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6 große Klimakiller und wie du sie anpacken kannst

Wenn wir die Erde wirklich retten wollen, müssen wir hier ansetzen.

20. September 2019  10 Minuten

In Anlehnung an den Tweet von Fotografin Anne Hufnagel: »Könnte ich den anderen Planeten noch mal sehen?« Könnte ich noch einmal die andere Erde sehen, bitte?

Wie bequem es doch ist, in einen Laden hineinzuspazieren und das abgenutzte Alte durch etwas nettes Neues zu ersetzen. Könnten wir unseren Planeten einfach gegen eine Version mit weniger Treibhausgasen, mehr Grün und sauberen Meeren eintauschen – Hand aufs Herz: Wer würde diesen Deal ausschlagen? Doch der Boden der Tatsachen ist hart und unbequem. Wir haben (bis jetzt) nur diese eine Erde und mit der müssen wir, so gut es geht, haushalten.

Nie zuvor wurde so viel über die Konsequenzen des menschengemachten Klimawandels berichtet. Aktivistinnen wie Greta Thunberg sprechen bereits von einer »Klimakrise«, um die Notwendigkeit des Handelns zu unterstreichen. Die Erwärmung der Erde treibt beispielsweise die Degradierung Als »Landdegradierung« oder »Landverödung« werden alle vom Menschen verursachten Prozesse bezeichnet, welche die Leistung von Ökosystemen langfristig schwächen. Das kann im Erdboden oder – meist als Konsequenz – im Wasser geschehen. Die exzessiven Monokulturen, die den weltweiten Konsum decken sollen, verlangen immer mehr Raum. Dort, auf gerodeten Flächen, steigen die Temperaturen durch direkte Sonneneinstrahlung. Gleichzeitig wird durch immer extremere Niederschläge fruchtbarer Oberboden abgetragen. Auch der steigende Meeresspiegel macht sich bemerkbar: Besonders in Flussdeltaregionen dringt das Meerwasser ins Land, versalzt den Boden und macht ihn so unfruchtbar. unserer Böden voran: 20% der weltweit nutzbaren Böden sind davon betroffen, was heute schon die Lebensgrundlage von Nachlesen kannst du all das im aktuellen IPCC-Report (englisch, 2019, PDF) mindestens 1,3 Milliarden Menschen beeinträchtigen soll. Gleichzeitig werden mehr Lebensmittel weggeworfen, extreme Wetterphänomene wie Hitzewellen nehmen zu, Der Amazonas steht in Flammen. Können wir ihn gemeinsam retten? Wälder werden gerodet und gehen in Flammen auf.

Das sind nur ein paar Punkte aus dem aktuellen Sonderbericht des Weltklimarats IPCC. Am 20. September kommt dieser in Monaco zusammen, um Handlungsoptionen für politische Entscheidungsträger zu bestimmen. Denn Regierungen haben den meisten Einfluss darauf, die Folgen des Klimawandels so gering wie möglich zu halten.

Jährlicher Ausstoß von Treibhausgasen (weltweit)

Dieses Schaubild zeigt Treibhausgase weltweit umgerechnet in ihr CO2-Äquivalent, angegeben in Gigatonnen (Gt) CO2 bis zum Jahr 2014. Die Zukunftsszenarien beruhen auf Voraussagen der »Climate Tracker Initiative«.

Quelle: Climate Action Tracker (via Our World in Data)

Um die Kurve zu kriegen, müssen wir jetzt dringend anpacken. Was kann jede und jeder Einzelne von uns tun? Hier findest du eine Liste mit den wirtschaftlichen Sektoren, die am meisten zur Klimakrise beitragen – und aussichtsreiche Lösungen, wie wir wieder herausfinden.

Fossile Energien: Die nächste Finanzkrise kommt

von Han Langeslag

Investierst du in die Öl-, Gas- oder Kohleindustrie? Vielleicht tust du das nicht selbst – aber womöglich deine Bank, dein Versicherungsinstitut oder dein Rentenfonds. Dann aufgepasst! Denn dieses Geld ist nicht nur klimaschädlich angelegt. Auch das Risiko, es zu verlieren, wird in Zukunft größer.

Der Originalbericht der »Carbon Tracker Initiative« (englisch, 2011) Ganze 2/3 der verbliebenen fossilen Rohstoffe im Boden könnten bald wertlos sein. Schon heute warnen manche Finanzexperten vor der nächsten Finanzkrise Was die Finanzkrise 2008 genau auslöste, darüber wird noch heute diskutiert. In einem ist sich die US-Regierungskommission, die die Ursachen untersucht hat, jedoch einig: Damals spielte vor allem die geplatzte Preisblase auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt eine große Rolle. Eine ähnliche Blase zeichnet sich gerade auf dem Markt der fossilen Brennstoffe ab, der viel größer ist als der Immobilienmarkt der USA. – die dann auftreten könnte, wenn nicht erneuerbare Energien an Wert verlieren.

Und das ist unvermeidlich: Denn die Klimafolgen wären katastrophal, wenn wir so weitermachen wie bisher. Um die Grenze von einem Temperaturanstieg um maximal 2 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 einzuhalten, wie es im Klimaabkommen von Paris vereinbart wurde, können wir noch etwa 1/3 aller vorhandenen Vorräte aufbrauchen. Und selbst das sehen Klimaforscher kritisch. Um den Anstieg der globalen Temperaturen einzudämmen, dürfen wir nur noch zwischen 300 und 1000 Gigatonnen CO2 ausstoßen. Wenn wir alle Vorräte an Öl, Gas und Kohle verbrauchen, die jetzt schon der Brennstoffindustrie gehören und ausgeschöpft werden können, wären das knapp 2900 Gigatonnen CO2 – optimistisch geschätzt also 3-mal so viel CO2, wie wir noch ausstoßen dürfen, um unterhalb der 2-Grad-Grenze zu bleiben.

Warum mehr als zwei Drittel aller Öl-, Gas- und Kohle-Reserven wertlos sindWeiterlesen

Der Weg nach vorn kann aber nur gelingen, wenn erneuerbare Energien effektiver werden. Erste Erfolge zeigen sich schon heute: Die Nachfrage nach Kohle nimmt bereits ab, mit Folgen für den geschätzten Wert der Unternehmen. Die Bewertungen von Kohlenunternehmen sind stark gesunken. So stand etwa im Jahr 2019 das Kohlekraftwerk in Hannover für Wochen still, Bericht über das Kraftwerk in Hannover auf heise.de (2019) weil Sonnen- und Windenergie an der Strombörse einfach günstiger waren.

Genau darin steckt die Hoffnung auf ein gesellschaftliches Umdenken: Fast nichts bewegt Menschen so sehr zum Handeln wie die Angst vor Verlust – besonders ihres Geldes. Warum also nicht zu einem Finanzdienstleister wechseln, der auf nicht-fossile Aktien setzt? Und hake doch gleich noch bei Familie, Freunden oder deiner Uni nach, ob sie noch in die Brennstoffblase investieren. Es lohnt sich am Ende für alle, wenn auch sie damit aufhören.

In diesen Sektoren verstecken sich die größten Klimakiller

Aktuelle und globale Zahlen zu den sektoralen Emissionswerten zu finden, ist nicht ganz einfach. Diese Auswertung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2010 wird oft als Quelle angegeben; sie unterteilt die Treibhausgasemissionen in Verursachergruppen gemessen in Tonnen CO2-Äquivalente (CO2e). CO2-Äquivalente drücken das Treibhauspotential eines Gases im Verhältnis zu CO2 aus. Angaben in %.

Quelle: FAO/Our World in Data

Fleisch: Es muss nicht radikal verzichtet werden

von Stefan Boes

Der Parteichef der Grünen, Robert Habeck, wird nicht müde, zu erklären, dass Klimapolitik »radikal« sein müsse. Das erklärt er zum Beispiel in diesem Interview mit der »Zeit« (2018) Das sei nur realistisch. Doch was bedeutet das für einen der größten Verursacher von Treibhausgasemissionen: Fleisch?

Fleischproduktion wirkt sich in vielen klimarelevanten Bereichen negativ aus: So ist rund 1/4 der gesamten Emissionen Laut dem landwirtschaftlichen Bericht des UN-Klimarates IPCC stammen 13% des CO2-Ausstoßes, 44% des Methan-Ausstoßes und 82% der Lachgasemissionen aus der Landwirtschaft. Umgerechnet in CO2-Äquivalente entspricht dies 23% (+/- 5%) aller von Menschen verursachten und emittierten Treibhausgase. Das geht aus einem Sonderbericht vom August 2019 des Weltklimarats hervor (englisch, PDF) auf die Landwirtschaft zurückzuführen. Davon entfällt 1/3 auf den Anbau von Tierfutter. Hinzu kommen noch die Emissionen durch die Viehhaltung und durch den hohen Energie- und Ressourcenverbrauch bei Mehr über die Umweltauswirkungen der Fleischproduktion erfährst du in diesem Text von Felix Austen und Maren Urner Produktion und Transport. Laut Hier findest du den Weltagrarbericht und seine Vorschläge für die zukünftige Landwirtschaft Weltagrarbericht 2017 sind 14,5% aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen auf die Viehwirtschaft und ihre Lieferketten zurückzuführen. Die Hans-Böckler-Stiftung spricht ebenfalls von rund 14%. Die Welternährungsorganisation der UN führt 18% der gesamten Treibhausgasemissionen auf die Viehwirtschaft zurück. Die Umweltorganisation WWF schreibt, dass knapp 41% der gesamten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung auf die Erzeugung von Fleischerzeugnissen zurückzuführen seien. Weitere 28% entfallen laut der Studie »Klimawandel auf dem Teller« auf andere tierische Produkte wie Milch, Fisch und Eier. Insgesamt wären demnach etwa 70% der gesamten direkten Treibhausgasemissionen der Ernährung tierischen Ursprungs.

Innerhalb der vergangenen 60 Jahre hat sich der weltweite Hier siehst du, wie sich der weltweite Fleischkonsum in den Jahren 1960–2013 entwickelt hat (englisch, 2017) Fleischkonsum pro Kopf fast verdoppelt. Weil der Wohlstand in vielen Teilen der Erde steigt, dürfte der Trend zu einem höheren Fleischkonsum anhalten. Um die Emissionen zu reduzieren, müssten Menschen aber weniger Fleisch essen. Wie lässt sich das erreichen? Brauchen wir mehr Verbote? Ja, argumentiert Felix Austen hier Durch Verbote?

Vielleicht ist das gar nicht nötig. Konsum zu regulieren gelingt dann am besten, wenn die Motivation intrinsisch ist, also von innen kommt. Denn niemand möchte sich vorschreiben lassen, was er essen soll und was nicht.

Wenn Menschen sich mit anderen vergleichen, führt das häufig dazu, dass sie ihr Verhalten anpassen.

Dabei können einfache sozialpsychologische Vorgänge helfen. Das lässt sich am Beispiel der Flugscham erkennen: Seit dem »Flygskam«-Trend verliert Fliegen zum Beispiel in Schweden gesellschaftliche Akzeptanz. Das beschreibt David Ehl in seinem Text über Flugscham Die Zahl der Inlandsflüge geht zurück, weil der soziale Druck steigt, nachhaltig zu reisen. Diesen Druck zu ignorieren wird schwieriger, je mehr über die klimaschädliche Wirkung des Fliegens gesprochen wird.

Ähnliches könnte passieren, wenn Fleisch in breiten Bevölkerungsschichten an Akzeptanz verliert. Wenn Menschen sich mit anderen vergleichen, führt das oft dazu, dass sie ihr Verhalten anpassen. Zwar werden sozialpsychologische Vorgänge Ein anderes Beispiel aus der Sozialpsychologie heißt »kognitive Dissonanz«. Sie tritt dann auf, wenn die eigenen Werte und das eigene Handeln nicht im Einklang sind. Der Wunsch nach mehr Klimaschutz und der Konsum von Fleisch aus industrieller Produktion ist dafür beispielhaft. Das führt zu einem Druck, diese Dissonanz aufzulösen. Der US-amerikanische Sozialpsychologe Leon Festinger, der in den 60er- und 70er-Jahren dazu geforscht hat, sah verschiedene Möglichkeiten, diese Dissonanz aufzulösen: eine Einstellungsänderung, eine Verhaltensänderung oder eine Veränderung der Kognitionen. Für den Fleischkonsum kann das positiv, also umweltfreundlich, bedeuten: Menschen essen weniger Fleisch. Und negativ: Sie passen ihre Wahrnehmung und Haltung so an, dass sie Fleischkonsum weiter rechtfertigen können. die Klimakrise nicht wie von Zauberhand lösen. Doch ihre Wirkung kann dazu beitragen, Konsumenten zum Umdenken zu bewegen. Dieses Szenario ist vielleicht nicht radikal – aber realistisch.

Bodennutzung: Kooperation statt Kriegsmodus

von Benjamin Fuchs

Um alle Menschen dieser Erde satt zu machen, sind gigantische Ackerflächen nötig. Rund 1/4 der menschengemachten Treibhausgasemissionen kommen aus der Landwirtschaft. Laut dem landwirtschaftlichen Bericht des UN-Klimarates IPCC stammen 13% des CO2-Ausstoßes, 44% des Methan-Ausstoßes und 82% der Lachgasemissionen aus der Landwirtschaft. Zu dem Problem der Emissionen kommt das der Erosion, Es gibt unterschiedliche Nutzungen des Wortes »Erosion«. Hier ist das Verschwinden der obersten Bodenschicht gemeint, die zentral für die Fruchtbarkeit des Bodens ist. also das Verschwinden der fruchtbaren Humusschicht von den Äckern. Das Buch Dirt: The Erosion of Civilizations des Geologen David R. Montgomery erklärt, welchen dramatischen Einfluss die Fruchtbarkeit und die Erosion des Bodens für verschiedene Völker in der Geschichte der Menschheit hatten.

»Wir müssen aufhören, Krieg gegen die Natur zu führen«, fordert der Schweizer Landwirt Ernst Götsch zum Verhältnis zwischen Mensch und Planet. Hier schreibt Benjamin Fuchs über den Erfinder der »Syntropischen Landwirtschaft«, Ernst Götsch Landwirtschaftliche Maschinen wie Mähdrescher und Traktoren sind in seinen Augen »Kriegsgeräte«. Für ihn ist der Pflug einer der schlimmsten Feinde des Bodens. Er zerstört dessen Struktur, der Boden trocknet schneller aus. So können Regenfälle den Humus wegschwemmen. Laut Weltagrarbericht der Zukunftsstiftung Landwirtschaft gehen etwa 970 Millionen Tonnen fruchtbaren Bodens allein in der Europäischen Union jedes Jahr durch Wassererosion verloren – das sei genug Erde, um die Stadt Berlin einen Meter anzuheben.

Doch es gibt Möglichkeiten, den Krieg gegen die Natur zu beenden:

  • Weniger Lebensmittelverschwendung: Hier schreiben David Ehl und Peter Dörrie darüber, was wir gegen Lebensmittelverschwendung tun können 150–300 kg Essen werden in den Industrieländern pro Haushalt pro Jahr weggeworfen. Essensrettung und Foodsharing können gegen die Verschwendung helfen.
  • Schonendere Anbautechniken: Der Weltklimarat IPCC schlägt unter anderem die Aufforstung an Ackerrändern, den Verzicht auf das Pflügen der Äcker und die Unterbrechung großer Ackerflächen durch Bäume vor.
  • Agroökologische Konzepte statt fabrikmäßiger Landwirtschaft: Großes Potenzial steckt im Systemwechsel. Agroforstwirtschaft setzt auf den Anbau von Bäumen und Sträuchern zusammen mit Nutzpflanzen. Diese Website gibt weitergehende Informationen zum Thema Agroforst So entstehen hilfreiche Beziehungen zwischen den Pflanzen. Das Konzept der Hier erfährst du mehr über die regenerative Landwirtschaft (PDF) »aufbauenden Landwirtschaft« regeneriert Böden. Die sogenannte Permakultur, also »dauerhafte Landwirtschaft«, beobachtet Mehr über Permakultur erfährst du hier natürliche Ökosysteme und Kreisläufe und baut sie nach.
  • Unterstützen alternativer Projekte: Produkte aus Permakultur und Agroforstwirtschaft gibt es noch nicht siegelgeprüft im Supermarkt. Allerdings gibt es bereits Höfe, die solche Produkte anbieten. Diese sind oft auch nach dem Prinzip der »solidarischen Landwirtschaft« organisiert. In der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) wird die Landwirtschaft und nicht das Produkt finanziert. Mehrere Menschen oder Haushalte tragen gemeinsam die Kosten eines Hofes und erhalten im Gegenzug die Ernte. Diese Art der Landwirtschaft lebt vom persönlichen Kontakt zwischen Konsumentinnen und Erzeugern.

Die Genossen machen Boden gutWeiterlesen

Die Ideen der Permakultur lassen sich nicht nur auf großer Fläche umsetzen. Auch auf deinem Balkon ist einiges möglich – in vielen Städten gibt es Permakulturvereine, die Kurse anbieten. Und bevor du künftig eine gekeimte Kartoffel wegwirfst, überlege doch mal, ob es nicht ein Stück Erde gibt, in das du sie einpflanzen kannst.

Transport: Neue Ideen für Mobilität auf dem Land

von Lara Malberger

Während Landwirtschafts-, Industrie-, Wohn- und Energiesektor in der EU immer weniger CO2 in die Atmosphäre pusten, gibt es einen Bereich, der bei diesem Wandel nicht so recht mitmachen möchte: Informationen des Europäischen Parlaments zu den Emissionen von Autos der Transportsektor. Dabei sind es nicht etwa die oft verteufelten Flüge, die in der EU für die meisten Treibhausgase verantwortlich sind: Etwa 70% der Transportemissionen gehen auf den Straßenverkehr zurück. Mehr als die Hälfte davon produzieren Autos. Etwa 115 Millionen Tonnen waren es allein in Deutschland im Jahr 2017, auch hier zeigt der Trend nach oben. Ein Grund dafür: Der Pkw-Verkehr nimmt weiter zu.

CO2-Emissionen des Transportsektors in der EU

Aufschlüsselungen der Emissionen nach Transportmittel (2016)

Quelle: Europäisches Parlament

Gerade auf dem Land ist das Auto noch immer das Verkehrsmittel Nummer 1: Während in Metropolen wie Köln, Hamburg oder Berlin fast die Hälfte der Haushalte auf ein Auto verzichtet, Hier geht es zur Studie »Mobilität in Deutschland« des Bundesverkehrsministeriums (2018, PDF) besitzen knapp 90% der Haushalte in ländlichen Regionen einen Pkw. E-Fahrzeuge können eine Lösung für dieses Problem sein. Dazu müssen aber vor allem E-Autos noch attraktiver werden: etwa durch mehr Ladestationen oder finanzielle Unterstützung beim Kauf Es gibt momentan eine Prämie von 4.000 Euro beim Kauf eines Elektroautos. Für viele Menschen sind die Autos aber auch dann noch zu teuer. der teuren Wagen. E-Fahrräder sind da schon weiter: Mittlerweile besitzen deutlich mehr Landbewohner als Stadtmenschen ein solches Rad. Wie Dirk Walbrühl sich mal fast ein E-Auto gekauft hat, erzählt er hier Das Interesse an E-Mobilität ist also da.

Auch neue Konzepte für den öffentlichen Nahverkehr sind Teil der Lösung. Der muss nämlich individueller werden, um wirklich anzukommen. Rund um die Stadt Goslar in Niedersachsen wurde beispielsweise der »EcoBus« getestet: Bürger können den Kleinbus per App oder Anruf an einen beliebigen Ort bestellen. Ein Algorithmus berechnet dann eine möglichst Zum Pilotprojekt »Ecobus« effiziente Strecke, um maximal 8 Personen spritsparend an ihr Ziel zu bringen.

Im estnischen Tallinn ist der Nahverkehr für Bewohner der Stadt seit 2013 sogar komplett kostenlos Tallinn finanziert den kostenlosen Busverkehr über die Einkommensteuer. Allan Alaküla von der Stadtverwaltung rechnet vor: Man habe durch den Ausfall der Ticketeinnahmen mit Mehrkosten von 12 Millionen Euro pro Jahr gerechnet. Um den kostenlosen ÖPNV nutzen zu können, muss man in der Stadt als Bürger gemeldet sein. Seit der Einführung des Gratisverkehrs ist die Einwohnerzahl deutlich gestiegen, nämlich um rund 34.000. Damit zahlen mehr Menschen ihre Steuern in der Hauptstadt – ein jährliches Plus von 20 Millionen Euro, »sehr konservativ geschätzt«, wie Alaküla sagt. Hinzu kommt, dass die Stadt nicht sehr groß ist und der ÖPNV auch schon vorher zu 70% subventioniert wurde. Wie eine Mobilitätsflatrate aussehen könnte und welche Mobilitätslösungen Zukunft haben, beschreibt Gastautor David Fleschen hier und das Konzept funktioniert. Wer es noch individualistischer will, kann auf Mitfahrgelegenheiten umsteigen und bei der nächsten Reise einfach ein paar Leute mitnehmen. Noch einen Schritt weiter geht privates Carsharing – einfach das eigene Auto an Nachbarn vermieten, wenn man es selbst gerade nicht braucht.

Wohnen: Die Zukunft wird in den Städten entschieden

von Juliane Metzker

7% der Treibhausgase stammen aus dem Haushalts- und Gewerbesektor.

Für unsere Atmosphäre Warum sich unsere Zukunft in den Städten entscheidet, hat Felix Austen recherchiert können Städte eine große Belastung sein. Millionen Menschen auf engstem Raum brauchen viel Energie, um zu kochen, zu heizen, zu kühlen, zu fahren, zu kaufen. Genau genommen entstehen mehr als 70% des weltweiten energiebezogenen CO2-Ausstoßes in urbanen Gebieten – dabei nehmen diese weniger als 2% der Erdoberfläche ein. Nach UN-Schätzungen könnten bis Urbanisierungsbericht der UN 2018 (englisch) zum Jahr 2100 über 3/4 der Weltbevölkerung Stadtbewohner sein. Das muss keine schlechte Nachricht sein.

Warum Städte nicht schlecht für das Klima sein müssen, liest du hier In Städten steckt viel Einsparungspotenzial. Vor allem, wenn wir sie energetisch und baulich auf die Zukunft vorbereiten. Dazu gibt es bereits viele Ansätze, die sich unter dem Begriff »ökologische Stadtplanung« zusammenfassen lassen. Punktuell passiert da schon einiges, dazu gehören beispielsweise Solarpanels auf Wohnhäusern, Verleihsysteme für Fahrräder und E-Fahrzeuge sowie Bauprojekte, die Diese Heizung kannst du guten Gewissens voll aufdrehen energiesparende Technologien und grüne Bepflanzung vereinen.

Für die wirklich großen Veränderungen muss aber tief in das Funktionssystem unserer Städte eingegriffen werden. Ekhart Hahn, Berliner Professor für ökologische Stadtplanung, betont, dass sich Städte in Zukunft »zellular« organisieren müssen – also in Vierteln, die sich wie einzelne Zellen selbst mit Wasser, Energie und Nahrung versorgen. Dafür plant er, in Brandenburg eine Modellsiedlung zu errichten, in der auch nachhaltig gebaut werden soll. Lies dazu »Mit Beton verbauen wir unsere Zukunft. Hier sind 3 echte Alternativen« von Ruth Fulterer Die Zementproduktion für traditionelle Bauprojekte verursacht nämlich Die Zahl stammt aus einer Berechnung der britischen Denkfabrik »Chatham House« (englisch, 2018) bis zu 8% der menschengemachten Treibhausgase.

Das ist Deutschlands Stadt der Zukunft – und du hast noch nie von ihr gehörtWeiterlesen

Wer nicht warten will, legt einfach selbst los. Am besten mit Unterstützung aus der Nachbarschaft. Zusammen haben Lies hier mehr über die englische Dorfinitiative (englisch, 2016) Bewohnerinnen und Bewohner des britischen Dorfs Ashton Hayes ihren CO2-Ausstoß um 24% verringert. Das können Stadtmenschen auch. Der erste Schritt: In Nachbarschaftszentren, bei Mieterversammlungen oder mit Aushängen Mitstreiter finden, die Lust haben, das Leben in der Stadt nachhaltiger zu gestalten.

Elektromüll: Reparaturkultur statt Wegwerfelektronik

von Dirk Walbrühl

3% der Treibhausgase stammen aus dem Abfallsektor.

Immer größere Fernseher, schnellere Computer und schickere Handys – jedes neue Elektrogerät kostet Rohstoffe und verbraucht unsaubere Energie, Die Produktion eines Smartphones verbraucht etwa 5–10-mal so viel Energie und CO2 wie seine Nutzung während der gesamten Dauer. da in den Produktionsländern Asiens viel Kohle im Energiemix steckt. Da die meisten Geräte heute in Asien produziert werden, heißt das vor allem Kohlekraft und CO2-Ausstoß. Der Energiemix in China besteht zu großen Teilen aus Kohlekraft – rund 67% im Jahr 2017. So heizt allein die jährliche Produktion von Laptops weltweit mit geschätzt fast 87 Millionen Tonnen CO2 den Klimawandel an. Geschätzt werden jährlich weltweit 163 Millionen Laptops verkauft (diese Menge dürfte sich nicht drastisch von den produzierten Laptops unterscheiden). Nach einem aktuellen E-Waste-Paper des Thinktanks The Shift Project verbraucht ein Laptop während der Produktionsphase durchschnittlich 514 Kilogramm CO2 (was sich, den zunehmenden Energieverbrauch durch Miniaturisierung eingerechnet, mit den Zahlen aus einem Whitepaper des Laptop-Herstellers Dell aus dem Jahr 2010 deckt, wo man noch von 350 kg CO2 ausging). Das entspricht 80% der Energie, die ein Laptop während seiner gesamten Laufzeit verbraucht. Damit ergibt sich folgende Bilanz für die Laptop-Produktion eines Jahres: 168 Mio. Laptops mal 514 Kilogramm Co2 = 86.352.000 Tonnen CO2.

Auch der Elektromüll belastet die Umwelt: Die UN schätzt die Menge des weltweiten Elektroschrotts auf etwa 50 Millionen Tonnen (englisch, 2019) Weltweit fallen jährlich 50 Millionen Tonnen E-Schrott an – das entspricht dem Gewicht von 6.849 Eiffeltürmen. Doch von diesem E-Schrott werden nur rund 20% recycelt, der Rest landet auf Deponien oder wird verbrannt – Dieses Paper des »Ontario Center for Recycling Research« schlüsselt für Ontario, Kanada, die Emissionen von E-Waste und Recycling auf (englisch, 2016, PDF) wobei der Klimakiller Methan entsteht.

Was passiert mit deinem Handy, wenn es ausgedient hat?Weiterlesen

Das alles sorgt für Die globale Elektronindustrie in Zahlen des »Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie« (ZVEI) von 2019 (PDF) die Rekordumsätze der Elektroindustrie, die es geschafft hat, einen Kult des Immer-Neuen zu etablieren. Anbieter wie Apple erschweren mit Der Vergleich von »Apples« Reparaturservice mit einem unabhängigen Repair-Café (2017) überteuerten Werkstätten und »Der Standard« berichtet über »Apples« Akkusperre als Schikane gegen Reparaturversuche von Dritten (2019) Hardwaretricks sogar die Reparatur ihrer eigenen Produkte. Und wenn dann kurz nach Ablauf der knapp bemessenen Garantiefrist ein Gerät den Geist aufgibt, müssen sich Hersteller den Vorwurf »geplanter Obsoleszenz« gefallen lassen. Dahinter steckt die Vermutung, Hersteller würden schon bei der Herstellung ihrer Produkte geplante Endpunkte der Nutzungsdauer einplanen, die deutlich früher liegen, als sie müssten.

Damit Elektromüll kein Klimakiller bleibt, führt kein Weg an besserem Recycling und längerer Lebensdauer unserer Geräte vorbei. Manche Hersteller arbeiten bereits an Lösungen, etwa das niederländische Unternehmen Fairphone, dessen Smartphones modular aufgebaut sind, sodass einzelne Teile leicht ausgetauscht werden können. Ganz nebenbei bemüht sich das Unternehmen »Fairphone«, die Ressourcen aus Minen zu beziehen, die nicht in die Finanzierung von Bürgerkriegen verwickelt sind. Und Flohmarktplattformen wie Rebuy aus Berlin erleichtern den Kauf von gebrauchter Elektronik – repariert und geprüft – für einen zweiten Lebenszyklus.

Doch auch der Gesetzgeber ist gefordert, der Wegwerfelektronik eine klare Absage zu erteilen: Anfang 2019 hatte die EU neue technische »Die Welt« berichtet über die neuen EU-Anforderungen für Elektrogeräte (2019) Anforderungen für Elektronik und Haushaltsgeräte festgelegt, um deren Lebensdauer zu verlängern. So dürfen manche Teile wie LEDs nicht mehr fest verbaut werden und ein Austausch von Einzelteilen muss ohne Schäden möglich sein.

Ein guter Schritt – der auch den Repair-Cafés den Rücken stärkt, die jetzt in vielen Städten öffnen und in denen Profis bei der Reparatur von Altgeräten helfen. Doch bei komplexer Elektronik, wie sie in Handys oder Laptops verbaut ist, stoßen sie noch oft an ihre Grenzen. Verbraucherschützer fordern bereits das »WeAct« fordert ein EU-weites Recht auf Reparatur »Recht auf Reparatur«. Damit wären Hersteller verpflichtet, allen Gerätebesitzern Zugang zu Ersatzteilen und Reparaturinfos zu gewähren.

Auf der Website von »Fridays for Future« findest du mehr Informationen über den Klimastreik am 20. September. – Quelle: Fridays for Future

»Was können Menschen [gegen den Klimawandel] tun (…)?«, fragte der US-amerikanische Moderator Trevor Noah Klimaaktivistin Greta Thunberg, die kürzlich in seiner »The Daily Show« zu Gast war (englisch). »Wenn es jetzt eine Sache gebe, die alle machen sollten, dann wäre das: sich zu informieren, um die Situation zu verstehen«, antwortete Thunberg. Weil das noch nicht alle begriffen haben, finden seit über einem Jahr die Freitagsdemonstrationen »Fridays for Future« statt. Am 20. September rufen die Aktivistinnen und Aktivisten alle dazu auf, für die Zukunft des Planeten auf die Straße gehen – und für das Klima zu streiken. Mehr Informationen findest du hier.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von PD Team 

Uns ist wichtig, in der Redaktion gemeinsam zu arbeiten: In der Regel bespricht jeder Autor seine Texte in verschiedenen Stadien mit 3–4 anderen Autoren. Es gibt aber auch Texte, die in einer noch engeren Zusammenarbeit entstehen, oder mit denen wir uns als Redaktion geschlossen positionieren wollen. Diese Texte stehen dann für das ganze Team von Perspective Daily.

Themen:  Klima   Nachhaltigkeit   Aktivismus  

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