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Die wollen mehr als nur spielen!

Videospiele sind harmlos, machen aggressiv, lehren wichtige Fähigkeiten, machen einsam, sorgen für Freunde? Schluss mit den Mythen: Es ist höchste Zeit für eine neue Debatte über Games.

11. Oktober 2016  13 Minuten

» Aus Johann Gottfried Hoches »vertraute Briefe über die jetzige abentheuerliche Lesesucht« (1794) [Es] ist die Quelle des sittlichen Verderbens für Kinder. «

Dieser Satz stammt nicht aus diesem Jahrhundert, sondern von einem längst verstorbenen Theologen. Der Stein des Anstoßes? Romane und die im 18. Jahrhundert angeblich grassierende »Lesesucht«. Der gängige Vorwurf damals: Die häufig weiblichen Leser flöhen in eine »Pseudowirklichkeit« und lernten in dieser »falsche Werte«. Tatsächlich vermittelten viele Romane der damaligen Zeit Werte der Aufklärung, Ideale wie Selbstbestimmung oder persönliches Glück. Das Lesen selbst veränderte sich damals: Die ehrfürchtige Lektüre religiöser Schriften und moralisierender Erbauungsliteratur wandelte sich zum privaten Konsum aus Vergnügen und der Vermittlung neuer Ideen. Ein Medienwandel, der besonders Theologen wie Johann Gottfried Hoches gar nicht schmeckte. Heute wären Politiker dagegen froh darüber, wenn mehr Jugendliche zu einem Buch greifen würden.

» Artikel der Huffington Post zu Thomas de Maizières Forderungen nach den Anschlägen in München [Sie] haben eine schädliche Wirkung auf die Entwicklung von Jugendlichen. «

Diese ganz ähnliche Aussage traf Innenminister Thomas de Maizière bei einer Pressekonferenz nach dem Amoklauf von München in diesem Jahr. Der Stein des Anstoßes rund 200 Jahre später? Videospiele. Die Forschung spricht von »Digitalen Spielen« und umfasst jede Form von interaktiver, digitaler Unterhaltung von Konsolen über PC-Spiele bis hin zu Handy-Apps. Geläufiger ist der Begriff »Videospiele«, doch der ist mittlerweile veraltet – mit Video-Kassetten haben moderne Digitale Spiele nichts mehr zu tun. Der Einfachheit halber verwende ich im Folgenden hauptsächlich die Begriffe »Games«, »Gamer« und »Gaming«.