Kommentar 

3 Gründe, warum das neue »Facebook Dating« uns Sorgen machen sollte

Nicht genug damit, dass Facebook ohnehin schon praktisch alles über uns weiß. Die weltgrößte Social-Media-Plattform will jetzt auch noch ihre Mitglieder verkuppeln – um so an sensible Daten wie etwa sexuelle Vorlieben zu gelangen.

23. September 2019  6 Minuten

Wer das Dating-Leben im Jahr 2019 voll ausschöpft, hat wahrscheinlich längst eine ganze Sammlung bunter Apps auf seinem Smartphone installiert: Tinder, Lovoo, Badoo, Bumble. Aber wäre es nicht viel einfacher, nur an einem Ort zu swipen, zu flirten und zu chatten – nur ein Anlaufpunkt für die ganze moderne Beziehungssuche? Und was böte sich da mehr an als das größte soziale Netzwerk der Welt, auf dem (nach eigenen Angaben) ohnehin schon Facebooks »F8« des Jahres 2018, Dating-Feature-Ankündigung mehr als 200 Millionen Singles registriert sind? Das findet jedenfalls Mark Zuckerberg, der im Jahr 2018 seine Vision für die moderne Beziehungssuche vorgestellt hat: Facebook Dating.

Nach einem Jahr Testlauf in Kanada und Südamerika ist Facebooks Ankündigung auf »Twitter« (2019) das neue Feature jetzt in den USA und 19 anderen Ländern veröffentlicht; Die Länder mit »Facebook Dating« sind neben den USA aktuell Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kanada, Chile, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Laos, Malaysia, Mexiko, Paraguay, Peru, die Philippinen, Singapur, Suriname, Thailand, Uruguay und Vietnam. nach Europa wird es 2020 kommen. Und die Chancen auf einen Erfolg bei Noch-nicht-Verpartnerten stehen gut: Das Feature ist bewusst niedrigschwellig und kommt ohne zusätzliche Kosten, eigene App oder umfangreiche Anmeldung aus – ein Foto, ein paar Fragen und los geht’s ins Liebesabenteuer.

Zuckerberg betont, dass es dabei um Langzeitbeziehungen gehen soll, nicht bloß um schnellen Sex; ein gutgelaunter Seitenhieb gegen den bisherigen Dating-Platzhirsch Tinder, »Tinder« ist eine Dating-App aus den USA, bei der Nutzern in schneller Folge potenzielle Partner in der näheren Umgebung gezeigt werden und sie durch ein Wischen auf dem Telefon entscheiden, ob Interesse vorhanden ist oder nicht. Erklären sich Teilnehmer gegenseitig zum »Match«, eröffnet die App die Möglichkeit einer Unterhaltung. Viele Nutzer verwenden die Plattform für lose sexuelle Kontakte. dessen Aktienkurs direkt nach Veröffentlichung ein paar Prozentpunkte einbrach. Was der» Tinder«-Aktie aber langfristig gesehen wenig ausmacht, denn sie legt seit rund 2 Jahren ein steiles Wachstum hin. Das wiederum zeigt nur, wie viel (auch finanzielles) Interesse gerade an Online-Dating besteht. Die Dating-Industrie spürt, dass hier ein Tech-Gigant seinen Hut in den Ring wirft und damit das Spiel verändert.

Datenschützer schlagen zu Recht die Hände über dem Kopf zusammen. Denn Facebook Dating ist kein Grund zum Jubeln, sondern eher zum Gruseln – aus diesen 3 Gründen.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Dirk Walbrühl 

Dirk ist ein Internetbewohner der ersten Generation. Ihn faszinieren die Möglichkeiten und die noch junge Kultur der digitalen Welt, mit all ihren Fallstricken. Als Germanist ist er sich sicher: Was wir heute posten und chatten, formt das, was wir morgen sein werden. Die Schnittstellen zu unserer Zukunft sind online.

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