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PD Daily 

Jetzt hilft in Hongkong nur noch die Macht der Verzweiflung

Eine Million Hongkonger gehen auf die Straße, um ihre Rechte vor Chinas langem Arm zu schützen. Eigentlich liegt auf der Hand, wer ihnen zur Seite springen muss.

28. Juni 2019  3 Minuten

Es schien, als sei der Himmel anderer Meinung, als Rede von Hongkongs Gouverneur Chris Patten bei der Rückgabezeremonie am 30. Juni 1997 Hongkongs Gouverneur Chris Patten sagte: »Für Hongkong als Ganzes ist heute ein Tag der Freude, nicht der Trauer.« Zum Ausscheiden der Metropole aus dem britischen Empire am 30. Juni 1997 Großbritannien hatte Hongkong erst erobert und dann schließlich von China gepachtet und herrschte so rund anderthalb Jahrhunderte in dem einstigen Fischerdorf, das sich unter britischem Einfluss zu einem der wichtigsten Wirtschaftszentren Asiens entwickelte. Zur Jahresmitte 1997 lief dieser Pachtvertrag aus, und bereits unter Premierministerin Margaret Thatcher beschloss London, es dabei zu belassen und die Kronkolonie an die Volksrepublik China zurückzugeben. hatte der Himmel all seine Schleusen geöffnet, Prinz Charles nahm als Vertreter der britischen Krone die Militärparade ab und hielt eine Rede die Militärkapelle spielte in strömendem Regen und die Honoratioren duckten sich unter ein Meer von Regenschirmen.

Rückblickend ist dieser Tag einer der folgenreichsten Momente für Hongkongs Bevölkerung, die seitdem unter indirekter Herrschaft Chinas steht: »Ein Land, zwei Systeme«, Der damalige Vorsitzende der Kommunistischen Partei und faktische Machthaber, Deng Xiaoping, formulierte schon in den frühen 1980er-Jahren, wie er sich eine Wiedervereinigung der Volksrepublik mit Hongkong, der damaligen portugiesischen Kolonie Macau (bis 1999) und der Republik China – der Insel Taiwan – vorstellte. Die genannten Gebiete sollten kapitalistisch und demokratisch bleiben, trotzdem aber mit dem Rest der Volksrepublik unter einem gemeinsamen Dach Platz finden. hieß die Devise, die über 50 Jahre weitgehende Autonomie zusichern und Hongkong zu einer Oase der Meinungsfreiheit und der Menschenrechte in einem autoritärer werdenden China machen sollte. Doch davon ist schon nach gut 20 Jahren nur noch wenig zu spüren, Ein deutliches Zeichen, wie Chinas Sicherheitsbehörden die Sonderverwaltungszone immer weiter unterwandern, setzte 2015 das Verschwinden mehrerer Buchhändler, die in ihren Läden in Hongkong auch Peking-kritische Schriften angeboten hatten. Mehr dazu in dieser Reportage der DW.

Bislang galt, dass man in Hongkong Dinge ansprechen konnte, die in Festland-China unterdrückt wurden – so gibt es zum Jahrestag des Tiananmen-Massakers 1989, bei dem die Volksarmee bis zu 1.000 Anhänger einer Demokratiebewegung ermordete, in Hongkong jedes Jahr Mahnwachen. Auch in diesem Juni, zum 30. Jahrestag, entzündeten Zehntausende im zentralen Hongkonger Victoria Park ein Lichtermeer. Mehr dazu in diesem Bericht auf Tagesschau.de.
und so stehen die Hongkonger wieder unter Regenschirmen.