Warum Imkerei nicht gegen das Bienensterben hilft

Lange dachten Biolog:innen, es gäbe in Deutschland keine wilden Honigbienen mehr. Jetzt ist klar: Es gibt sie doch. Artenschützer:innen stellt das vor neue Herausforderungen. Wie du helfen kannst

21. April 2021 –  11 Minuten

Ich sitze im Wald und halte kurz den Atem an. Um mich herum zwitschert es. Es sind 17 Grad, die Sonne scheint durch die noch blattlosen Baumkronen. Wenn Realität kitschig sein kann, ist sie es jetzt. Bienen quellen aus dem Flugloch ihrer Behausung, ein bisschen wie überkochende Milch aus einem Kochtopf. Sie brechen auf, um den ersten Nektar nach dem Winter zu sammeln.

Vor 2 Jahren habe ich einen Imkerkurs gemacht. Damit stehe ich nicht allein da. In Deutschland gibt es laut Deutschem Imkerbund etwa 140.000 Imker:innen, zusammen haben sie mehr als 900.000 Völker. Weniger als 1% imkern hauptberuflich, fast alle Bienenhalter:innen sind also Hobbyhonigerzeuger:innen. Frauen machen etwa 20% der Imkerschaft aus. Ich war wissbegierig, aber schnell machte sich Ernüchterung breit. Bald ging es um technische Einzelheiten im Umgang mit den Tieren, der nicht so sanft war, wie ich gehofft hatte: Wir lernten Parasitenbekämpfung mit Säuren und wie wir Brutzellen herausschneiden und beseitigen, in denen männliche Bienen, die Drohnen, heranwachsen. Vorkehrungen, um die Varroamilbe in Schach zu halten, die ansonsten Bienenvölker schwächt und umbringt.

Ich verstand, dass das in der Imkerlogik so sein musste, es ist ein geschlossenes System, das aus ihrer Sicht funktioniert. Aber ich wollte etwas ganz anderes, nämlich etwas gegen das Bienensterben tun und ansonsten vor dem Flugloch sitzen und mich freuen. Klar, vielleicht auch ein paar Gläser Honig abzwacken, aber Geld damit zu verdienen war nicht mein Ziel.

In dieser Ernüchterung fragte ich mich, ob es überhaupt möglich ist, Bienen zu halten, ohne gleich so stark in das Ökosystem einzugreifen. Selbst Bioimker:innen arbeiten in dieser Hinsicht kaum anders als konventionelle. Die Varroabehandlung gibt es auch unter Bio- oder Demeterimker:innen. Sie ist gemäß Bienenseuchenverordnung für Bienenhalter:innen verpflichtend. Abgesehen von der Behandlung mit Ameisen- oder Oxalsäure erproben alternativere Imker:innen die Methode der sogenannten »Bienensauna«. Das ist ein Gerät, das es sich zunutze macht, dass die Varroamilbe weniger Hitze verträgt als die Bienen. Werden also Bienen und Varroen darin erhitzt, sterben die Milben, aber nicht die Bienen. Und ist das alles eigentlich der richtige Weg, um Bienen zu schützen? Geht das: Imkerei gegen das Bienensterben?

Imkerei ist Massentierhaltung. Wie konnte das passieren?

Bei Youtube begegnet mir eher zufällig Hier findest du das Video von Postillon24 (2016)ein Video des Satiremagazins Postillon. Menschen stehen darin auf der Straße und schwenken Plakate, sie schreien ihre Wut gegen Massentierhaltung heraus. Hier geht es aber nicht um Schweine, Rinder oder Hühner, sondern um Bienen. Die Boxen seien zu eng, heißt es, besser wäre die Kleingruppenhaltung von 5–8 Bienen pro Stock. Klar, ein Scherz. Denn Honig aus Massentierhaltung – das klingt absurd, selbst für Tierschützer:innen, die gegen Legebatterien und für mehr Platz in Schweineboxen streiten. Bienen wohnen zu Zehntausenden zusammen. Massentierhaltung ist da nicht zu vermeiden, es gehört schließlich zum Wesen der Bienen, beengt zusammenzuleben.

Torben Schiffer

Der Biologe hat sich bereits in seinem Studium mit der Symbiose von Bienen und dem Bücherskorpion beschäftigt. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Würzburg und hat die Lebensbedingungen von wildlebenden Bienen untersucht. Schiffer lebt in der Nähe von Hamburg und hat 2020 das Buch »Evolution der Bienenhaltung: Artenschutz für Honigbienen« veröffentlicht.

Bildquelle: privat

Und trotzdem ist da etwas dran, sagt mir Bienenforscher und Aktivist Torben Schiffer am Telefon. Er hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Würzburg die natürlichen Lebensbedingungen von Bienen untersucht. »Imkerei ist Intensivtierhaltung«, sagt er mit Überzeugung. Bienen bevorzugen in der Natur Baumhöhlen mit einem Volumen von etwa 40 Litern und meiden zu große Höhlen, sagt er. Es existiert ein natürliches Limit für die Größe des wilden Bienenvolkes und für die Menge des Honigs, die ein Volk braucht. In der konventionellen Imkerei wird dieses Limit aber nach oben verschoben. »Viele Probleme werden durch eine nicht artgerechte Haltung der Bienen von Imkern selbst erzeugt. Wenn Bienen nur mit Chemikalien und ständiger Behandlung überleben können, dann ist etwas falsch an der Art der Haltung«, sagt Schiffer.

Die Bienenkästen, Imker:innen nennen sie »Magazinbeuten«, seien für die Tiere viel zu groß. Im Sommer erweitern die Bienenhalter:innen sie auf bis zu 200 Liter Fassungsvermögen, indem sie immer neue Kästen aufsetzen, die sogenannten »Honigräume«. »Wenn man Bienen immer mehr Platz gibt, dann lagern sie auch automatisch immer mehr Honig ein«, sagt Schiffer. Wilde Bienen kennen aber auch immer wieder Zeiträume, in denen ihre Baumhöhle voller Honig ist und sie nicht herausfliegen müssen, um Nektar zu sammeln. Dies ist die Zeit, in der sie sich gegenseitig putzen und Eindringlinge wie die Varroamilbe bekämpfen können. Schiffer konnte zeigen, Hier findest du einen Film über die Suche nach einer varroaresistenten Biene am Nil und in Norddeutschland (2020)dass Bienen die Milben dann regelrecht zerbeißen.


Die Bienenkästen, Imker:innen nennen sie »Magazinbeuten«

Die Bienen bauen ihre Waben in solche Holzrähmchen, die Imker:innen ihnen in den Bau hängen. Das ist praktisch für den Menschen, für die Bienen hat das Nachteile. Sie kommunizieren auch über Klopfgeräusche, die ein Holzrahmen unterbricht

Ohne Rahmen können die Waben die Vibrationen weitergeben

Unter dem Druck, immer mehr Honig sammeln zu müssen, können sich Bienen nicht ausreichend pflegen und werden damit anfällig für Krankheiten. In der Nachkriegszeit haben Imker:innen jährlich 10–15 Kilogramm Honig pro Volk geerntet, Hier formuliert Torben Schiffer seine Einwände gegen die intensive Imkerei (2021, PDF)inzwischen sind es bis zu 60 Kilogramm. Im Winter werden die menschengemachten Magazinbeuten zum Problem, weil sie zu groß, die Wände zu dünn und nicht atmungsaktiv sind. Die Bienen ziehen sich dann zu einem runden Gebilde, der sogenannten »Traube« zusammen, um sich warm zu halten. Die Wärme reicht aber nicht bis in die letzten Winkel des eckigen Kastens. Es beginnt zu schimmeln, ein zusätzliches Einfallstor für Erkrankungen der Bienen – Probleme, die die Insekten in der Natur nicht kennen.

Von wilden Honigbienen in den USA, Brasilien oder Asien habe ich gehört. Aber hier bei uns? Lange haben Wissenschaftler:innen angenommen, es gäbe sie in Deutschland nicht mehr. Die Hoffnungen auf Arterhaltung ruhten also allein auf den Imker:innen, die aber – wie andere Landwirt:innen auch – ein Interesse daran haben, dass die Bienen möglichst viel Honig produzieren. Forschung findet deswegen in Deutschland meist in landwirtschaftlich orientierten Instituten statt.

Bienen werden mit dem Ziel erforscht und gezüchtet, mehr Honig zu sammeln und weniger zu stechen. Für die natürlichen Anpassungsmöglichkeiten ist das aber problematisch. Imkerbienen sind als Zuchttiere vom natürlichen Selektionsprozess ausgeschlossen. Imker:innen erlauben Bienen meist nicht zu schwärmen. Völker sollen möglichst lange existieren und möglichst groß sein. Deswegen setzen Imker:innen etwa alle 2–3 Jahre neue Zuchtköniginnen in das Volk ein. Die alte Königin ist nicht mehr so produktiv wie eine junge und wird getötet. Felix Austen darüber, wie Züchter:innen versuchen, varroaresistente Bienen zu züchtenSchafft es also kein:e Züchter:in, varroaresistente Bienen zu erzeugen, muss eine chemische oder technische Hilfe her. Bisher galten Imker:innen als letzte Bastion im Kampf gegen das Bienensterben –ohne sie keine Biene, ohne Biene keine Bestäubung. Diese Ansicht ist zumindest stark vereinfacht, denn auch Hunderte andere Insekten, darunter viele Wildbienen, wie etwa Hummeln, bestäuben ebenfalls Blüten auf Feldern und Obstwiesen. Teilweise stehen sie mit Honigbienen in Nahrungskonkurrenz.

Vor wenigen Jahren gab es dann aber eine wichtige Entdeckung: Wilde Honigbienen in Deutschland gibt es tatsächlich noch.

Wilde Honigbienen gibt es doch – und viele kleine Helferchen

Hier findest du einen Artikel über die Forschungsarbeit von Patrick Laurenz Kohl und Benjamin RutschmannZwei Biologen spürten sie in Baumhöhlen alter Buchen in den Waldgebieten Thüringens und der schwäbischen Alb auf. Nach ihrer Schätzung dürften tausende frei lebende Bienenvölker in Deutschland existieren - überall dort, wo Bäume alt genug werden dürfen und viele Schwarzspechte leben.

Und noch etwas kennen Wissenschaftler:innen dank der Erforschung wilder Bienen in anderen Ländern: Die Tiere haben unzählige winzig kleine Helferchen, die Bienen in Imkerkästen nicht haben und die wilden Bienen helfen, gesund zu bleiben.

Jürgen Tautz

Der Soziobiologe und Verhaltensforscher ist Professor im Ruhestand am Biozentrum der Universität Würzburg. Er leitet zurzeit das Projekt »we4bee«, das mit High-Tech-Sensorik den Einfluss von Umweltereignissen auf Honigbienen untersucht. In seinem neuen Buch »Die Sprache der Bienen« fasst Jürgen Tautz seine Erkenntnisse aus 25 Jahren Forschung zur Kommunikation der Bienen zusammen.

Bildquelle: IngoArndt123

Jürgen Tautz ist Biologe, Professor im Ruhestand und einer der wichtigsten Bienenforscher Deutschlands. Er hat die Tiere seit etwa 25 Jahren erforscht und viele Bücher über sie geschrieben. Tautz ist auch Experte für die Kommunikation der Honigbienen. Dazu hat er nun das Buch »Die Sprache der Bienen« veröffentlicht. Er war der Erste, der daran gezweifelt hat, dass der sogenannte »Schwänzeltanz« tatsächlich so exakt Nektarquellen beschreibt wie lange angenommen. Tatsächlich kommunizieren die Bienen seiner Ansicht nach auch außerhalb des Bienenstocks, im Flug, über Gerüche und andere Reize, um anderen Bienen die besten Blüten zu zeigen. So seien sie ständig in Verbindung, wie Menschen über Messengerdienste. Ich rufe ihn an. Er kennt den Helferclub der wilden Bienen. »In der Regel sind es alte Spechthöhlen oder ausgefaulte Bäume, in denen ein Miniökosystem existiert. Da gibt es auch viele Bienennützlinge. Es existieren verschiedene Organismen darin, von Bücherskorpionen Bücherskorpione sind wenige Millimeter kleine Pseudoskorpione. Sie gehören zu den Spinnentieren und leben in der freien Natur in Symbiose mit Bienen. Torben Schiffer hat festgestellt, dass das feuchte Klima und die glatten Wände der klassischen Imkerbeuten dem Bücherskorpion keine Ansiedelungsbedingungen bieten. Er liebt es trocken und braucht Orte, um sich zu verstecken. Torben Schiffer hat außerdem herausgefunden, dass der Bücherskorpion Varroamilben frisst und somit den Bienen hilft, gesund zu bleiben. bis hin zu Bakterien. Da gibt es ein paar Hundert verschiedene Arten, die noch nicht erforscht sind. Mit ihnen koexistieren die Bienen nicht nur, sondern sie helfen den Bienen.«

Zusätzlich haben die Bienen in der freien Wildbahn die Möglichkeit, sich im Zuge natürlicher Selektionsprozesse anzupassen. Sind Völker nicht widerstandsfähig genug, sterben sie. Es überleben nur die besser angepassten. Das klingt brutal, hat aber ein wichtiges Ergebnis: eine Biene, die Parasiten wie der Varroamilbe trotzen kann. »Der Imker bemüht sich ja, alle Völker am Leben zu erhalten, egal wie gut es denen geht, auch genetisch. Aber da wird vieles mitgeschleppt, was in der Natur keine Überlebenschance hätte«, sagt Jürgen Tautz.

Die wilden Bienen zu schützen ist deswegen so wichtig, weil hier ein Genschatz lagert, auf den Menschen vielleicht eines Tages einmal zurückgreifen müssen, wenn sie mit ihrer Zucht nicht weiterkommen. »Wir Menschen sehen ja immer nur einzelne isolierte Probleme und erkennen bei unseren Zuchten nicht die gesamte Komplexität und mögliche neue Probleme, die wir dadurch erschaffen könnten«, sagt Tautz.

Torben Schiffer hängt seine Nisthilfen in etwa 4 Meter Höhe auf. Auch die Höhe der Höhle hat einen Einfluss auf die Bienengesundheit – Quelle: Torben Schiffer copyright

Torben Schiffer, der mit seinem Beenature-Projekt auch Imkerbienen wieder auswildern will, hat zum Beispiel beobachtet, dass manche gezüchteten Bienen Teile ihrer typischen Fähigkeiten verlieren. »Es gibt Völker, die können in den Rähmchen ihre Waben bauen, aber wenn sie in einem Baumstamm frei Waben bauen sollen, wissen manche nicht mehr, wie das geht.«

Bienen helfen – so geht es!

Was für ein Bienenhelfertyp du bist, findest du hier herausViele Neuimker:innen wollen den Bienen einfach etwas Gutes tun – wie ich auch. »Diesen Menschen müssen wir ein Angebot machen. In den konventionellen Imkerkursen lernen sie, dass es nur diesen einen Weg gibt: den der Intensivtierhaltung«, sagt Torben Schiffer. Er hat die Imkerei zwar noch konventionell erlernt, sie aber aufgegeben, um die wilden Honigbienen zu unterstützen. Hier findest du mehr Informationen zu den Kursen in artgerechter BienenerhaltungDafür hat er sogar einen Kurs entwickelt.

Bienenschutz hat viele Facetten. Ein großes Problem für die Tiere ist, dass fast alle Wälder in Deutschland bewirtschaftet werden. Nach ein paar Jahrzehnten fällen Förster:innen die Bäume – Stämme mit alten Höhlen, wie Spechte sie hinterlassen, gibt es deswegen kaum noch. Auch die Pflanzenvielfalt sei geringer als in unberührten Wäldern, sagt Jürgen Tautz. »Mit den Bienen und den Wäldern kommen 2 Megathemen zusammen. Wenn wir Teile von Wäldern wieder sich selbst überlassen, dann bekommen wir artenreiche Wälder, in denen sich alle möglichen Lebewesen ansiedeln und miteinander und mit den Pflanzen interagieren. Die Bienen gehören dann als wichtiges Lebewesen dazu.«

Bis es so weit ist, hält Torben Schiffer eine Baumhöhlensimulation bereit, den »Schiffer-Tree«, deren Baupläne er interessierten Werkstätten frei zur Verfügung stellt. Die Nisthilfe sieht aus wie ein zu groß geratenes Vogelhäuschen – und sie funktioniert auch ganz ähnlich. In Bäume gehängt und festgezurrt, können sich Bienenschwärme einnisten und ungestört leben.


In der freien Natur besiedeln Bienen gern solche Baumhöhlen

Ein Schwarm sammelt sich an einem Baum um seine Königin. Von hier werden Späherbienen ausgesandt, die eine geeignete Behausung suchen

Hier zieht ein Schwarm in den Baumhöhlennachbau von Torben Schiffer ein

Bienen suchen sich in der Natur Nistplätze, die 4–5 Meter über dem Boden liegen. Auch die Höhe hat einen Einfluss darauf, wie es ihnen geht. Hier findest du weitere Infos zum Kurs in artgerechter BienenerhaltungDas Wissen dazu vermittelt Schiffer in seinen Kursen. Für den ersten Lehrgang haben sich dieses Jahr bereits 80 Personen angemeldet.

Etwas Ähnliches machen auch andere Bienenfreund:innen in ganz Deutschland: zum Beispiel die Zur Website der BienenbotschaftBienenbotschaft in Hessen. Sie baut »betreute Naturnistplätze«, indem sie Baumstämme aushöhlt und aufstellt. Hier findest du weitere Infos zu den ZeidlernDabei orientieren sich die Bienenhelfer:innen an mittelalterlichen Imkern, den Zeidlern, die Bienen auch in natürlichen und künstlichen Baumhöhlen hielten. In Russland und Polen gibt es kletternde Waldimker:innen, die heute noch so arbeiten.

Während der Recherche zu diesem Text ist mir klar geworden: Es gibt viele Möglichkeiten, wilde (Honig-)Bienen zu unterstützen – konventionelle Imkerei gehört aber eher nicht dazu. Stattdessen können Bienenfans …

Eine Honigbiene (vorne) und 2 sogenannte »solitäre Wildbienen«, die ihre Brut – anders als Honigbienen – allein aufziehen – Quelle: Benjamin Fuchs copyright
  1. … Insektenhotels und andere Nisthilfen aufstellen. Wichtig dafür sind die richtige Umgebung und die richtige Art von Nisthilfe. Hier findest du Tipps zu Wildbienenhotels beim NABUWer die Möglichkeit hat, kann in seinem Garten auch Totholz als Nisthilfe herumliegen lassen.
  2. Lara Malberger darüber, wie du deinen Balkon zum Bienenparadies machstden Garten oder Balkon mit Blüten bepflanzen, die Bienen lieben.
  3. Waldschützer Peter Wohlleben unterhält ein sogenanntes »Urwaldprojekt«, in dem alte Bäume erhalten bleiben sollensich für die Erhaltung und Schaffung unberührter Waldflächen einsetzen.
  4. Diese Doku zeigt dir, wie groß der positive Beitrag der Landwirtschaft sein kann (2020)Landwirtschaft unterstützen, die auf schädliche Pestizide verzichtet. Denn auch Pestizide und weitflächige Monokulturen sind ein großes Problem für die Insekten.

Damit ist meine Anfangsfrage aber noch nicht beantwortet.

Darf ich jetzt noch imkern?

Während Torben Schiffer dem Imkern zur Honiggewinnung völlig abgeschworen hat, sieht Biologe Jürgen Tautz durchaus einen möglichen Mittelweg. Naturschutz und Imkerei müssten sich nicht zwingend ausschließen, findet er. Wichtig sei es, nicht zu viele und zu große Bienenvölker auf einer Stelle zu haben, Jürgen Tautz über Wechselwirkungen zwischen Honig- und Wildbienendamit es nicht zur Nahrungskonkurrenz zwischen Honigbienen und anderen Wildbienen kommt.

Tautz selbst hat lange geimkert, dabei aber wenig Honig entnommen und die Bienen – abgesehen von der in Deutschland vorgeschriebenen Kontrolle der Varroapopulation im Bienenstock – in Ruhe gelassen.

Je größer die Kästen sind, desto ungünstiger für die Bienen

Alternative Bienenstöcke könnten den Imkerbienen zudem Hilfe zur Selbsthilfe leisten, hat Torben Schiffer herausgefunden. Neben seinem Baumhöhlennachbau seien die alten Strohkörbe, die früher vor allem norddeutsche Heideimker:innen benutzt haben, auch ganz gut geeignet. Der Vorteil: Es gibt einen begrenzten und – ganz wichtig – runden Raum. Außerdem isolieren das dicke Stroh und eine Schicht aus getrocknetem Kuhdung gegen Hitze und Kälte und lassen Feuchtigkeit heraus, sodass nichts schimmelt. Auf diese Weise stimmen auch die Bedingungen für andere Helferinsekten, die mit Bienen in Symbiose leben und sich in den Strohwänden einnisten, zum Beispiel der Bücherskorpion. Eine Faustregel ist: Eckige Kästen mit glatten Wänden sind prinzipiell eher schlecht, und je größer sie sind, desto ungünstiger für die Bienen.

Ich habe mich entschieden, einen Mittelweg zu gehen, indem ich kleine, begrenzte Behausungen aus Schilf oder Stroh verwende. Ich möchte nur eingreifen, wenn es gar nicht anders geht, aber Bedingungen schaffen, unter denen sich die Bienen so gut wie möglich selbst helfen können. Vielleicht höhle ich auch ein Stück Baumstamm aus, um die natürlichen Bedingungen möglichst gut nachzuahmen. Und zwischendurch setze ich mich einfach wieder vor das Flugloch, höre dem Summen zu und freue mich.

Titelbild: nca Ackermann - CC0

von Benjamin Fuchs 
Jeder weiß: Unsere Arbeitswelt verändert sich radikal und rasend schnell. Nicht nur bei uns vor der Haustür, sondern auch anderorts. Wie können wir diese Veränderungen positiv gestalten und welche Anreize braucht es dafür? Genau darum geht es Benjamin, der erst Philosophie und Politikwissenschaft studiert hat, dann mehr als 5 Jahre als Journalist in Brasilien lebte und 2018 zurück nach Deutschland gekommen ist. Es gibt viel zu tun – also: An die Arbeit!
Themen:  Nachhaltigkeit  

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