PD Daily 

Die »letzte Diktatur Europas« lässt ihre Bevölkerung mit Corona allein. Doch die organisiert sich längst selbst

Die Regierung der Republik Belarus verweigert bei sozialen Fragen schon lange die Arbeit. Aktivist:innen füllen die Lücken.

16. Juni 2020  5 Minuten

312 Coronatote und 54.680 Infizierte: Das ist der Die aktuelle Statistik bei »Worldometers« (englisch, 2020) offizielle Stand der Dinge am 15. Juni in der autoritär geführten Republik Belarus. Aus folgenden Gründen spreche und schreibe ich von der »Republik Belarus« und nicht von »Weißrussland«: Erstens ist es der offizielle Name des Staates. Zweitens ist dem oft verwendeten Toponym »Weißrussland« die semiotische Zugehörigkeit zu Russland eingeschrieben. Das Verwenden der offiziellen Bezeichnung »Republik Belarus« oder einfach »Belarus« bedeutet für mich also die sprachliche Anerkennung der Unabhängigkeit des Landes, das früher Teil der Sowjetunion war. In diesem Artikel erfährst du mehr über die Identität des Landes. Doch noch immer gibt es keine staatlich verordnete Quarantäne, kein Verbot von Massenveranstaltungen. So fand die Fußballmeisterschaft noch im Mai statt, die Grenzen des Landes blieben offen, ebenso wie Cafés oder Kinos. Am 9. Mai lud Lukaschenko Staatschefs anderer Länder zur großen Militärparade am Tag des Sieges über Nazideutschland in die Hauptstadt Minsk ein. Die wenigsten trugen dabei Mund-Nasen-Schutz.

Titelbild: BYCOVID-19 - copyright

von Veronika Prokhorova 

Veronika Prokhorova arbeitet als freie Journalistin unter anderem für Snob.ru. Früher schrieb sie für Deutsche Welle Russisch und Russkaja Germania. Geboren wurde Veronika in der Nähe von Sankt Petersburg, wo sie Internationale Journalistik studierte. An der TU Dortmund hat sie ihren Journalismus-Master mit dem Schwerpunkt Terrorismusforschung abgeschlossen.

Themen:  Bildung   Osteuropa   Aktivismus  

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