Wir haben einen neuen Bundespräsidenten geklickt

»Wahlen im Internet sind unsicher und können viel zu leicht manipuliert werden«, denken viele. Warum das nicht zwangsläufig der Fall ist, zeigen neue Technologien. Die Chancen des digitalen Wahllokals.

5. Oktober 2016  6 Minuten

Stellen wir uns folgende Meldung am 4. Dezember 2016 vor:

Wien – Bei der Stichwahl zum Bundespräsidenten in Österreich bahnt sich eine Rekord-Wahlbeteiligung an. Eine Stunde vor dem Ende der Abstimmung haben bereits gut 85% der knapp 6,4 Millionen 6.382.507 Wahlberechtigte zählt das Österreichische Innenministerium Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Den Anstieg erklären Meinungsforscher mit der komfortablen Abstimmmethode via Internet: Die Stimmabgabe erfolgt vom heimischen PC oder Smartphone. Das vorläufige Endergebnis der Bundespräsidentenwahl wird gegen 20 Uhr erwartet, es wird ebenfalls digital ausgewertet. Aufgrund der neuen Methode entfallen die sonst üblichen Hochrechnungen darüber, wie die Stimmverteilung zwischen dem Grünen-Kandidaten Van der Bellen und dem Rechtspopulisten Hofer ausfallen wird. Es handelt sich weltweit um die erste Wahl eines Staatsoberhaupts, die digital durchgeführt wird. Die konventionelle Wahl auf Papierbögen war in Österreich in die Kritik geraten, nachdem die erste Stichwahl im Mai wegen Auszählungsfehlern für ungültig erklärt worden war. Im Mai hatte der Grüne Alexander Van der Bellen seinen FPÖ-Herausforderer Norbert Hofer um wenige Tausend Stimmen geschlagen. Die Rechtspopulisten wiesen auf Unstimmigkeiten bei der Auszählung hin und erstritten vor Gericht eine Wiederholung des Wahlgangs. Ein zweiter Anlauf im Oktober wurde wegen fehlerhafter Briefwahlumschläge abgesagt. Im realen Fall ist der Begriff »verschoben« korrekter. Der Wahltermin im Oktober war geplatzt, weil der Kleber der Briefwahlumschläge nicht richtig gehalten hatte. Kosten für die Verschiebung: mindestens 2 Millionen Euro.

Mit Illustrationen von Lukas Oleschinski für Perspective Daily

von David Ehl 

Wenn Zugvögel im Schwarm fliegen, beeinflusst jedes einzelne Tier die Richtung aller - das hat David bei einer Recherche gelernt. Sonst berichtet er eher über Menschen, stellt sich dabei aber eine ganz ähnliche Frage: Welche Rolle spielt der einzelne Wähler und Verbraucher, welchen Einfluss hat jeder von uns auf die Gesellschaft? David recherchiert gerne unterwegs, studiert hat er Musikmanagement, Englisch und Journalismus.

Themen:  Internet   Demokratie   Politik  

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