Kommentar 

Klarnamen, Herr Schäuble? Diese 4 Punkte haben Sie wohl nicht verstanden ...

Wer eine Klarnamenpflicht fordert, ignoriert nicht nur digitale Bürgerrechte, sondern hat auch nicht verstanden, wie das Internet funktioniert. Denn das eigentliche Problem mit Hass im Netz ist ein anderes.

14. Januar 2020  3 Minuten

Da ist es wieder, das alte Gespenst der deutschen Digitalpolitik: die Klarnamenpflicht. In einem am vergangenen Wochenende erschienenen Interview mit der Das ganze Interview bei der »Bild am Sonntag« (2020, Paywall) Bild am Sonntag bekräftigte Wolfgang Schäuble (CDU), Präsident des Deutschen Bundestages, dass er sich diese für alle sozialen Netzwerke in Deutschland wünsche.

»Klarnamenpflicht«, das klingt nach einer konkreten Lösung und Durchsetzungsvermögen, also genau dem, was die CDU nach dem Alles hat ein Ende, nur die Thüringer Regierungsbildung nicht. So will die Linke weiterregieren Wahldebakel in Thüringen und dem Liebäugeln aufständischer CDU-Politiker mit Das »Handelsblatt« berichtet, wie sich CDU-Politiker der AfD annähern (2019) dem rechten Rand unserer Gesellschaft gerade braucht.

Ganz konkret würde das bedeuten, dass in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter Schluss mit Fantasienamen wie »Sweetbunny68« oder »DemokratieDestroyer« wäre – und jeder mit seinem eigenen Namen dafür geradestehen muss, was er dort in den Äther brüllt. Vor allem gegen Hass soll das helfen, finden auch Parteikollegen von Schäuble.

Dafür Verantwortung tragen, was man postet: Auf den ersten Blick wirkt das wie eine gute Idee, finden auch manche CDU-Parteikollegen.

Falsch.

Denn wer eine Klarnamenpflicht fordert, ignoriert digitale Bürgerrechte, missversteht grundlegend, wie das Internet funktioniert, und begreift nicht, wo die Probleme mit Hassrede wirklich liegen.

Titelbild: Perspective Daily - copyright

von Dirk Walbrühl 

Dirk ist ein Internetbewohner der ersten Generation. Ihn faszinieren die Möglichkeiten und die noch junge Kultur der digitalen Welt, mit all ihren Fallstricken. Als Germanist ist er sich sicher: Was wir heute posten und chatten, formt das, was wir morgen sein werden. Die Schnittstellen zu unserer Zukunft sind online.

Themen:  Politik   Gesellschaft   Internet  

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