5 Fakten, die du über Plastik wissen musst

Der neue Plastikatlas zeigt, wie groß das Problem weltweit wirklich ist – und benennt die Schuldigen. Wir haben ihn gelesen.

PD Daily - 18. Juni 2019  3 Minuten

Der US-amerikanische Abenteurer Victor Vescovo stellte dieses Jahr einen Rekord im Tiefseetauchen auf. Er wollte tiefer in den Marianengraben hinabtauchen als je ein Mensch zuvor. An Bord seines Spezial-U-Boots traf er in 10.928 Metern unter dem Meeresspiegel auf 3 neue Tierarten … und eine Plastiktüte. CNN berichtet über Vescovos Tauchgang (englisch, 2019) Der menschliche Müll war vor ihm da.

Vescovos unschöne Entdeckung ging um die Welt. Sie ist nur der jüngste Beweis dafür, dass das Problem mit dem Plastik wirklich globale Ausmaße angenommen hat. Aber welche Ausmaße genau? Wo kommt dieser ganze Müll überhaupt her? Und welche Lösungen helfen?

#Schongewusst?

Plastik wird zu 99% aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas hergestellt, wobei klimaschädliche Emissionen ausgestoßen werden. Je nach Gegenstand benötigt Plastik bis zu 600 Jahre, um im Meer abgebaut zu werden, und rund 1.000 Jahre und mehr an Land.

Der Plastikatlas bietet klare Antworten auf diese Fragen. Er wird vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben und Anfang Juni veröffentlicht. Auf rund 50 Seiten bieten die Daten, Diagramme und Fakten fundiertes Wissen Der Plastikatlas 2019 zum Download über das Plastikproblem weltweit und beleuchten Ursachen, Akteure und Auswirkungen. Ich habe ihn ausführlich studiert und 5 wichtige Erkenntnisse zusammengefasst, die jeder heute über Plastik wissen sollte:

  • Die Plastik-Industrie boomt: Weltweit werden pro Jahr 407 Millionen Tonnen Plastik hergestellt, das entspricht etwa dem Gewicht von 54 Cheopspyramiden. Davon gehen ganze 36% in Verpackungen, vor allem in der Lebensmittelindustrie. Und allein in den USA plant die Industrie, die Produktion Die Entwicklung der weltweiten Plastikproduktion bei »Our World in Data« (2018) in den kommenden Jahren um 30% zu steigern, auch mit billigem Gas aus Fracking. Die weltweit größten Plastikkonzerne sind (nach Jahresumsatz) Exxon Mobil, ENI, Sabic, BASF, Ineos und DOW.
  • Wenige Großunternehmen verbrauchen viel: 2019 haben mehrere Großunternehmen zum ersten Mal ihre Plastikdaten veröffentlicht: Allein der Coca-Cola-Konzern produziert Der Guardian berichtet über die Verpackungsproduktion von Coca Cola (englisch, 2019) 100 Milliarden Plastikflaschen pro Jahr – fast 2% der weltweiten Produktion. Auf dem zweiten Platz liegt Nestlé mit 1.700.000 Tonnen pro Jahr und auf dem dritten Platz Danone mit 750.000 Tonnen pro Jahr. Die Unternehmen gaben die Zahlen einem Bericht der »Ellen MacArthur Foundation« an, einer Non-Profit-Organisation, die sich unter anderem mit den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit beschäftigt. Insgesamt kamen aber nur 31 Unternehmen der Aufforderung zur Offenlegung nach. Der Großteil hält weiterhin konkrete Zahlen geheim – darunter H&M, L’Oréal oder Pepsi.

    »Mehr und mehr wird deutlich, wie sehr Plastik entlang des gesamten Lebenszyklus von der Produktion über die Nutzung bis zur Entsorgung die menschliche Gesundheit bedroht.« – Plastikatlas 2019

  • Europa exportiert immer noch Müll: Rund 6 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert Europa jedes Jahr und exportiert davon rund eine Million Tonnen, vor allem nach Südostasien. Den Müll um die Welt zu verschiffen ist ein lohnendes Geschäft – nachhaltig ist es nicht.

  • Recycling schwächelt: Von allen in Deutschland produzierten Kunststoffen werden nur 19% recycelt. Mehr als 50% der Plastikabfälle werden hingegen hierzulande noch immer einfach verbrannt, wodurch schwer abbaubare Giftstoffe entstehen, die separat eingelagert werden müssen – etwa in alten Bergwerken.

  • Plastik heizt das Klima an: Plastik emittiert bei Produktion, Herstellung und Entsorgung CO2. Ein Beispiel: Die Treibhausgase der Produktion von Polyesterfasern Die Emissionen eines Polyester-Shirts liegen etwa zwischen 3,8 und 7,1 Kilogramm. für Kleidung schaden der Umwelt pro Jahr etwa genauso viel wie 185 Kohlekraftwerke.

Den Plastikatlas gibt es kostenlos als PDF. – Quelle: Heinrich-Böll Stiftung copyright

Du hast nach so klaren Zahlen nun ein mulmiges Gefühl im Bauch und willst Plastik einsparen? Felix Franz stellt die wahren Weltmeister im Mülltrennen vor Dann hatte der Plastikatlas wohl Erfolg. Denn jeder Einzelne kann als Konsument viel tun. Darüber hinwegtäuschen, dass sich die Hersteller ändern müssen, sollte das aber nicht. Denn bei ihnen und nicht bei den Konsumenten liegt die eigentliche Verantwortung. Anders gesagt: Ein Einkauf im Unverpacktladen statt im nächsten Supermarkt kann eine starke Geste sein, aber kaum zeitnah eine globale Lösung.

Hier ist die Industrie gefragt – auch wenn sich eine globale Plastiklobby bemüht, dies zu vermeiden, wie ein ganzes Kapitel im Plastikatlas belegt. Doch ohne Regulierung bewegt sich da wenig.

Die 50 Seiten voll klarer Daten sind damit auch eine Steilvorlage für politische Schritte gegen Plastik, um der David Ehl fragt: Kann dieses Gesetz die Plastikflut beim Einkaufen beenden? Industrie damit Absatzmärkte zu erschweren. Die gute Nachricht: Diese nehmen weltweit zu. Rund um den Globus kündigen Länder an, Wegwerf-Plastikprodukte zu verbieten – etwa Frankreich (bis 2020), Kanada (bis 2021) und Peru (bis 2022). Viele erste Schritte, in eine nachhaltigere Welt.

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Titelbild: Karina Tess - CC0

von Dirk Walbrühl 

Dirk ist ein Internetbewohner der ersten Generation. Ihn faszinieren die Möglichkeiten und die noch junge Kultur der digitalen Welt, mit all ihren Fallstricken. Als Germanist ist er sich sicher: Was wir heute posten und chatten, formt das, was wir morgen sein werden. Die Schnittstellen zu unserer Zukunft sind online.

Themen:  Konsum   Klima   Nachhaltigkeit  

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