Wir haben gefragt: Wo bist du zu Hause? Das sind eure Antworten

Hier erzählen 6 unserer Mitglieder, welche Umwege sie genommen haben, um ihr Zuhause zu finden – und warum manche von ihnen noch immer auf der Suche sind.

17. Juni 2019  14 Minuten

Vor einem Monat habe ich einen Artikel geschrieben, in dem ich eine einfache Frage gestellt habe: Meinen kurzen Artikel kannst du hier noch einmal nachlesen Wo möchte ich leben? Doch statt beim Schreiben und Recherchieren auf eine Antwort zu stoßen, kamen mir nur noch mehr Fragen:

  • Wie möchte ich eigentlich wohnen?
  • Kann ich mir das überhaupt leisten?
  • Was bedeutet es in unserer mobilen Welt überhaupt, sich zu verorten und einem Ort und einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen?

Die Antworten darauf sind geprägt von ganz individuellen Wünschen und Motiven. Zugleich ist die Wohnfrage eine, die die ganze Gesellschaft betrifft. Wohnungsmangel, teure Mieten und Immobilien, gierige Eigentümer, steigende Baukosten; all das sind Entwicklungen, die Wohnen zur Existenzfrage gemacht haben. Es ist eine politische Aufgabe, dem menschlichen Grundbedürfnis nach einem Platz in der Welt zu begegnen – Wie eine bessere Wohnungspolitik aussehen könnte, erklärt Chris Vielhaus in diesem Text und lebenswerten, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Als Reaktion auf meinen Beitrag habe ich viele Mails bekommen, ich habe Diskussionsbeiträge gelesen und Umfrageergebnisse ausgewertet. 355 Mitglieder haben an der Umfrage zum Thema »Hilf uns bei der Recherche« teilgenommen. Die meisten von euch sind offen dafür, häufiger bei Recherchen mit uns zusammenzuarbeiten. Auf einer Skala von 1 (keine gute Idee) bis 5 (sehr gute Idee) lag der Schnitt bei 4,3. Insgesamt 161 Anregungen haben wir zum Thema Wohnen und Bauen bekommen. Besonders groß ist das Interesse an alternativen und nachhaltigen Wohnkonzepten. Viele Mitglieder interessieren sich außerdem für klimaneutralen Wohnraum, nachhaltige Stadtentwicklung, Familienfreundlichkeit in Städten sowie auf dem Land und das Thema Pendeln, mobiles Arbeiten und Mobilität auf dem Land. In euren Geschichten lese ich, dass euch die Suche nach dem richtigen Ort zum Leben genauso bewegt wie mich.

Mit 6 Mitgliedern von Perspective Daily bin ich näher ins Gespräch gekommen. Ihre Geschichten handeln von Aufbruch und Rückkehr, von Rückzug und Gemeinschaft, von Urbanität und dörflicher Tradition. Und das erzählen sie jetzt am besten selbst.

Wohnen als Gemeinschaftsprojekt

Christine Nippoldt, 40, Illustratorin und Kinderbuchautorin, lebt in einer Mehrgenerationen-WG in Münster und engagiert sich für die Wohnungsgenossenschaft »Grüner Weiler«.

Ich lebe seit 15 Jahren in Münster und seit 20 Jahren in WGs. Meinen Mann habe ich kennengelernt, als ich mit einem Koffer bei ihm eingezogen bin. Wir haben von Anfang an in einer WG gewohnt und wollten das auch mit Kindern weiter so machen. Als ich schwanger war, haben wir durch Zufall ein großes Haus gefunden, das privat vermietet wurde. Dort sind wir zu zehnt eingezogen.

Wir waren alle um die 30 und keine Studenten mehr. Wir waren weder besonders links, noch besonders öko. Wir wollten einfach mit Freunden zusammenleben. Als wir vor ein paar Jahren ausziehen mussten, war ich 37, hatte 2 Kinder und immer noch nicht genug vom WG-Leben.

»An Kaufen ist in dieser Größenordnung für uns nicht zu denken.« – Christine Nippoldt, PD-Mitglied

Also haben wir nach einem Haus gesucht und durch Glück wieder eines gefunden. Leider konnten wir nicht mit allen aus dem alten Haus umziehen, denn das Stadtzentrum ist 7 Kilometer entfernt. Aber wir haben neue Mitbewohner gefunden. Im Moment wohnen wir mit 9 Menschen in einem Haus mit einer Küche, 3 Kühlschränken, 2 Bädern. Wir, das ist eine Familie mit 2 Kindern, eine Familie mit Baby, eine Studentin und eine Sprachschülerin. Wir werden älter, unsere Mitbewohner eher jünger. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, wir verstehen uns gut. Unsere Kinder freuen sich über das Baby und erwachsene Freundinnen zum Spielen.

Das einzige wirkliche Problem ist: Das Haus ist nur gemietet und auch hier droht uns möglicherweise in ein paar Jahren die Kündigung wegen Eigenbedarf. Aber an Kaufen ist hier in Münster in dieser Größenordnung für uns nicht zu denken.

Die Genossenschaft »Grüner Weiler« möchte bezahlbaren Wohnraum im urbanen Umfeld in Münster schaffen. Die Skizze gibt einen Eindruck, wie das einmal aussehen könnte. – Quelle: Grüner Weiler eG copyright

Unser Plan ist also, bei einer neuen Genossenschaft mitzumachen: dem Link zur Website der Genossenschaft »Grüner Weiler« Grünen Weiler. In 15 Fahrradminuten zur Stadt wird in 2–3 Jahren ein großes Mehrgenerationenhaus mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit und soziales Miteinander entstehen, mit 250 Einwohnern. 50 davon sollen Kinder sein. Es gibt einen ersten Architekturentwurf. Die Zusage der Stadt für das Grundstück liegt noch nicht vor, scheint aber in greifbarer Nähe.

Titelbild: Daan Stevens - CC0

von Stefan Boes 

Kennst du auch das Gefühl, 1.000 Dinge tun zu wollen – oder zu müssen? Wie nutzt du die Zeit, die du hast? Stefan geht aus soziologischer Perspektive der Frage nach, wie eine neue Zeitkultur aussehen kann – und wie wir Zeit gestalten können, ohne immer nur hinterherzurennen. Dazu gehört auch die Frage, wie die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Privatleben gelingen kann.

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