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7 Wege, wie wir in der Coronazeit zu besseren Umweltschützer:innen werden

In der Krise haben wir alte Gewohnheiten ersetzt, Nachbarschaft und Natur neu entdeckt und anders gearbeitet. Unbewusst ist unser Verhalten so umweltfreundlicher geworden. Was wir jetzt tun können, damit das so bleibt.

18. Juni 2020  14 Minuten

Die Coronakrise hat unser aller Leben verändert. Wir bleiben häufiger zu Hause, verbringen die Zeit mit unseren Mitmenschen eher auf Abstand, bewegen uns anders durch die Stadt und unsere Nachbarschaft. Viele von uns denken auch anders darüber nach, wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen. Und schließlich hat all das auch in unserem Inneren Veränderungen bewirkt; vielleicht sind wir einsamer als zuvor, haben sogar Angehörige verloren. Vielleicht erleben wir soziale Benachteiligung und Zukunftsängste zurzeit ganz besonders stark. Vielleicht sind wir aber auch entspannter und geduldiger geworden, weil wir weniger Freizeitstress haben.

Initiative Psychologie im Umweltschutz

Die IPU fördert seit 1993 den Umweltschutz mit den Mitteln der Psychologie. Durch halbjährlich stattfindende Kongresse und viele weitere Aktionen bietet sie ein umweltpsychologisches Netzwerk für alle, die sich während des Studiums und darüber hinaus für Umweltpsychologie interessieren.

Als Umweltpsycholog:innen aus der Hier geht es zur Website der »Initiative Psychologie im Umweltschutz« Initiative Psychologie im Umweltschutz und dem Hier geht es zur Website des »Wandelwerks« Wandelwerk stellen wir uns die Frage: Welche Bedeutung hat die Coronapandemie für den Umweltschutz?

Werden unsere Lebensstile genügsamer? Können wir neue, nachhaltige Gewohnheiten entwickeln? Nehmen wir durch die Coronakrise den Klimawandel anders wahr? Und verändert sich unser Verhältnis zur Natur, weil wir öfter im Wald und in Parks unterwegs sind?

Wir alle können an diesem entscheidenden Punkt der Coronakrise nun verschiedene Wege nehmen. Als Umweltpsycholog:innen haben wir 7 Wegweiser für Interessierte und Umweltschutzgruppen herausgearbeitet – um einen Weg in Richtung der sozial-ökologischen Transformation zu gehen.

Wandelwerk

Das Wandelwerk ist aus der IPU hervorgegangen und trägt seit 2016 umweltpsychologisches Wissen in den praktischen Umweltschutz. In Workshops, Vorträgen, Coachings und durch Bildungsmaterialien bereitet das Wandelwerk umweltpsychologische Erkenntnisse für umweltengagierte Menschen auf.

1. Wegweiser: Neue Gewohnheiten schaffen

Gewohnheiten vereinfachen unser Leben, weil sie die Komplexität Studie darüber, wie Gewohnheiten unser Umweltverhalten beeinflussen (englisch, 2018) des Alltags reduzieren. Nach dem Aufstehen und Frühstück putzen wir uns zum Beispiel die Zähne. Weil wir das immer so machen, müssen wir nicht jedes Mal überlegen, was als Nächstes kommt. Gleichzeitig fällt es uns schwer, unsere Gewohnheiten zu verändern. Beitrag über umweltpsychologische Modelle und Gewohnheiten (deutsch, 2005) Ändern sich jedoch die äußeren Umstände, fällt es uns mitunter deutlich leichter, alte Gewohnheiten abzulegen.

Illustration: Mirella Kahnert

Die derzeitige Ausnahmesituation durch die Covid-19-Pandemie bietet uns daher die seltene Chance, unser Verhalten in vielen Bereichen zu verändern und umweltschädigende Gewohnheiten aufzubrechen. Weil die Läden geschlossen waren, sind viele Menschen durch den Park geradelt, anstatt mit dem Auto zum Shopping zu fahren; Flugreisen haben Videokonferenzen Platz gemacht. Warum bleiben wir nicht dabei?

Was wir tun können, um jetzt, da viele Restriktionen wieder gelockert werden, nicht in die alten Muster zurückzufallen:

  • Neue Gewohnheiten behalten wir eher bei, wenn sie angenehm sind und uns Spaß machen. Vielleicht merken wir nach gut moderierten Videokonferenzen, dass wir uns die lange Anfahrt künftig sparen können? Und vielleicht behalten wir praktische, kurzfristig verbreitete Radwege ja auch in Zukunft bei.
  • Wenn wir auch unseren Mitmenschen dabei helfen wollen, neue umweltschützende Gewohnheiten zu etablieren, können wir den Nutzen ihres Verhaltens für die Umwelt betonen und unsere authentische Wertschätzung dafür äußern. Ein »Klasse, dass du jetzt mit dem Fahrrad zur Arbeit kommst; das ist auch super für die Umwelt!« bringt viel.
  • In manchen Bereichen hat die Coronakrise allerdings auch weniger umweltfreundliche Gewohnheiten etabliert – wie den Umstieg von öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Pkw. Das zeigt, dass es nach wie vor notwendig ist, die uns umgebenden Strukturen zu verändern, zum Beispiel indem wir uns dafür einsetzen, dass der Nahverkehr dauerhaft kostenlos wird.

2. Wegweiser: Genügsamkeit und das gute Leben

Wir müssen unsere Emissionen absolut senken und die Ausbeutung von Studie über planetare Grenzen (englisch, 2015) natürlichen Ressourcen stoppen, um künftig auch die Wie leben die Menschen in einem Land, das die planetaren Grenzen weitgehend einhält? planetaren Grenzen einzuhalten. Das Bemühen genau darum bezeichnet Nachhaltigkeitsforschung als Hier geht es zum Paper »Mehr als nur weniger« (deutsch, 2013) Suffizienz. Die zentrale Frage lautet hier: Was genügt uns für ein gutes Leben?

Menschen entscheiden sich für ein suffizientes Verhalten, wenn das Weniger für sie ein Mehr an Lebensqualität bedeutet. Sie tauschen das Auto etwa dann gegen das Fahrrad ein, wenn sie frische Luft und körperliche Bewegung wollen. Weil Menschen Suffizienz bewusst und aus freien Stücken wählen, unterscheidet sich Suffizienz deutlich von unfreiwilligem Verzicht durch Armut, regulierende Gesetze oder Coronamaßnahmen.

Illustration: Mirella Kahnert

Studie über die Bedeutung von Werten beim Umweltverhalten (englisch, 1999) Die umweltpsychologische Forschung zeigt, dass persönliche Werte ein wichtiges Fundament für positiv erlebten, umweltfreundlichen Verzicht sind. Solche Wertvorstellungen sind zwar normalerweise sehr stabil, jedoch zeigen Beispiele aus der Aus dem Buch »Psychologie des Lebenssinns« von Tatjana Schnell (deutsch, 2016) Therapie- und Sinnforschung, dass bedeutsame Lebensereignisse und Krisen Menschen dazu bringen, die eigenen Werte zu reflektieren und sich neu zu orientieren. Einigen scheint eine Stunde des gemächlichen Brotbackens in dieser Zeit belohnender als der Kauf einer neuen Küchenmaschine. So kann die Coronakrise neuartige Perspektiven eröffnen.

Wie wir in Krisenzeiten genügsamer werden können:

  • Wir können diese Phase nutzen, um uns selbst oder gemeinsam mit anderen zu überlegen: Was ist das gute Leben? Was hat Bestand, wenn uns vieles genommen wird? Wie habe ich meinen ökologischen Fußabdruck während der Coronazeit verändert? Kann ich einige der umweltfreundlichen Veränderungen, die mir gutgetan haben, beibehalten?
  • Wir können unsere Suffizienz stärken, indem wir uns in Achtsamkeit üben, uns Zeit nehmen für bewussten Genuss anstatt für ressourcenintensives Shopping oder Reisen, und damit nicht-materielle Quellen für unser Wohlbefinden entdecken.

3. Wegweiser: Neue Pfade für psychologische Grundbedürfnisse

Die Befriedigung Studie zur Selbstbestimmungstheorie (englisch, 2000) unserer psychologischen Grundbedürfnisse nach sozialer Eingebundenheit, Kompetenz und Autonomie ist für unsere psychologische Gesundheit so wichtig wie Nahrung und Wasser für unsere körperliche Gesundheit. Wenn wir uns zugehörig und geliebt fühlen, uns in der Lage sehen, wichtige Ziele umzusetzen und frei nach eigenen Interessen und Werten zu handeln, dann geht es uns gut und wir stellen uns eher Herausforderungen. Sind unsere psychologischen Grundbedürfnisse hingegen nicht erfüllt, kann eine Krise dazu führen, dass wir noch weniger in der Lage sind, nach unseren Werten und Überzeugungen zu handeln. Wir reden die Krise dann aus Selbstschutz eher klein, ignorieren oder leugnen sie.

Illustration: Mirella Kahnert

Die Maßnahmen zur Coronapandemie erschweren es vielen Menschen, ihre psychologischen Grundbedürfnisse wie bisher zu erfüllen. Dirk Walbrühl und Lara Grewe über die Einsamkeit im Alter Viele leiden unter eingeschränkten Sozialkontakten, können nicht mehr tun, was sie lieben und was ihnen Ausgleich gibt. Doch in dieser Situation können wir neue Wege finden, um unsere Grundbedürfnisse zu erfüllen, zum Beispiel mit neuen Hobbys wie Kochen statt Essengehen, und schließlich die Herausforderungen Umwelt- und Klimaschutz selbstbewusst annehmen.

So können wir psychologische Grundbedürfnisse jetzt stärken:

  • Jetzt aktiv zu werden, etwa in Form von einfachen ökologischen Do-it-yourself-Ideen oder digitalen Demonstrationen, kann Erfolgserlebnisse erzeugen und Kompetenz stärken.
  • Umweltschutzgruppen können soziale Eingebundenheit derzeit durch gegenseitige Unterstützung, Austausch in digitalen Räumen und ein offenes und wertschätzendes Gruppenklima stärken.
  • Wir können kreative Wege finden, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen und eigene Werte auszuleben, zum Beispiel durch partizipative Entscheidungselemente in Gruppen und in der Politik.
  • Wir können bewusst darauf achten, dass es uns und anderen in den 3 Bereichen soziale Eingebundenheit, Kompetenz und Autonomie gut geht.

4. Wegweiser: Neues soziales Miteinander entdecken

Wir leben und handeln nicht nur als einzelne Wesen. Der »Soziale Identitätstheorie« im Umweltschutz (englisch, 2018) Sozialen Identitätstheorie zufolge hängen unsere Meinungen und unser Verhalten maßgeblich von unseren sozialen Identitäten Menschen haben viele soziale Identitäten gleichzeitig, und je nach Situation sind verschiedene Identitäten mehr oder weniger präsent. ab, also von den Gruppen, denen wir uns zugehörig fühlen. Wenn unser Freundeskreis vegan lebt und unsere Familie gerne Fleisch isst, wird es uns bei einem Freundesausflug leichter fallen, uns selbst vegan zu ernähren, als bei einem Familiengrillen.

Illustration: Mirella Kahnert

Angesichts der internationalen Dimension der Coronapandemie können wir eine Review über globale Identität (englisch, 2016) globale Identität in uns entdecken. Wenn wir uns als Weltbürger:innen identifizieren, kann das gemeinsame Anstrengungen im Sinne der gesamten Menschheit fördern. Klimakrise, Artensterben und Umverteilung von Reichtum erfordern genau dieses gemeinsame Handeln. Gleichzeitig sind unsere lokalen Identitäten derzeit präsenter, weil wir mehr zu Hause sind und so mehr Zeit mit unserer Familie, Partner:in, Wohngemeinschaft und der Nachbarschaft verbringen.

So können wir durch Gruppenzugehörigkeit nachhaltiges Verhalten fördern:

  • Die globale Identität stärken. Dazu können wir im Kontext der Pandemie auf unsere Vernetzung mit allen Menschen hinweisen. Auch positiver Kontakt über Ländergrenzen hinweg fördert die globale Identität – während der Pandemie erworbene Kompetenzen mit Onlinekommunikation können wir dafür nutzen.
  • Umweltgruppen können aktuell relevante Identitäten als Zielgruppe ihrer Kampagnen adressieren, zum Beispiel Familien oder Wohngemeinschaften.
  • »Think global, act local«: Dies ist die Zeit, um den lokalen Umweltschutz zu stärken und so eine Identifikation mit der Nachbarschaft aufzubauen. Das kann in Form von nachbarschaftlichen Gemeingütern wie Reparaturwerkstätten oder Gemeinschaftsgärten passieren, über Bürgerpartizipation und regionale Wirtschaftskreisläufe.

5. Wegweiser: Selbstwirksamkeit erwecken

Können wir durch unser Engagement etwas bewegen? Oder erleben wir es als wirkungslos? Unsere Selbstwirksamkeit, also die Überzeugung, durch das eigene Handeln unsere Ziele erreichen zu können, leistet einen wichtigen Beitrag zu unserem Bedürfnis nach Kompetenz. Aus dem Buch »Self-Efficacy« von Albert Bandura (englisch, 1997) Die Wissenschaft unterscheidet dabei zwischen der Selbstwirksamkeit auf individueller Ebene (»Ich kann das!«) und der kollektiven Wirksamkeit auf Gruppenebene (»Wir schaffen das!«).

Illustration: Mirella Kahnert

Vor dem Ausbruch der Coronapandemie konnten sich viele Umweltaktive nicht vorstellen, dass Regierungen so schnell auf Krisen reagieren, große Teile der Bevölkerung sich solidarisieren und selbst restriktive politische Maßnahmen unterstützen würden. Jetzt sehen wir, zu welchen Maßnahmen wir imstande sind, wenn der politische und gesellschaftliche Wille vorhanden ist – eine Erfahrung der kollektiven Wirksamkeit. Gleichzeitig fühlen sich viele Umweltschützer:innen wenig selbstwirksam, weil der direkte Kontakt von Angesicht zu Angesicht mit Gruppenmitgliedern und herkömmliche Aktionsformen wie Ein Protestforscher erklärt, wie Demonstrationen trotz Einschränkungen aussehen können Demonstrationen nur eingeschränkt möglich sind.

Demgegenüber könnte die allgemeine Selbstwirksamkeit in der Bevölkerung zurzeit gestärkt sein, da die Bedeutung von Studie über das Gefühl der Selbstwirksamkeit in der Umweltbewegung (englisch, 2013) jeder und jedem Einzelnen für die Eindämmung der Coronapandemie betont wird und die Maßnahmen relativ einfach umsetzbar sind.

Wie wir unsere Selbstwirksamkeit aufrechterhalten können:

  • Umweltschutzkampagnen können auf diesem Gefühl der gesteigerten Selbstwirksamkeit und der kollektiven Wirksamkeit aufbauen, indem sie sich gezielt auf dieses Gefühl beziehen: »Wir setzen uns gemeinsam für den Umweltschutz ein und du bist entscheidend dafür!«
  • Die Coronamaßnahmen zeigen uns zudem: Umweltschützendes Verhalten muss verständlich und einfach umsetzbar sein, um keine Selbstwirksamkeit zu verlieren.

6. Wegweiser: Bedachte Krisenkommunikation

Es gibt einige Faktoren, die die Klimakrise und die Coronapandemie verbindet: Beide Krisen haben ein hohes Katastrophenpotenzial, in beiden Fällen müssen wir mit viel Unklarheit umgehen, was die Auswirkungen und den Wissensstand betrifft, und in beiden Fällen können wir die Bedrohungen weitgehend (noch) nicht am eigenen Leib erfahren. Wir sind also nicht so unmittelbar betroffen wie bei einer Trinkwasserknappheit im eigenen Stadtteil.

Illustration: Mirella Kahnert

Was die Coronakrise jedoch davon abhebt: Sie ist komplett neu, eskaliert schneller als die Klimakrise, betrifft unsere Mitmenschen ganz konkret und ist Wissenschaftliche Hintergründe zur Risikowahrnehmung (englisch, 1992) damit besser greifbar. Wir nehmen daher an, dass die Coronapandemie mit ihren sozialen und wirtschaftlichen Folgen von vielen Menschen als unmittelbarer und damit bedrohlicher wahrgenommen wird als die Klimakrise.

Objektiv betrachtet ist unsere Lebensgrundlage durch die zeitlich drängende Klima- und Biodiversitätskrise jedoch viel ernsthafter und weitreichender bedroht. Wie sollen wir mit diesem Widerspruch derzeit umgehen, wenn wir über die Umweltkrise berichten?

Da wir nur ein begrenztes Ausmaß an Aufmerksamkeit So hören wir auf, unsere Gehirne zu »vermüllen« für besorgniserregende Themen aufbringen können, müssen wir davon ausgehen, dass Menschen durch die Coronakrise wesentlich weniger Kapazitäten haben, sich mit Umweltproblemen zu beschäftigen. Die Betonung eines »Klimanotstandes« und des »Klimaschutzes als erste Priorität« ist derzeit Hier geht es zum »Corona-Kommunikations-Guide« von »Climate Outreach« (englisch, 2020) wahrscheinlich weniger effektiv. Gleichzeitig könnte es auch nach hinten losgehen, die positiven Auswirkungen der Coronakrise auf Umweltprobleme zu stark hervorzuheben, etwa CO2-Einsparungen oder sinkende Luftverschmutzung. Das bedeutet aber nicht, dass aktuell überhaupt keine Umweltkommunikation stattfinden sollte.

Wie Umweltkommunikation derzeitig gelingen kann:

  • Umweltschützer:innen sollten sich bewusst sein, dass die akute Phase der Pandemie kein günstiger Zeitpunkt für krisenhafte Umweltkommunikation ist. Als Zielgruppen bieten sich deshalb Menschen an, die bereits das Ausmaß der Klimakrise begriffen haben, aber noch nicht danach handeln.
  • Es ist aktuell ungünstig, mit Aus dem Buch »Psychology for a better World« von Niki Harré (englisch, 2019) Angstbotschaften die Klimakrise dramatischer wirken zu lassen als die Coronakrise. Vielmehr sollten wir in unserer Umweltkommunikation positive Emotionen ansprechen, um zu privatem Umweltschutzverhalten zu animieren, und gleichzeitig die Wut über zu wenig Klimaschutz, die viele empfinden, in lautstarke Klimaschutzproteste kanalisieren.

7. Wegweiser: Sich neu mit der Natur verbinden

Die vielleicht wichtigste Chance in der Coronakrise ist, dass sie die Beziehung zwischen Mensch und Natur stärkt. Weil Verkehr und Industrie eingeschränkt sind, können wir direkt wahrnehmen, wie die Natur aufatmet. Dies bietet uns eine Gelegenheit, zu erkennen, wie stark sich Mensch und Natur wechselseitig beeinflussen. Wenn wir mehr Zeit in der Natur verbringen, sei es auf Spaziergängen, bei der Gartenarbeit oder beim Joggen, können wir sie als wichtigen Erholungsraum und als Quelle für unser Wohlbefinden erleben. Die positiven Erfahrungen tragen bei vielen Menschen aktuell wahrscheinlich zur Entwicklung einer stärkeren Studie über Naturkontakt und Naturverbundenheit (englisch, 2018) Naturverbundenheit bei.

Illustration: Mirella Kahnert

Die Metaanalyse über Naturverbundenheit und Umweltschutz (englisch, 2019) Forschung zeigt, dass sich naturverbundene Menschen im Alltag eher umweltschützend verhalten. Wir können uns und andere also darin bestärken, mehr in die Natur zu gehen und dies zur Gewohnheit zu machen.

So können wir unsere Verbindung zur Natur festigen:

  • Die Natur ist eine Kraftquelle. Deshalb ist es sinnvoll, uns möglichst viel und insbesondere für angenehme Aktivitäten in der Natur aufzuhalten.
  • Die positiven Effekte der Natur auf unsere Gesundheit, unsere Stimmung und Naturverbundenheit können wir durch Achtsamkeit verstärken, etwa bewusst die Sonne oder Luft auf der Haut wahrnehmen, über Pflanzen staunen, Tiere beobachten.

Die Bedeutung der Coronapandemie für den Umweltschutz

Umweltschützer:innen wie wir, Umweltgruppen und Politiker:innen können die Coronapandemie als temporären Rückschlag erleben. Corona dominiert die Medien und viele Umweltschutzaktionen sind zurzeit nicht umsetzbar. Gleichzeitig erkennen wir, was erreicht werden kann, wenn Regierungen Probleme wirklich ernst nehmen. Wir sehen, dass wir in der Tat neue Wege einschlagen können: Das Aufbrechen von eingefahrenen Abläufen auf individueller, lokaler und globaler Ebene ist möglich und zeigt direkte Effekte.

In dieser Zeit können wir uns gegenseitig helfen, neu etablierte umweltschonende Gewohnheiten beizubehalten, in neuer sozialer Verbundenheit zu handeln, die Natur zu genießen – und mit Kreativität suffizienter und letztlich glücklicher zu leben. So können wir mit der aktuellen Situation nicht nur umgehen, sondern sie nutzen, um gemeinsam den Weg in eine sozial-ökologische Zukunft zu gehen.

Die Autor:innen v. l. o. n. r. u. Karen Hamann, Tilmann Hüppauff, Larissa Legler, Mia Lehn, Daniel Löschinger, Marissa Reiserer, Nadine Richter, Carla Schulte-Fischedick (Lektorat), Marlis Wullenkord –

Hier kannst du das »Handbuch zur Förderung nachhaltigen Handelns« des Wandelwerk e. V. kostenlos als PDF herunterladen.

Die Organisation »Climate Outreach« hat einen kostenlosen Leitfaden zur richtigen Kommunikation von Klimathemen während der Coronakrise veröffentlicht.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

Themen:  Nachhaltigkeit   Psychologie   Klima  

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