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Was wir von Momo über Arbeit lernen sollten

Die Post-Work-Bewegung möchte, dass Arbeit nicht mehr unser Leben bestimmt. So kommen wir dahin.

5. August 2020  15 Minuten

Wenn ich über Arbeit und Arbeitszeit nachdenke, Falls du »Momo« nicht kennst, findest du hier eine kurze Inhaltsangabe kommt mir oft Michael Endes Geschichte »Momo« in den Sinn. Das Waisenmädchen Momo lebt allein in einem Amphitheater und besitzt nichts bis auf eine Flickenjacke und die besondere Gabe, zuzuhören. Sie hat viele Freund:innen, die sie besuchen kommen. Bis eines Tages die sogenannten grauen Herren in die Stadt kommen und den Menschen versprechen, ihre Zeit anzulegen und zu vermehren. Doch letztlich stehlen sie deren Zeit und rauchen sie in Zigarren, um auf diese Weise selbst am Leben zu bleiben. Die Welt ändert sich seit dem Auftauchen der grauen Herren grundlegend: Alle arbeiten immer mehr und schneller, um möglichst viel Zeit für später anzusparen. Das Ergebnis ist aber das Gegenteil: Niemand hat mehr Zeit, nicht füreinander, nicht für sich selbst und nicht für Momo, die in dieser Welt, in der alle nur noch ihrer Zeit hinterherlaufen, eine Außenseiterin geworden ist.

Auch heute noch taugt die betagte Geschichte, um zu verdeutlichen, wie zentral Erwerbsarbeit in unserer Gesellschaft ist. Die Zahlen zur durchschnittlichen Wochenarbeitszeit vom Statistischen Bundesamt (2018) Vollzeitbeschäftigte arbeiteten laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2018 durchschnittlich 41 Stunden pro Woche. Im Jahr 1991 schaffte das wiedervereinigte Deutschland 41,4 Stunden in Vollzeitjobs, verändert hat sich in den vergangenen rund 30 Jahren also wenig. Fast 3 Millionen Menschen haben heute zusätzlich zum Hauptjob eine Nebenbeschäftigung, Sozialwissenschaftler Stefan Sell über Mehr­fach­be­schäf­ti­gung (2020) arbeiten also am Ende mehr als der Durchschnitt.