. Ein kurzer Nap kann also nicht nur Schlafmangel kompensieren, sondern auch Normalschläfern dabei helfen, das natürliche Mittagstief zu überstehen. – die perfekte Gelegenheit für einen Powernap. Eine japanische Studie belegt, dass dieser im Vergleich zu einer normalen Pause zu einem stärkeren und länger anhaltenden Zuwachs an Wachheit und Leistungsfähigkeit in der Arbeitsphase danach führt. Die japanischen Schlafforscher ließen Versuchspersonen 2-mal eine Stunde am Bildschirm arbeiten, unterbrochen von einer 20-minütigen Pause, in der die Hälfte der Probanden nappte und der andere Teil lediglich pausierte. Bereits die Pause half gegen die Müdigkeit, allerdings nur kurzzeitig. Der Nap hingegen führte zu einer deutlich tieferen Erholung, die auch länger anhielt.

    Auch Wissenschaftler der Harvard-Universität konnten nachweisen, dass sich die Fähigkeit, visuelle Erkennungsaufgaben durchzuführen, im Verlauf des Tages verschlechtert Wissenschaftler ließen Versuchspersonen eine visuelle Erkennungsaufgabe im Laufe eines Tages 4-mal üben. Probanden, die zwischen dem zweiten und dritten Durchlauf einen Nap einlegen durften, konnten der Verschlechterung, die bei der Gruppe ohne Nap eintrat, entgegenwirken. – und bereits ein Einem Leistungsabfall kann man durch einen Powernap entgegenwirken (englisch, 2002, PDF) 30-minütiger Powernap vor dem dritten von vier Durchläufen vor dem Nachlassen der Fähigkeit schützt.

  3. Emotionale Ausgeglichenheit: Müdigkeit macht reizbar und kann damit das Betriebsklima verschlechtern. Doch ein Powernap wirkt dem entgegen, Mittagsschlaf und Tageslicht sorgen für emotionale Ausgeglichenheit (englisch, 2007, PDF) wie japanische Wissenschaftler zeigen konnten. Nach einem Schläfchen erhöhte sich die Selbsteinschätzung von Probanden in den Kategorien Zufriedenheit, Entspanntheit und Wohlbefinden stärker als nach einer Pause ohne Nap. Die Wissenschaftler teilten Probanden in 3 Gruppen und ließen alle dieselbe Aufgabe am PC erledigen. In einer anschließenden 30-minütigen Pause bekam eine Gruppe Tageslicht, eine Gruppe ein Schläfchen und die dritte Gruppe nichts davon. Vor und nach der Zeitspanne von 30 Minuten bewerteten die Teilnehmer ihre Stimmung. Die Forscher analysierten 22 Fragen, zusammengefasst in 3 Faktoren: Zufriedenheit, Entspanntheit und Wohlbefinden. Die Nap-Gruppe zeigte in allen 3 Kategorien nach dem Nap deutlich höhere Werte als beide Vergleichsgruppen, was vor dem Nap nicht der Fall war.

Der Schlafmediziner und Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum in Klingenmünster, Hans-Günter Weeß, fasst die Erkenntnisse so zusammen: Hans-Günter Weeß in einem Beitrag des SWR zum Nap am Arbeitsplatz (2018) »Wir wissen, dass diejenigen, die regelmäßig ein Nickerchen machen, viel leistungsfähiger sind, dass sie kreativer sind, dass sie weniger Fehler machen in der zweiten Tageshälfte und dass insgesamt die Produktivität steigt.«

Ist der Chef nun überzeugt? Dann geht es jetzt daran, effektives Powernapping zu lernen.

Titelbild: Nathan - CC BY

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