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Reportage 

Dieser Mann wird alles verlieren. Er findet, es sei deine Schuld

In Vanuatu spült das Meer den Menschen bereits die Knochen ihrer Ahnen um die Füße. Schuld ist der Klimawandel. Jetzt will der Inselstaat Industrienationen wie Deutschland verklagen. Kann er gewinnen?

29. Juni 2020  10 Minuten

Die Bewohner der Insel Pele haben sich den schönsten Strand ausgesucht, um ihre Vorfahren zu begraben. Korallengeröll knirscht unter seinen Nike -Latschen, als Willy Kenneth die Küste entlangspaziert. Das badewannenwarme Meer ist so türkisblau, als wäre es mit Photoshop bearbeitet. Kokospalmen flattern im Wind. Das Paradies, könnte man meinen.

Als Kind spielte Kenneth hier. Damals sei das Meer 20 Meter entfernt gewesen, sagt er und deutet auf die Linie, wo die Wellen auf den Strand rauschen. Heute sind es 2. Das Meer habe sich immer weiter über den Strand gefräst. Je stärker die Stürme, desto schlimmer die Erosion. Und bei Unwettern umspüle das Wasser schon die Gräber, so erklärt es Kenneth, ein Mann mit graumelierten Schläfen und einer Stirnfalte, der in seinem Dorf Worasifiu »Manager für Ressourcenschutz« genannt wird.

Wenn die Bewohner Peles spazieren gehen, legen sie die freigelegten Knochen auf die Bäume. Kenneth kniet sich vor das Grab seines Urgroßvaters. Bei einem der nächsten Zyklone, die schnell wie ein ICE über die Insel wüten, könnte auch dieses Grab weggespült werden.

Die Weltbank schätzt, dass 2050 das Zuhause Bericht der »Weltbank« über die Folgen des Klimawandels (englisch, 2018) von über 140 Millionen Menschen

Titelbild: Felie Moucir Zernack - copyright

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