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Essay 

Die 3 Schlüssel zu einer Welt, in der alle würdevoll leben können

Er hat die Bundesregierung beraten, viele Jahre das Wuppertal Institut geleitet und ist nun Oberbürgermeister von Wuppertal: Uwe Schneidewind arbeitet an einer sozialen und ökologischen Zukunft. So soll die »Große Transformation« gelingen.

12. November 2020  20 Minuten

Was ist eigentlich in den letzten 30 Jahren in der Umweltpolitik falsch gelaufen? Warum ist, obwohl wir diese Herausforderung schon, wenn man den Club of Rome mit den Grenzen des Wachstums 1972 als Bezugspunkt nimmt, seit fast 50 Jahren klar beschreiben, die naturwissenschaftlichen Grundlagen immer besser erforscht sind, trotz dieser Klarheit so wenig passiert? Warum hat sich gerade in den letzten Jahren in Teilen der Gesellschaft ein richtiger Widerstand dagegen formiert? Die Annahme der Ökologiebewegungen, auch zum Teil von Institutionen wie unserer, ist gewesen: Ich muss nur genügend wissenschaftliche Wahrheit generieren, diese herausrufen, dann wird sich Veränderung einstellen. Dies hat sich in keiner Weise erfüllt. Sondern eher hat das Rufen, je lauter, drängender und moralisch aufrüttelnder es wurde, sogar zu Abwehrbewegungen geführt, die sogar so weit gehen, dass selbst die naturwissenschaftlichen Grundlagen infrage gestellt werden. So kommen plötzlich einige Grundfesten in der Art und Weise, wie wir Demokratie organisieren, ins Wanken.

Die naturwissenschaftliche Dominanz in der Nachhaltigkeitsdebatte

Große Teile dieser auch wissenschaftlichen Kräfte, die sich mit den Themen auseinandersetzen, sind davon überrumpelt, weil es ein Themenfeld ist, das vor allem im naturwissenschaftlich-ingenieurwissenschaftlichen Bereich entstanden ist. Die Menge an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, die wir erzeugt haben, ist beeindruckend, vor allem, wenn man sich die moderne Klimaforschung mit ihren komplexen Modellen anschaut, die empirischen Arbeiten, die global koordiniert werden. Obwohl wir solche komplexen Systeme heute so genau beschreiben können, blieb der Zweig der sozial- und kulturwissenschaftlichen Erkenntnisse und Veränderungsprozesse dagegen verkümmert, was nun zu einem plötzlichen Erschaudern führt. Man hat die naturwissenschaftliche Klarheit und wundert sich über eine Gesellschaft, die durch das bloße Ausrufen dieser Wahrheit kaum in Bewegung kommt.