»Leute, die sich öfter prügeln, kennen diese Techniken«

Wie hast du zugeschlagen? Autor Houssam Hamade hat aufgeschrieben, warum Menschen austicken. Wir treffen ihn am Görlitzer Bahnhof, wo Skinhead Gese sich mit 60 Punks angelegt hat.

Artikel & Podcast - 22. Juli 2019  18 Minuten

Görlitzer Bahnhof, Berlin-Kreuzberg.

»Hier hat mir Gese In Houssam Hamades Buch werden die Charaktere nur mit Vornamen benannt. seine Geschichte erzählt«, sagt Houssam Hamade.

»Gese bezeichnet sich selbst als Skinhead »Skinheads« waren anfangs nur bekannt für ihren kurzen Haarschnitt. Heute ist der Begriff weitläufig negativ konnotiert und wird oft mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht. Skinheads mit dieser politischen Ausrichtung werden auch »Nazi-Skins« genannt, sie machen aber nur einen Teil der Szene aus. – aber nicht als rechter, nicht als Nazi-Skin. In der Geschichte erzählt er auch davon, dass er und seine Freunde immer schwarze Musik gehört haben. Sie hatten halt was gegen Popper. Die »Popper« waren Teil einer apolitischen, konsum- und statusorientierten Jugendkultur Anfang der 1980er-Jahre, die sich mit teuren Markenklamotten von alternativen und konsumkritischen Jugendbewegungen abgrenzte.

In den 80er-Jahren war er viel unterwegs. Er ist auch immer noch so: kurze Haare, trainiert, tätowiert. Ein ganz interessanter Mensch. Wir haben früher Kampfsport zusammen gemacht. Gese ist zu Hause geschlagen worden und hat einfach einen ganz schönen Hass gehabt. ›Entweder Täter oder Opfer‹, sagt er. Er hat mir erzählt, wie sein Vater ihn geschlagen und die Polizei nur zu ihm gesagt hat, er solle aufpassen, dass es keine Spuren gibt.

»Wir haben uns gefühlt wie die Götter«

Gese und seine Freunde haben sich in der Gruppe also gern gekloppt. Hier in der Gegend sind sie in eine Punk-Kneipe gelaufen und haben Stress gesucht – Stühle rumgeworfen, rumgebrüllt. Das war wohl auch sehr erfolgreich, weil alle nur ausgewichen sind. ›Wir haben uns gefühlt wie die Götter‹, hat er gesagt. Danach haben sie sich gegenseitig erzählt wie toll sie sind, sind hier am Görlitzer Bahnhof gesessen, hier drüben, glaube ich, und fanden sich geil. Dann haben sie unten auf der Straße Geschepper und Getöse gehört. Sie schauen runter und sehen 60 Punks die Treppe hochrennen, mit Knüppeln und Stangen. Gese meinte, dass sei wie im Film gewesen. Ihm und seinen Freunden ist natürlich der Arsch auf Grundeis gelaufen.

- CC0

von Juliane Metzker 

Juliane schlägt den journalistischen Bogen zu Südwestasien und Nordafrika. Sie studierte Islamwissenschaften und arbeitete als freie Journalistin im Libanon. Durch die Konfrontation mit außereuropäischen Perspektiven ist ihr zurück in Deutschland klar geworden: Zwischen Münster und Beirut liegen gerade einmal 4.000 Kilometer. Das ist weniger Distanz als gedacht.


von Katharina Wiegmann 

Katharina interessiert sich dafür, was Gesellschaften bewegt. Sie hat da ein paar Fragen: Wer bestimmt die Regeln? Welche Ideen stehen im Wettstreit miteinander? Wie werden aus Konflikten Kompromisse? Einer Sache ist sie sich allerdings sicher: Nichts muss bleiben, wie es ist. Bei Perspective Daily schreibt sie über Menschen und Ideen, die den Status quo herausfordern. Katharina hat Politikwissenschaft und Philosophie in München und Prag studiert, inklusive kurzer Ausflüge in die Soziologie und Geschichtswissenschaft.

Themen:  Psychologie   Gesellschaft  

Die Diskussionen sind leider nur für Mitglieder verfügbar.

Weitere Artikel für dich