Wie Neuseeland Glück zum Maß aller Dinge macht

Das Bruttoinlandsprodukt ist ein Auslaufmodell. Neuseeland hat das erkannt und macht die Gesundheit und Zufriedenheit seiner Bürger zur Maßeinheit für Fortschritt. Vorhang auf für das »Wellbeing Budget«!

PD Daily - 23. Juli 2019  3 Minuten

26% Wirtschaftswachstum – dieser Traum eines jeden Ökonomen wurde laut dem irischen Statistikbüro im Jahr 2015 zur Realität.

Auch wenn man denken könnte, die Nachricht sei nach einer durchzechten Nacht in einem Pub entstanden: The Irish Times – Ireland’s GDP figures: Why 26% economic growth is a problem (englisch, 2016) Die Zahl stimmt. 26% Wachstum – das klingt nach Wohlstand für alle und nach blühenden Zeiten für den kleinen EU-Staat.

Doch Zahlen können täuschen.

Tatsächlich wuchs das irische Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur deswegen so stark, weil in der Republik internationale Konzernriesen wie Apple, Microsoft oder Starbucks ihre Geschäfte »abrechnen«. In einem konkreten Fall hatte Apple schlicht die Rechte an Patenten und geistigem Eigentum an eine Tochterfirma mit Sitz in Irland verkauft, Hier erkläre ich, wie die Steuertricks der Konzernriesen funktionieren um sich vor Steuern zu drücken. Das irische BIP machte daraufhin einen Freudensprung.

Die Iren nicht. Tatsächlich erholte sich das Land erst im Jahr 2015 langsam von der Finanzkrise und der anschließenden Sparpolitik. Süddeutsche Zeitung – Irland: Ein Land wird ausgehöhlt (2015) Unternehmen mussten schließen, junge Menschen wanderten aus.

Am Fall Irland zeigt sich, wie wenig aussagekräftig das BIP sein kann, das für manche Ökonomen bis heute das Maß aller Dinge ist. Dass es auch anders geht, zeigt ein Land am anderen Ende der Welt. Neuseeland denkt um – und gibt seiner Wirtschaft ganz andere Ziele.

Warum das BIP seine besten Jahre hinter sich hatWeiterlesen

Das Wellbeing-Budget: Lebensqualität statt Wachstumsfetisch

Die neuseeländische Regierung setzt seit Ende Mai dieses Jahres auf das »Wellbeing Budget 2019« (englisch, 2019) »Wellbeing Budget«. Premierministerin Jacinda Ardern, die durch ihren demütigen Umgang mit den Opfern des Terroranschlags eines Rechtsradikalen in Christchurch David Ehl schreibt über Jacinda Arderns Umgang mit dem Terror weltweite Bekanntheit erlangte, begründet diesen besonderen Schritt so:

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Chris Vielhaus 

Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit hat wenig Reibungspotenzial: Wer würde schon ernsthaft behaupten, für weniger Gerechtigkeit zu sein? Chris zeigt, wie das konkreter geht. Dafür hat er erst Politik und Geschichte studiert und dann als Berater gearbeitet. Er macht die Bremsklötze ausfindig, die bei der Gesundheitsversorgung, Chancengleichheit und Bildung im Weg liegen – und räumt sie aus dem Weg!

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