PD Daily 

»Wir wissen, dass die Regierung nicht nachgeben wird. Aber sie wissen auch, dass die Proteste nicht nachlassen werden«

In Hongkong gehen immer noch Millionen Menschen gegen den erstarkenden chinesischen Einfluss auf die Straße. Selbst militärische Drohungen halten sie nicht ab. Eine Demonstrantin erzählt im Interview, warum sie so entschlossen sind.

20. August 2019  4 Minuten

Es erinnert an einen düsteren Thriller, wie die Menschenmassen im strömenden Regen zwischen Wolkenkratzern stehen. Wie sie einer Übermacht die Stirn bieten und für ihre Überzeugungen kämpfen, obwohl sie kaum noch Hoffnung haben.

In Hongkong geht es längst ums große Ganze, nämlich um die Bruchstücke von Demokratie, die den Bewohnern der chinesischen Sonderverwaltungszone eigentlich bis 2047 garantiert wurden. Doch China höhlt diesen Status immer mehr aus. Seit Juni treffen sich große Teile der Stadtbevölkerung (schon mehrfach beteiligten sich mehr als eine Million Menschen) immer wieder zum Protest. Damit handelt es sich um die größte Demokratiebewegung in China seit den Tiananmen-Protesten von 1989, die blutig niedergeschlagen wurden. Bei Perspective Daily haben wir vor knapp 2 Monaten über die Lage, den Auslöser und die Hintergründe der Demos berichtet:

Seitdem ist einiges passiert:

  • Die chinesischen Streitkräfte haben große Verbände in Shenzhen zusammengezogen, der von der Sonderverwaltungszone Hongkong gesehen nächstgelegenen Stadt in Festland-China. Dort haben sie eine Übung abgehalten – eine klare Bericht der »DW« über die Armee-Verbände in Shenzhen Drohung in Richtung der Protestbewegung.
  • Tausende Demonstrierende haben sich mehrfach Bericht der »Tagesschau« über die Flughafen-Proteste am Hongkonger Flughafen verabredet und den Flugbetrieb dort weitgehend lahmgelegt.
  • Am Rande einer Flughafen-Demo wurden 2 Chinesen vorübergehend festgehalten und mit Kabelbindern gefesselt, einer davon ein Reporter der regierungsfreundlichen chinesischen Global Times. Die Protestbewegung hat sich für die Aktion Reportage der »Süddeutschen Zeitung« aus Hongkong (Paywall) entschuldigt und zu gewaltlosen Mitteln bekannt.
  • In jener Global Times erschien inzwischen ein Artikel, der unverhohlen einen »ntv«-Bericht über die Androhung des Einmarschs in Hongkong Einmarsch der chinesischen Truppen in Hongkong fordert. Staatsnahe Medien zeichnen in China meist das Bild von illegitimen Aufständen, denen Einhalt geboten werden müsse, notfalls mit Gewalt.
  • Auch am vergangenen Wochenende beteiligten sich laut der Protest-Organisation Civil Human Rights Front rund Bericht über den »Marsch der Millionen« bei »Spiegel Online« 1,7 Millionen Menschen an einer Massenkundgebung im strömenden Regen – angeblich sogar im Schichtbetrieb, weil der zentrale Victoria Park gar nicht so viele Menschen fasst.

Titelbild: picture alliance / AA - copyright

von David Ehl 
Wenn Zugvögel im Schwarm fliegen, beeinflusst jedes einzelne Tier die Richtung aller - das hat David bei einer Recherche gelernt. Sonst berichtet er eher über Menschen, stellt sich dabei aber eine ganz ähnliche Frage: Welche Rolle spielt der einzelne Wähler und Verbraucher, welchen Einfluss hat jeder von uns auf die Gesellschaft? David recherchiert gerne unterwegs, studiert hat er Musikmanagement, Englisch und Journalismus.
Themen:  Aktivismus   Gesellschaft   Demokratie  

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