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Essay 

Ich bin ein weißer Mann. Jetzt versuche ich zu verstehen, was das heißt

Wo immer ich hinkam, meine Privilegien waren schon da. Ist mein Leben so reibungslos verlaufen, weil ich weiß bin?

24. Juni 2020 –  10 Minuten

Es gibt Dinge, für die ich etwas länger brauche, um sie zu verstehen. Und für manche noch ein paar Jahre mehr. In diesem Fall geht es um eine Erkenntnis, die zuerst banal klingt. Mit 17 Jahren habe ich zum ersten Mal verstanden, dass ichweiß Laut Online-Glossar von Amnesty International Deutschland beziehen sich die Begriffe ›Weiß‹ oder ›Weißsein‹ nicht auf eine biologische Eigenschaft, sondern auf eine politische und soziale Konstruktion. Mit Weißsein ist im Bereich des akademischen ›kritischen Weißseins‹ die dominante und privilegierte Position innerhalb des Machtverhältnisses Rassismus gemeint, die sonst meist unbenannt bleibt. Um das zu kennzeichnen, wird »weiß« in diesem Zusammenhang oft kursiv geschrieben. bin. Nicht bloß in dem Sinne, dass ich weiße Haut habe, sondern, dass in dem Paket mit der Aufschrift »Benjamin« ein paar Dinge mehr mitgeliefert werden als an andere Adressaten.

Ich hatte das Glück, ein Austauschjahr in St. Lucia verbringen zu können. Das ist eine kleine Insel in der östlichen Karibik, ganz in der Nähe von Barbados und Martinique. 85% der Bevölkerung sind Schwarz, »Der Begriff wird in jedem Kontext mit großem ›S‹ geschrieben. Dadurch soll sichtbar gemacht werden, dass es sich nicht um das Adjektiv ›schwarz‹ handelt und sich somit auch nicht auf die Farbe bezieht, sondern um eine politische Selbstbezeichnung. Der Begriff ist der Versuch auszudrücken, welche sozialen Gemeinsamkeiten aus dem Konstrukt Rassismus entstanden sind. Es geht also in erster Linie um Erfahrungen und in keiner Weise um biologische Gemeinsamkeiten.« Aus: »Exit Racism« von Tupoka Ogette etwa 13% sind People of Color (PoC) »PoC« ist die Abkürzung für »People of Color« (oder Singular: »Person of Color«) und ist eine selbstbestimmte Bezeichnung von und für nichtweiße Menschen, die in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft leben und aufgrund ihrer Hautfarbe oder Religion rassistische Anfeindungen erfahren. PoC umfasst alle Menschen, die zu unterschiedlichen Anteilen afrikanische, asiatische, lateinamerikanische, arabische, jüdische, indigene oder pazifische Migrationsgeschichten haben. Viele Schwarze und indigene Aktivist:innen bezeichnen sich selbst als »BIPoC«, was für »Black, Indigenous People of Color« steht. 1,6% sindHier geht es zu den Daten über St. Lucia im »World Fact Book« (englisch, 2010)»andere«, so wie ich. Meine Schwarze Austauschfamilie wohnte in einem Dorf in den Bergen außerhalb der Hauptstadt Castries. St. Lucia hat heute 166.000 Einwohner, Haupteinnahmequelle ist der Tourismus. Ursprünglich lebte das Volk der Arawak auf St. Lucia, das ab 800 n. Chr. von den Kariben verdrängt wurde. Ab 1500 war die Insel umkämpft, immer wieder wechselte der Herrschaftsanspruch zwischen Briten und Franzosen. Ab 1814 war St. Lucia dauerhaft britische Kolonie. Hauptprodukt war durch Sklavenarbeit hergestellter Zucker. Seit 1979 ist St. Lucia unabhängig, gehört aber zum Commonwealth.