Darum zertrümmert dieser Geflüchtete sein eigenes Haus

Der Grund dafür sollte allen Staaten zu denken geben, die Menschen aus Syrien aufgenommen haben.

PD Daily - 9. Juli 2019  3 Minuten

Mit dem Vorschlaghammer das eigene Heim zertrümmern, obwohl es das einzige Dach über dem Kopf bietet – auf diese Idee würde wohl niemand kommen. Genau das tut aber eine Frau in dem Video, das die Organisation »Norwegische Flüchtlingshilfe« online stellte. Es wurde in der libanesischen Stadt Arsal aufgenommen, die in den Bergen nahe der syrischen Grenze liegt. Noch vor 4 Jahren, als ich die Stadt besuchte, waren es mehr als 100.000 Menschen, die dort in Flüchtlingslagern lebten (2014) Dorthin flohen nach Ausbruch des Syrienkriegs viele Menschen aus dem Nachbarland. Momentan leben noch 60.000 Syrerinnen und Syrer in der Stadt, die von oben mehr einem riesigen Zeltlager gleicht. Einige von ihnen bauten nach Jahren des Ausharrens feste Hütten aus Stein, manche sogar mit Betondächern. Libanesische und ausländische Hilfsorganisationen besorgten das Baumaterial. Damals war das kein Problem.

Heute schon. Anfang Mai dieses Jahres kündigte die libanesische Regierung den Abriss der Steinhütten an. Die offizielle Begründung lautete: eine Baugenehmigung habe gefehlt. Wer nicht selbst das eigene Heim einreißen wollte, dem nahmen am 1. Juli Spiegel-Journalist Christoph Reuter beschreibt den Abriss in Arsal (2018) einrollende Bulldozer und Soldaten mit Schlaghämmern die Entscheidung ab. Und der Abriss geht weiter. Das berichtet Basem Alqalleeh, den seine Patienten nur »Doktor Basem« rufen.

Er ist einer der wenigen Ärzte vor Ort, kommt selbst aus Syrien und berichtet per Messenger über die momentane Situation in der Stadt, die für Journalisten nur schwer zugänglich ist.

Titelbild: picture alliance / AP Photo - copyright

von Juliane Metzker 

Juliane schlägt den journalistischen Bogen zu Südwestasien und Nordafrika. Sie studierte Islamwissenschaften und arbeitete als freie Journalistin im Libanon. Durch die Konfrontation mit außereuropäischen Perspektiven ist ihr zurück in Deutschland klar geworden: Zwischen Münster und Beirut liegen gerade einmal 4.000 Kilometer. Das ist weniger Distanz als gedacht.

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