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Selbstoptimierung: Selbstausbeutung oder Luxusgut?

Unsere Autorin findet überraschende Antworten auf diese Frage, im Mekka der Selbstverbesserung: dem Silicon Valley.

31. August 2020  10 Minuten

Hast du in den vergangenen Monaten auch versucht, dich selbst zu optimieren? Vielleicht indem du dich gesünder ernährst, Hier schreiben Dirk Wahlbrühl und Katharina Lüth, was dir hilft, besser zu schlafen Tipps für besseren Schlaf befolgst oder nach Marie-Kondo-Anleitung deinen Schrank ausmistest? Es scheint jedenfalls gerade mehr denn je im Trend zu sein, besser in irgendetwas zu werden.

Im Silicon Valley, Das Silicon Valley ist der wahrscheinlich erfolgreichste High-Tech-Standort der Welt. Das »Siliziumtal« in Kalifornien zieht sich über eine Strecke von 70 Kilometern im Süden San Franciscos. Der Grundstein für den Erfolg der Region war die dort ansässige Stanford University mit der Frühform eines Gründerprogramms für Unternehmer kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. In den 50er-Jahren wurde daraufhin mit der Erfindung des Halbleiters aus Silizium in eben diesem Tal das Fundament für die erste Computerindustrie der Welt gelegt. wo ich die vergangenen 5 Jahre gelebt habe, gilt das noch mehr als in meinem Heimatland Deutschland. Als Geburtsstätte des Mikrochips und des Internets steht Wie das Silicon Valley versucht, Armut mit Technologie zu bekämpfen, und ob das eine gute Idee ist, schreibt Felix Franz hier das Silicon Valley für Innovation und Fortschritt. Dort gehört es einfach dazu, an sich selbst zu arbeiten.

Was ist Selbstoptimierung?

Laut Duden meint Selbstoptimierung »jemandes [übermäßige] freiwillige Anpassung an äußere Zwänge, gesellschaftliche Erwartungen oder Ideale u. Ä.«

In Deutschland wird der Trend dagegen nicht ganz so positiv gesehen. Immer wieder Hier schreibt der Tagesspiegel zum Beispiel: »Wir müssen raus aus dem Hamsterrad der Produktivität« (2020) wird sogar gewarnt, es mit der Selbstoptimierung nicht zu übertreiben. Sich ständig verbessern zu wollen kann nämlich stressig sein: Vor allem dann, wenn es notwendig wird, um mithalten zu können. Das Interview mit Hartmut Rosa zum Selbstoptimierungszwang (2016) Der Soziologe Hartmut Rosa vergleicht das mit dem Herauflaufen abwärtsfahrender Rolltreppen: Wer seine Position halten will, muss nach oben streben und ständig seinen Marktwert erhöhen. Pausen und Erholung lassen sich da schwer rechtfertigen. Und der ständige Optimierungsdruck kann zu Stress und Anspannung führen.

Warum sich die Arbeit am Selbst auch gut anfühlen kann

Herrscht gesellschaftliche Unsicherheit, so wie etwa während der Coronapandemie, sehnen sich viele Menschen nach Kontrolle. Mit einem Selbstoptimierungsprojekt können wir uns beweisen, dass wir immerhin die Kontrolle über uns selbst haben. Im Gegensatz zum oft unübersichtlichen und fremdbestimmten Rest unseres Lebens schafft es einen Bereich, in dem wir die Ergebnisse unserer Bemühungen direkt sehen können. Das kommt unserem Bedürfnis nach persönlichem Wachstum entgegen, wir empfinden Selbstwirksamkeit, die uns mit Stolz und Zufriedenheit erfüllt.

In Kalifornien wird zwar viel am Selbst gearbeitet, aber nicht viel darüber gesprochen oder diskutiert – vor allem nicht so kritisch wie in Deutschland. Oder kam mir das nur so vor? Ich fragte also bei meinen US-amerikanischen Freund:innen nach ihren Erfahrungen.

»›Self optimization‹ – that is such a German way to put it!«

Die wussten zuerst allerdings gar nicht, wovon ich spreche. Mit dem Begriff »self optimization«, wie ich es anfangs übersetzte, konnte niemand etwas anfangen. Meine Freundin Christine meinte: »›Self optimization‹ – that is such a German way to put it!« »›Selbstoptimierung‹ – das ist ein typisch deutscher Begriff dafür!« Deutsche, so habe ich es erlebt, sind in den USA bekannt dafür, für spezielle Gemütszustände oder Phänomene eigene Begriffe zu haben. »Weltschmerz«, »Aha-Moment« oder »Schadenfreude« sind Beispiele für solche Wörter, die von der deutschen Sprache in die englische übernommen wurden. Ist Selbstoptimierung wirklich so »deutsch«? Jetzt wollte ich es genauer wissen.

Das Gute am Silicon Valley: Hier treffen Menschen aus der ganzen Welt zusammen. In der Hoffnung, dass sie mir mit meinen Fragen weiterhelfen können, sprach ich mit 2 US-Amerikanerinnen, einer Inderin, einem Inder und einem Chinesen, die wie ich im Silicon Valley leben. Ich wollte von ihnen erfahren, wie die Arbeit am Selbst aus ihrer Perspektive in ihrem Herkunftsland gesehen wird und ob sie ihrer Ansicht nach dort kritisch hinterfragt wird. Natürlich würden sie mir nur einen kleinen Einblick geben können – deshalb erheben ihre Aussagen keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.