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9 Gründe, warum das Jahr nicht so sch*** war, wie alle sagen

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9 Gründe, warum das Jahr nicht so sch*** war, wie alle sagen

23. Dezember 2016
Themen:

Wir haben uns gefragt: Was ist jetzt besser als noch vor einem Jahr?



Unsere spontane Antwort: die Idee Perspective Daily. Nicht das Erreichen des Crowdfunding-Ziels oder unsere journalistische Arbeit, sondern der Gedanke, dass aus einer Idee ein echtes Online-Medium geworden ist.

Zu Beginn gab es nur einen flüchtigen Gedanken am Küchentisch. Der eine führt zum nächsten und die ersten Handlungen beginnen. Bis 12.000 Menschen, so viel wie die Einwohner einer Kleinstadt, an diese Idee glauben und sie unterstützen. Mit unserer Crowdfunding-Kampagne Anfang 2016 konnten wir die ersten 12.000 Mitglieder und Unterstützer für Perspective Daily gewinnen. So wurde aus dem Gedanken schließlich ein Unternehmen mit Mitgliedern auf mittlerweile 6 Kontinenten.

Die vielen Themen unter einen Hut zu bekommen, ist eine der größten Herausforderungen unserer täglichen redaktionellen Arbeit. Auch deswegen sind wir noch einmal in uns gegangen und haben in der Themenschublade gekramt, was uns 2016 inspiriert hat. Hier das Ergebnis: 9 Dinge, die nach 2016 besser sind als zuvor.

Auf der Überholspur zum Fahrradgesetz – Nikola Schmidt

Vergangenen März, ich hatte gerade einmal wieder radelnd mein Leben auf den Berliner Straßen riskiert, sprang mir folgendes Streitgespräch aus der Beilage Radzeit meiner Sonntagszeitung ins Auge: Artikel aus dem Fahrradmagazin Radzeit (März 2016) »Debatte: Volksentscheid Fahrrad.« Fahrrad-Aktivisten diskutierten darin das Für und Wider einer solchen Initiative – denn einen Volksentscheid für eine fahrradfreundliche Stadt hat es in Deutschland bisher nicht gegeben.

Die Forderungen der Initiatoren: Jährlich 50 Kilometer neuer Fahrradstraßen, 2 Meter breite Radwege an Hauptstraßen und 100 Kilometer Radschnellwege. Außerdem sollen unter anderem 200.000 neue Abstellmöglichkeiten geschaffen und grüne Wellen für Radfahrer eingeführt werden. Siehe dazu den Entwurf des Radverkehrsgesetzes. Damit wollen sie den Radverkehr in der Hauptstadt fördern und die Lebensqualität verbessern. Das wichtigste Gegenargument: »Scheitert der Volksentscheid, wäre das ein Fiasko, nicht nur für den Radverkehr.«

Dann begann das schnellste Volksbegehren, das die Stadt je gesehen hat. Pressemitteilung der Initiative (Juni 2016) In weniger als 4 Wochen kamen über 100.000 Unterschriften zusammen – mehr als 5-mal so viele, wie nötig gewesen wären. So erzeugte das Vorhaben einen entsprechenden Wirbel im Wahlkampf für die Abgeordnetenhaus-Wahl im September 2016. Noch prüft der Senat den Gesetzentwurf, Die Innensenatsverwaltung muss prüfen, ob das beantragte Volksbegehren zulässig ist (§ 17 Abstimmungsgesetz). Da sie dafür aber bereits mehr als drei Monate braucht, haben die Initiatoren inzwischen eine Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht erhoben. Sie sehen darin eine mutwillige Verschleppung, denn den geplanten Abstimmungstermin zur Bundestagswahl 2017 – der für eine hohe Beteiligung (und damit wahrscheinlich für das Erreichen des nötigen Quorums von 25%) gesorgt hätte – können sie wegen der Verzögerung nicht einhalten. doch schon jetzt ist er Koalitionsvertrag 2016–2021 (S. 37) Teil des Koalitionsvertrags der neuen rot-rot-grünen Landesregierung geworden.

Was lernen wir daraus? Wenn die Zeit reif ist, kann Politik sehr schnell gehen – auch Politik von unten. Es braucht nur engagierte Menschen, die sich gut organisieren. Und natürlich: Volksentscheide.

Wenn aus Feinden Freunde werden: Kuba & die USA – Frederik v. Paepcke

»Gehe nach Kuba, solange es noch so ist, wie es ist!« Diesen Rat hörte ich oft, als ich im Jahr 2014 überlegte, welches Ziel ich für meine geplante Fernreise wählen sollte. Es war ein guter Ratschlag: Die Welt berichtet über die Überforderung Kubas durch den Touristen-Ansturm Heute raten viele Reiseanbieter davon ab, die aus der Zeit gefallene, von Widersprüchlichkeiten geprägte, aber wundervolle Karibik-Insel 140 Kilometer vor der Küste Floridas zu besuchen.

Der Grund dafür: Barack Obama. Im März 2016 besuchte er nach 88 Jahren als erster US-Präsident Kuba. Ein Symbol für das Ende der diplomatischen Eiszeit zwischen der Supermacht USA und dem ehemaligen sozialistischen Klassenfeind, der weder durch ein Handelsembargo Auf diesem US-amerikanischen Portal werden die Vor- und Nachteile des US-Handelsembargos gegen Kuba aus amerikanischer Sicht gegenübergestellt. noch durch die CIA Fidel Castro hat es Dank der CIA ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft: 638 Mordanschläge soll er insgesamt überlebt haben, zum Beispiel mittels vergifteter Zigarren oder Sprengstoff in einem Baseball. kleinzukriegen war. »Heute ändern die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Beziehung zum kubanischen Volk« – so leitete Obama Ende 2014 die Rede zu einem Paradigmenwechsel ein, den er selbst als den Obamas Kuba-Rede im Wortlaut auf Zeit Online »wohl bedeutsamsten Wandel der letzten 50 Jahre« in der US-Politik bezeichnete.

Es lässt sich noch nicht sicher sagen, inwiefern diese Entwicklung der dauerschwachen Wirtschaft Kubas zu notwendigem Wachstum verhilft (vom Tourismus, insbesondere aus den USA einmal abgesehen). Sicher ist aber zumindest eines: Auch ein Konflikt, der schon über ein halbes Jahrhundert dauert, lässt sich lösen. Ein kräftiges Signal dafür, trotz aller Schwierigkeiten weiter diplomatisch Hier schreibt Frederik v. Paepcke über die Bedeutung des Völkerrechts für die Verständigung zwischen den Völkern der Welt zu werben. Es ist nie zu spät!

Die anonyme Internet-Polizei räumt auf – David Ehl

Das ganze Internet ist voller Fake News. Das ganze Internet? Nein! Eine von unbeugsamen Galliern moderierte Facebook-Seite hört nicht auf, Richtigstellungen zu posten. Kurzer Rückblick: 2008, Finanzkrise. Unzählige Anleger verlieren ihre Ersparnisse, während sich die Verantwortlichen davonstehlen. Die Geburtsstunde der linken, antikapitalistischen »Anonymous«-Bewegung, die durch zielgerichtete Aktionen Die Bewegung hat zuletzt Bekanntheit erlangt, als sie im Nachgang der Anschläge von Paris im Januar 2015 dem sogenannten IS den Krieg erklärte. auf sich aufmerksam machte und die Sympathien vieler Bürger erlangte.

Dem deutschen Ableger »Anonymous.Kollektiv« passierte jedoch das, was einem nicht-hierarchischen, anonymen Netzwerk jederzeit droht: Es wurde gekapert. Im Jahr 2015, als so viele Geflüchtete wie nie zuvor nach Deutschland kamen, Spiegel Online über die Verbindung von Rönsch zu Anonymous.Kollektiv hatten längst Rechtsradikale die Seite unter ihre Kontrolle gebracht – wie offenbar Mario Rönsch, der wiederum mit dem Pegida-nahen »Compact«-Magazin in Kontakt gebracht wurde. Alles, was mit Personalien und Querverbindung zu tun hat, ist dabei deutlich komplizierter. Den Versuch, die Story zu rekonstruieren, unternimmt das österreichische Blog Mimikama. Sie nutzten sie für xenophobe, populistische Propaganda und erreichten damit mühelos ein Millionenpublikum. In seiner Hochphase zählte Anonymous.Kollektiv über 2 Millionen Likes – wobei anzunehmen ist, dass darunter auch gekaufte Likes von Trollfabriken waren.

Im Mai 2015 wollte ein junger Erwachsener dabei nicht länger zusehen. Er holte sich Unterstützung, im Frühjahr 2016 war das Team bereits zu zehnt. Ich habe für eine Recherche im Frühjahr mit einem von ihnen ein Hintergrundgespräch geführt. In bester Anonymous-Tradition kennen sie sich nicht persönlich und kommunizieren über Pseudonyme miteinander. Sie begannen, die Posts auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen und posteten Richtigstellungen. Auf der Facebook-Seite »We Watch Fake Anonymous« zerlegten sie den Populismus der falschen Anonymous-Seite. Dank ihrer Arbeit gibt es die Facebook-Seite des Anonymous-Kollektivs heute nicht mehr. Sie haben gezeigt, dass auch im Internet immer mehr Menschen genau hinschauen und die Stimme erheben.

Dem Diesel geht der Sprit aus – Peter Dörrie

Für Verbrennungsmotoren war 2016 kein besonders gutes Jahr – umso mehr Grund zur Freude haben unsere Lungen. Denn sowohl politisch als auch technologisch wurden dieses Jahr die Weichen gestellt, um schmutzige Dieselautos zeitnah durch saubere Elektroautos zu ersetzen. Tesla verkauft in den USA inzwischen mehr Luxus-Limousinen als Mercedes und BMW zusammen (englisch) Auf der technischen Seite haben Firmen wie der US-amerikanische Autohersteller Tesla das Elektroauto begehrenswert gemacht. Durch sinkende Batteriepreise sollen sich bald auch Normalverdiener Elektroautos leisten können, die Benzinern in nichts nachstehen. Das 2016 angekündigte »Model 3«, ebenfalls von Tesla, wird für 35.000 US-Dollar in den Verkauf gehen. Der VW-Abgasskandal hat zudem den Mythos des »sauberen« Diesels endgültig beerdigt.

Mexiko, Paris, Madrid und Athen: Die vier Metropolen wollen gleichzeitig Elektromobilität vorantreiben Weltstädte, die auch deshalb ab 2025 Diesel-Fahrzeuge komplett aus dem Straßenverkehr verbannen. Ähnliche Entschlüsse könnten schon bald in vielen deutschen Städten fallen, denn die Deutsche Umwelthilfe Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist eine klageberechtigte Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation und kann somit Verbandsklagen einreichen. Darunter auch die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf verklagt gerade eine ganze Reihe von Stadtverwaltungen auf die Einhaltung der EU-Schadstoff-Obergrenzen. Ohne eine Einschränkung des Straßenverkehrs und besonders der Diesel-Motoren wird das kaum zu schaffen sein.

Und wer daran zweifelt, dass die letzte Stunde des Verbrennungsmotors geschlagen hat, dem sei ein Blick nach China empfohlen: Die F.A.Z. über Details des chinesischen Gesetzentwurfs Auf dem wichtigsten Markt für Automobile wird es vermutlich schon ab 2018 eine Quote für Elektroautos geben. Die beiden Länder sind derzeit Vorreiter in der Elektromobilität (englisch) Ab 2025 sollen in Norwegen und den Niederlanden gar nur noch Stromer verkauft werden. Während die deutsche Bundesregierung noch zögert, Konkrete Pläne zum Verbot von neuen Verbrennungsmotoren auf deutschen Straßen gibt es bislang nicht. Der Bundesrat hat vor Kurzem 2030 als mögliche Frist vorgeschlagen. wird das auch den letzten Autohersteller zwingen, endlich ernsthaft in Alternativen zu fossilen Brennstoffen zu investieren. Einmal tief durchatmen!

Ich bin dann mal schwarz/rot/grün – Felix Austen

Die Irrungen und Wirrungen des Jahres 2016 haben uns politischer gemacht. Davon bin ich überzeugt. Ich beobachte das unter Freunden, Kollegen und Fremden: Es wird wieder mehr über Politik gesprochen. Ich sehe mehr Mut, wichtige, grundsätzliche Fragen zu stellen. Wir merken, dass es an uns ist, die Stimme zu erheben, wenn es kein anderer macht.

Ein paar Zahlen, die meine These bestätigen: Bei allen Landtagswahlen 2016 stieg die Wahlbeteiligung. SPD, Grüne und Linke verzeichneten allesamt Anstiege bei der Anzahl neuer Mitglieder, Spiegel Online berichtet über den Mitgliederzuwachs in Deutschen Parteien nach der US-Wahl nachdem Trump gewonnen hatte. Die britische Labour-Partei gewann nach dem Hier schreibt unser Gastautor Oliver Imhof über die Herausforderungen und Aussichten für Großbritannien nach dem Brexit-Votum Brexit-Votum sogar 15.000 neue Parteimitglieder. Auch die Erfolge der AfD lassen sich als einen Erfolg der Demokratie lesen: Viele Menschen, die das zuvor nicht taten, fühlen sich wieder von einer Partei vertreten.

Auch ich bin 2016 in eine Partei eingetreten. Wie viele Menschen auf der ganzen Welt, hat auch mich die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten mit offenem Mund vor dem Bildschirm zurückgelassen. Aus den vielen Fragezeichen – Was passiert da mit unserer Demokratie? Was haben wir falsch gemacht? Was können wir tun? – hat sich für mich ein deutliches Ausrufezeichen herausgeschält: Wir müssen etwas tun! Aktiv werden! Mit diesem Gefühl bin ich nicht allein – ein gutes Zeichen, wie ich finde.

Wenn China Donald Trump die Welt erklärt – Han Langeslag

Bloomberg berichtet über die Pressekonferenz der chinesischen Delegation in Marrakesch (englisch, 2016) »Mit Blick auf die Geschichte der Klimaverhandlungen stellen wir fest, dass diese tatsächlich mit Unterstützung der Republikaner unter Bush Senior und Reagan Ende der 80er begannen«, sagte Liu Zhenim, stellvertretender chinesischer Außenminister, während der Bei PD schrieben wir, warum die Konferenz in Marrakesch wichtig ist für Maßnahmen gegen den Klimawandel Klimaverhandlungen in Marrakesch im November dieses Jahres. Er reagiert damit auf einen Tweet von Donald Trump aus dem Jahr 2012:

Auch wenn Trump seitdem mehrfach gesagt hat, der Tweet sei ein Witz gewesen, ist seine Position beim Thema Klimawandel unklar. Egal, ob er an die wissenschaftliche Realität »glaubt« oder nicht: Seine Aussagen über eine Trumps Pläne für Energiepolitik im Vergleich zu denen von Clinton (englisch, 2016) klimaneutrale Energieversorgung und die Übersicht der Standpunkte zum Klimawandel, die Trumps zukünftiges Team vertritt (englisch, 2016) jüngste Auswahl seiner Kabinettsmitglieder zeigen, dass ihm das Klima sonst wo vorbeigeht.

Zum Vergleich: Obama traf bereits 2014 im Vorlauf zum Pariser Klima-Deal Pressemitteilung vom Weißen Haus im Jahr 2014 (englisch) eine bilaterale Übereinkunft zwischen China und den USA für strenge Klimaziele. Die chinesischen Vertreter bekannten sich in Marrakesch zum Deal – egal, was die USA jetzt machen.

China zeigt so als weltgrößter Emittent von CO2, dass es mehr Interesse an einer sicheren Zukunft für die Menschheit hat als der frisch gewählte US-Präsident. Auch wenn die weltweit geplanten Klimamaßnahmen noch lange nicht ausreichen, um mit hoher Wahrscheinlichkeit das 2-Grad-Limit einzuhalten, Grafik, die die Lücke zeigt zwischen allen geplanten Maßnahmen weltweit und den CO2-Emissionspfaden, die zu 2° Celsius führen (englisch) ist die chinesische Position ein Zeichen. Eines der Hoffnung, dass der Rest der Welt weiter an einer lebenswerten Zukunft arbeitet – egal, was »The Donald« für die nächsten 4 Jahre vorhat.

»Nein heißt Nein«, jetzt auch im Libanon – Juliane Metzker

Als der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri Saad Hariri ist seit Dezember Ministerpräsident des Libanons wie sein Vater Rafiq Hariri 13 Jahre zuvor. Am 14. Februar 2005 wurde auf Rafiq Hariris Konvoi in Beirut ein Bombenanschlag verübt. Er und 22 weitere Menschen kamen ums Leben. Seitdem hielt sich sein Sohn Saad Hariri größtenteils in Saudi-Arabien auf, bis er 2015 wieder in den Libanon zurückkehrte und unter dem neugewählten Präsidenten Michel Aoun zum Ministerpräsidenten aufstieg. am Morgen des 7. Dezembers aus dem Fenster schaute, dürfte er nicht schlecht gestaunt haben. Vor seinem Regierungssitz in Beirut hatten sich Dutzende Frauen schweigend in weißen Brautkleidern versammelt, Tüll, Handschuhe und Schleier Hier gibt es mehr Informationen zu dem Protest und seinen Hintergründen (englisch, 2016) mit Kunstblut beschmiert. »Ein weißes Kleid bedeckt keine Vergewaltigung«, stand auf Arabisch auf ihren Plakaten.

Ihr Protest richtete sich gegen Artikel 522 im Strafgesetzbuch des Libanons: Wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt, kann er sie heiraten und entgeht so einem Strafverfahren. Der Artikel stammt aus den 1940er-Jahren. Laut libanesischem Gesetz kann eine Vergewaltigung mit bis zu 7 Jahren Gefängnisstrafe geahndet werden. Es liegt aber laut Zusatz kein Strafbestand vor, wenn Opfer und Täter heiraten.

Wie viele Frauen im Libanon bereits ihren Peiniger ehelichen mussten, sei nicht statistisch erfasst. Das sagt die Nichtregierungsorganisation Hier geht es zur Internetseite der Nichtregierungs-organisation ABAAD ABAAD, die sich in Nahost und Nordafrika um misshandelte Frauen kümmert. Sie rief zu dem Protest in Beirut auf und hatte Erfolg damit: Eine Kommission prüft nun die Abschaffung von »522«. »Der politische Kurswechsel ist wichtig. Wir müssen aber auch für ein gesellschaftliches Bewusstsein arbeiten, um Geschlechtergleichstellung im Libanon weiter zu fördern«, sagt Saja Michael von ABAAD.

Der Protest ist Teil einer erstarkenden Frauenbewegung im Libanon, die ihre Stimme für mehr Gleichberechtigung erhebt. Libanesische Frauenrechtlerinnen Interview mit der libanesischen Frauenrechtlerin Hayad Mirshad fordern noch mehr Zusammenhalt der verschiedenen Organisationen, damit künftig ähnlich diskriminierende Gesetze gekippt werden können. Zum Beispiel das Gesetz, dass Libanesinnen ihre Nationalität nicht an ihre Kinder weitergeben können, Artikel über das Gesetz, durch das Libanesinnen nichts weiter als Töchter libanesischer Väter sind (englisch, 2016) sollte der Vater ausländischer Herkunft sein.

Zu schön, um wahr zu sein? Yes, Men! – Maren Urner

Shell hat eingesehen: Nach Öl zu bohren, muss ein Ende haben. Der Chemie-Riese Dow Chemical Dow Chemical ist neben BASF einer der größten Chemiekonzerne der Welt. Erst im letzten Jahr fusionierte das US-Unternehmen mit der konkurrierenden Firma DuPont. Der Konzern steht regelmäßig in der Kritik wegen Umweltzerstörung und unzureichender Entschädigung von Opfern aus dem bisher größten Industrieunfall der Geschichte (Bhopalunglück). zahlt Entschädigungen in Höhe von 12 Milliarden US-Dollar an indische Familien – pünktlich zum 20. Jahrestag der größten Giftgas-Katastrophe der Geschichte.

Das ist natürlich Quatsch. Wer das Aktivisten-Duo »The Yes Men« kennt, weiß, dass Jacques Servin und Igor Vamos eine blühende Fantasie haben. Sie geben sich häufig als Vertreter großer Unternehmen aus und verkünden in deren Namen Reue, Wiedergutmachungen und Rückzahlungen. Zum 20. Jahrestag der Giftgas-Katastrophe von Bhopal trat Andy Bichlbaum im britischen Fernsehen (BBC) vor einem Millionen-Publikum als Vertreter des verantwortlichen Unternehmens Dow Chemical auf und verkündete, dass das Unternehmen »endlich« Verantwortung übernehme und 12 Milliarden US-Dollar an die betroffenen Familien auszahlen würde. Bis zur Aufklärung der »Ente« dauerte es nicht lange – aber bis dahin war der Wert von Dow Chemical an der Börse bereits um ca. 2 Milliarden Dollar gesunken.

Dabei geht es nicht um schnelle Lacher, sondern um die großen Herausforderungen unserer Zeit: Klimawandel, Ungerechtigkeit und Menschenrechte. Besonders ist mir folgende Aktion in Erinnerung geblieben: Gemeinsam mit einem Team aus Unterstützern druckten die beiden vor einigen Jahren 100.000 Kopien einer Hier geht es zur digitalen Version der »Yes Men-New York Times« (englisch) »alternativen« New York Times. Das Besondere: Die Zeitung ist 6 Monate in die Zukunft datiert. »Gesetz zu Maximallohn verabschiedet«, »Irak-Krieg beendet«, »Die Vereinten Nationen stimmen einstimmig für ein Waffenverbot«, so lauten 3 der Überschriften.

Die Reaktionen, die das Kamerateam in der morgendlichen Rush-Hour einfängt, bewegen nicht nur die beiden Aktivisten. Eine junge Frau sagt: »Es ist zu schön, um wahr zu sein. – Aber es ist nicht unmöglich.« Eine andere: »Es ist, als ob du aufwachst und all die Dinge, die du dir immer gewünscht hast, stehen in der Zeitung.«

Der Funken der Yes Men ist übergesprungen: Lasst uns dafür sorgen, dass diese Überschriften wahr werden!

Was hat das mit 2016 zu tun? 2014 Der Film feierte 2014 beim Internationalen Film-Festival in Toronto Premiere, kam aber erst 2015 in die Kinos. haben die Yes Men ihre 3. Dokumentation herausgebracht: »Die Yes Men – Jetzt wird’s persönlich«. Ich habe sie erst 2016 gesehen.

Learning by Laughing – Dirk Walbrühl

Seit bald 3 Jahren erklärt John Oliver jeden Montag in seiner Sendung Last Week Tonight, Der vollständige Titel lautet Last Week Tonight with John Oliver. Die Show wird seit dem 27. April 2014 auf dem US-amerikanischen Pay-TV-Kanal HBO ausgestrahlt und findet auch als Web-Serie den Weg auf YouTube. Die im US-Wahlkampf veröffentlichte Folge über Donald Trump wurde inzwischen von über 31 Millionen Zuschauern angeklickt. dem amerikanischen und internationalen Publikum die Absurditäten unserer Welt – mit harten Fakten und einer großen Prise Selbstironie. 2016 wurde ich vom Zuschauer zum echten Fan. Im Jahr, in dem Diese ZEIT-Reportage spürt einer Quelle von Falschmeldungen nach »Fake-News« zum Thema wurden und Medien selbst immer mehr ins Fadenkreuz von Populisten geraten sind, beeindruckte mich John Oliver weniger mit Unterhaltung, als mit richtig gutem Journalismus. So seziert der gebürtige Brite etwa souverän die Last Week Tonight – Brexit (englisch, 2016) Absurditäten des Brexits oder die unmöglichen Wahlversprechen von Last Week Tonight – Donald Trump (englisch, 2016) Donald Trump.

Irgendwo zwischen Satire, Kommentar und Wochen-Nachrichten greift die Show oft Themen auf, die sonst wenig Aufmerksamkeit erhalten – und wenn, dann nicht in der Tiefe. Wie gut – oder schlecht – sind zum Beispiel die Last Week Tonight – 911 (englisch, 2016) 911-Notruf-Zentren ausgestattet? Langweilig? Nicht bei Last Week Tonight: Gründlich recherchierte Fakten und Einordnungen sind auf über Dieser Variety-Artikel erklärt im Detail, wie ungewöhnlich das Format ist (englisch, 2014) 15 unterhaltsame Minuten verteilt. Während traditionelle Medien sich den Kopf über schrumpfende Aufmerksamkeitspannen der Zuschauer zerbrechen, gelingt der Show ein Kunststück, das wenig erfolgreiche Nachahmer kennt.

Vielleicht liegt ein Teil des Erfolgs von Last Week Tonight auch in der Herangehensweise: John Oliver endet nicht bei der Problembeschreibung, sondern stellt häufig konkrete Handlungsoptionen vor. Wenn es nach mir ginge, könnten sich deutsche Formate gern eine große Schreibe davon abschneiden.

Mit Illustrationen von Lucia Zamolo für Perspective Daily

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