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»Viele wissen nicht einmal, ob Jemen ein Land oder etwas zu Essen ist«

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Juliane Metzker / Interview

»Viele wissen nicht einmal, ob Jemen ein Land oder etwas zu Essen ist«

23. Januar 2017

Natürlich ist Jemen ein Land. Seit 2 Jahren herrscht dort Krieg mit amerikanischer Beteiligung und einer ganzen Generation droht der Hungertod. Höchste Zeit für den Frieden – welche Chancen gibt es?

Farea al-Muslimi ist kein typischer Jemenit. Warum nicht? Weil er im Vergleich zu der Mehrheit seiner Landsleute aus dem Jemen eine Zukunftsperspektive bekam. Schon vor dem Krieg galt der Jemen als das Armenhaus des Nahen Ostens. Armut, Hungersnöte und extreme Wasserknappheit betrafen 2013 über die Hälfte der Bevölkerung. The Borgen Project, eine Nichtregierungsorganisation, die gegen Armut in der Welt vorgehen möchte, hat die Fakten damals zusammengetragen. Er konnte in den USA zur Schule gehen. Seitdem setzt er sich für ein besseres Verständnis zwischen dem Westen und dem Nahen Osten ein. Zum Beispiel indem er vor dem Kongress der Vereinten Nationen spricht. Schaut euch seine 5 Minuten lange Rede unter diesem Einführungstext an (englisch). »Als ich nach Amerika kam, war ich ein Botschafter für den Jemen, als ich zurück in den Jemen ging, wurde ich zum Botschafter der USA.« Um gemeinsam mit jungen Jemeniten neue, politische Perspektiven auf den Nahen Osten zu erarbeiten, gründete er einen Auf der Seite des »Sanaa Zentrum für Strategische Studien« findet ihr aktuelle Studien zu der Situation im Jemen (englisch) ThinkTank. Doch seit dem Ausbruch des jemenitischen Bürgerkriegs 2014 und der Bombardierung durch Saudi-Arabien seit 2015 kann Farea al-Muslimi nicht in seine Heimat zurückkehren. Die anhaltenden Kämpfe im Land und saudische Luftangriffe sind der Grund für die vielen Opfer Mehr als 10.000 Zivilisten kamen seitdem im Jemen ums Leben. Als politischer Analyst arbeitet er jetzt für das Die Schriften und Biografie von Farea al-Muslimi auf der Seite des Carnegie Middle East Center (englisch) Carnegie Middle East Center in Beirut, macht seinen Master und kommentiert die geopolitische Lage im Nahen Osten für internationale Medien wie BBC, CNN, Al-Jazeera – und für uns.


Farea al-Muslimi, 2013 waren Sie der erste Jemenit, der jemals vor dem Kongress der Vereinten Nationen sprach. Das Thema damals: Die zivilen Todesopfer durch amerikanische Drohnen. 4 Jahre später herrscht Krieg im Jemen: Wie geht es den Menschen heute?

Farea al-Muslimi: Oh, ich dachte, ich solle jetzt nur irgendeine trockene und langweilige Analyse abliefern. Aber wenn wir das Ganze aus der Perspektive angehen wollen: 2013 waren im Jemen noch rosige Zeiten. Die »bösen Jungens« waren überschaubar Er spricht hier von der »AQAP« – dem Ableger der al-Qaida im Jemen und auf der arabischen Halbinsel, die seit den 2000er-Jahren eine starke Basis im Jemen hat. und nur ein anderer Staat bombardierte das Land. »Das andere Land« waren damals die USA, die einen Drohnenkrieg gegen Terroristenhochburgen der al-Qaida im Jemen flog. Dabei kamen aber immer wieder unschuldige Zivilisten ums Leben. Der Grund, warum Farea al-Muslimi vor dem Kongress der Vereinten Nationen um den Stopp des Drohnenkriegs bat. Im Vergleich zu heute gab es damals also weniger Probleme. Seitdem hat sich alles verschlechtert: Über 300.000 Kinder sind vom Hungertod bedroht. Vorsicht: drastische Darstellung (englisch) die humanitäre Situation und der politische Konflikt, aus dem eine Kombination aus Bürgerkrieg und einem regionalen Krieg entwuchs. In diesem Krieg sind alle involviert: Sei es die UN, die den Friedensprozess scheitern ließ, die USA, die Saudi-Arabien in der Kriegsführung gegen die Huthi-Rebellen 2014 nahmen die Huthi-Rebellen, eine schiitische, bewaffnete Gruppierung im Jemen, die Hauptstadt Sanaa ein und setzten die jemenitische Regierung ab. Mehr Hintergrundinformationen findet ihr in den Infoblöcken zu »Wer war das noch einmal?« im Jemen-Krieg ein paar Fragen weiter. im Jemen unterstützte, die Huthis selbst, die praktisch durch westliche Waffen überleben.

Warum hören wir dann nur vom Krieg in Syrien und nichts über den Krieg im Jemen?

Farea al-Muslimi: Du lebst in Deutschland, oder? Beantworte mir bitte eine Frage: Wie viele syrische Geflüchtete leben in Deutschland?

Zahlen, Zahlen, Zahlen zu Geflüchteten in Deutschland In den letzten Jahren kamen über 1 Million.

Farea al-Muslimi: Ob die Zahl 800 jemenitischer Geflüchteter so korrekt ist, konnte ich nicht nachprüfen. Dass dennoch wenige aus dem Jemen kommen, lest ihr hier Im Vergleich zu ungefähr 800 jemenitischen Geflüchteten, die es in 5 Booten bis nach Europa und dann nach Deutschland geschafft haben. Das ist wahrscheinlich die beste Antwort auf deine Frage. Je weniger Geflüchtete im Westen ankommen, desto geringer die Aufmerksamkeit für den entsprechenden Krieg. Außerdem gibt es im Jemen nicht wie in Syrien die Theorie von den Guten und den Bösen. Das zieht die Medien weniger an. Hinzu kommt, dass der Jemen ein sehr armes Land ist. In unserem 1. Text hat Han Langeslag die meist blutige Spur von unserem Öl verfolgt Es ist kein ölreiches Land, das von internationalem Interesse ist.
Diese Kombination aus geografisch unglücklicher Lage, Schweigen der Medien, hochkomplizierten Machtverhältnissen und der Tatsache, dass kaum Flüchtlingsboote an den europäischen Küsten ankommen, ist wahrscheinlich der Grund, dass viele Menschen nicht wissen, ob Jemen ein Land oder etwas zu Essen ist.

Dann lass uns die Komplexität des Krieges im Jemen gemeinsam entwirren. Wann hat der Krieg begonnen und wer ist daran beteiligt?

Farea al-Muslimi: Da geht’s schon los: Es kommt darauf an, auf welcher Seite du stehst. Das ändert die Geschichtsschreibung. Bist du eine Huthi oder der ehemalige Präsident Salih, würdest du den Kriegsanfang auf den 5. März 2015 datieren, als Saudi-Arabien begann, Luftangriffe im Jemen zu fliegen. Wenn du Anti-Huthi bist, wäre deine Antwort: Der Krieg hat schon im September 2014 begonnen, als die Huthis die jemenitische Hauptstadt Sanaa eingenommen haben.

»Wer war das noch einmal?«


Hier stelle ich euch die Hauptakteure und den Ablauf des Jemen-Kriegs vor. Wenn euch also beim Lesen des Interviews der Kopf schwirrt und ihr euch fragt: »Wer war das noch einmal und wann ist das passiert?« – scrollt einfach hierhin zurück.

Hussein al-Huthi (Bild) kam 2004 in der jemenitischen Provinz Saada ums Leben. Die Huthis führt jetzt sein Bruder Abdul Malik al-Huthi. Große Teile des Nord-Jemens sind unter seiner Kontrolle. – Quelle: Yemen
Die Huthis:
Die Huthis bildeten sich Ende der 80er-Jahre als eine religiöse Bewegung im Nord-Jemen unter dem Anführer Hussein al-Huthi. Ihre Mitglieder gehören der Minderheit des schiitischen Islams im Jemen, den Zaiditen, an. Seit 2004 kämpften sie gegen den ehemaligen jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih und dessen überwiegend sunnitische Regierung, was 2009 in einem Konflikt und 2012 in einen Bürgerkrieg endete. Am 21. September 2014 nahmen Huthi-Milizen die Hauptstadt Sanaa ein und vertrieben die jemenitische Regierung des neuen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der das Amt 2 Jahre zuvor übernommen hatte. Die Huthis sollen vom Iran unterstützt werden, weshalb immer wieder behauptet wird, der Krieg im Jemen sei ein Stellvertreterkrieg zwischen den Giganten im Nahen Osten: Iran und Saudi-Arabien.

2011 überlebte Salih einen Raketenangriff auf den jemenitischen Präsidentenpalast in Sanaa. Er wurde in Saudi-Arabien behandelt, während Abed Rabbo Mansur Hadi in seiner Abwesenheit die Regierungsgeschäfte übernahm. – Quelle: www.kremlin.ru CC BY-SA
Ali Abdullah Salih:
33 Jahre lang war er der jemenitische Präsident, erst im Nord-Jemen und ab 1990 im geeinten Jemen. Seine Armee kämpfte mehrere Bürgerkriege. 2011, im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings, demonstrierten Tausende Jemeniten gegen ihn. Ihr Vorbild: Der gelungene Sturz des tunesischen Präsidenten kurze Zeit vorher. Im Oktober 2011 forderte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Salih dazu auf, seine Macht abzugeben und im Gegenzug Immunität vor Strafverfolgung zu erhalten. Anfang 2012 übergab das Staatsoberhaupt seinem Stellvertreter Abed Rabbo Mansur Hadi die Präsidentschaft. Doch Salih ist nicht von der Bildfläche verschwunden. Seine loyalen Streitkräfte schlossen sich Mehr Informationen zur formellen Salah-Huthi-Allianz seinen einstigen Erzfeinden, den Huthi-Rebellen, an, um so wieder an die Macht zu kommen. Getreu dem Motto »Der Feind meines Feindes ist mein Freund« kämpfen sie nun gemeinsam gegen die saudische Koalition.

Präsident Hadi – Quelle: Glenn Fawcett
Abed Rabbo Mansur Hadi:
Hadi ist seit der Machtübergabe zwar der international anerkannte Präsident des Jemens, doch ihm fehlt der Zuspruch aus der Bevölkerung und die Loyalität von Teilen der bewaffneten Kräfte. Nachdem er vor den Huthis aus Sanaa fliehen musste, erklärte er die Hafenstadt Aden im Süd-Jemen zur neuen Hauptstadt. Doch auch von dort ergriff er 2015 die Flucht und ging ins Exil nach Saudi-Arabien. Derweil änderte der ehemalige Präsident Salih seine Taktik: Seine loyalen Kräfte schlossen sich mit den Huthis zusammen, um gegen Hadis Regierung und Saudi-Arabien vorzugehen und die Macht zurückzuerobern.

König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud ist der Sohn des Gründers des Königreichs Saudi-Arabien, Abd al-Aziz ibn Saud. Seit dem 23. Januar 2015 ist er der absolutistische König und saudischer Premierminister. Er ist 81 Jahre alt. Im Gegensatz zu seinem verstorbenen Vorgänger König Abdullah führt Salman eine offensivere Politik im Nahen Osten. – Quelle: Secretary of Defense
Saudi-Arabien:
Saudi-Arabien spielt im Jemen-Krieg eine große Rolle. Fangen wir einmal ganz simpel an: Saudi-Arabien hat eine gemeinsame Grenze mit dem Jemen und die ist ziemlich lang; über 1.600 Kilometer. Um diese Grenze vor einem Land im Bürgerkrieg zu sichern, griff das saudische Militär hart ein und fliegt seit März 2015 Luftangriffe auf Huthi-Hochburgen. Dabei kamen immer wieder Zivilisten ums Leben, Die Munition soll aus den USA und Großbritannien kommen auch durch illegale Kriegswaffen wie Streubomben. Außerdem unterstützen die Saudis die jemenitische Regierung von Hadi, der sie Zuflucht in ihrem Land gewehrt haben. Um ihre Vormachtstellung in der Region weiter zu stärken, haben sie eine Koalition aus sunnitischen Golfstaaten um sich versammelt. Das wird geopolitisch als Provokation in Richtung der schiitischen Supermacht in der Region verstanden, dem Iran. Internationale Medien neigen deshalb dazu, den Krieg im Jemen als Stellvertreterkrieg zu bezeichnen und dem lokalen Bürgerkrieg nur wenig Aufmerksamkeit zu schenken.

Trotz breitem Grinsen, das Verhältnis zwischen Obama und König Salman war angespannt. Der Grund hierfür war die Annäherung zwischen dem Iran und den USA hinsichtlich des iranischen Atomprogramms. – Quelle: Pete Souza
USA:
Saudi-Arabien ist ein starker Verbündeter der USA im Nahen Osten. Die Obama-Regierung unterstützt Saudis im Jemen-Krieg mit Präzisionsmunition und militärischer Beratung. Die Zeit hat über den Lieferstopp berichtet Ihre Waffenlieferungen stoppten sie erst vor einem Monat. Grund hierfür sei die Bombardierung einer Beerdigung im Jemen durch die Saudis gewesen, bei der über 140 Menschen ums Leben kamen. Generell ist die Bilanz der Obama-Regierung für den Nahen Osten nicht so rosig: Zum traurigen Jubiläum: Am 16. Mai 2016 wurde Obama offiziell zu dem US-Präsidenten mit den meisten Kriegstagen Während seiner Amtszeit befand sich die USA dort ununterbrochen im Krieg und damit länger als jeder andere US-Präsident zuvor. Perspektivwechsel: Die Obama-Jahre aus arabischer Sicht Obwohl Barack Obama 2009 mit dem Versprechen angetreten war, die amerikanische Kriegsbeteiligung zu beenden. Die Kriegsländer waren Afghanistan (Bodentruppen), Irak, Pakistan, Somalia, Jemen, Libyen und Syrien.

»Das Jemen-Modell: Bitte nicht nachmachen!«

Und wo starten wir?

Farea al-Muslimi: Wer ein bisschen Grips besitzt, weiß, dass der Krieg schon viel früher begonnen hat. Die Ausgangslage war folgende: 2011 gab es gewaltige Demonstrationen gegen den ehemaligen Präsidenten Salih, der es dann schaffte, mit absoluter Immunität das Land und seinen Posten zu verlassen. Die Amnestie war für den scheidenden Präsidenten Salih wie ein Freifahrtschein: Im Gegenzug dafür, dass er sein Amt an den Übergangspräsidenten Hadi abgab, wurde Salih für keines der Verbrechen während der vergangenen Bürgerkriege bestraft. Mehr zu dem Deal bei der Süddeutschen Zeitung. In der Hauptstadt vollzog sich währenddessen Hadi sollte ursprünglich nur als Übergangspräsident für 2 Jahre bis zu Neuwahlen tätig sein ein gebrechlicher politischer Prozess, den ich sogar als trügerisch bezeichnen würde: Der neu eingesetzte Präsident, Abed Rabbo Mansur Hadi, war schwach und auch korrupt. Dennoch wurde der Machttransfer im Jemen international gefeiert. Tatsächlich schlug Obama 2014 vor, ein ähnliches Lösungsmodel für den Irak und Syrien anzusetzen. Das war 2 Monate bevor Sanaa in die Hände der Huthi-Rebellen fiel. Damals schrieb ich einen Artikel mit der Warnung Der Originaltitel seines Artikels: »Die Illusion von Sanaa – Warum Jemen kein Model für den Irak ist« »Das Jemen-Modell: Bitte nicht nachmachen!« – ähnlich wie die verrückten Dinge, die du im Fernsehen siehst, aber nicht zu Hause ausprobieren solltest.

Bis zu welchem Punkt hat das Modell im Jemen funktioniert?

Farea al-Muslimi: Im Juli 2014 passierte etwas, das jeden politischen Prozess – egal ob trügerisch oder nicht – verhinderte. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank gaben eine Empfehlung an den Präsidenten Hadi ab: Warum die Öl-Subventionen gekippt wurden, hatte viele Gründe. Einer der wichtigsten war, dass die Maßnahme den finanziellen Druck auf den jemenitischen Haushalt lockern sollte. Gleichzeitig sicherte der Internationale Währungsfonds Präsident Hadi eine halbe Milliarde Dollar Darlehen bei Umsetzung der Maßnahme zu. Er solle die Öl-Subventionen im Land abschaffen. Zu dem Zeitpunkt gab es schon Heute sind knapp 19 Millionen Menschen im Jemen auf humanitäre Hilfen angewiesen 14 Millionen Jemeniten, die auf humanitäre Hilfe angewiesen waren. Was tust du also? Du verdoppelst den Ölpreis und damit auch die Lebensmittelpreise. Die Menschen demonstrierten; die Huthis nutzten den Aufruhr und gingen eine Allianz mit dem alten Präsidenten Salih ein. Sie ritten auf der Welle des Volkszorns, eroberten die Hauptstadt mit Gewalt, begannen Richtung Süd-Jemen zu marschieren und zwangen Präsident Hadi abzutreten. Damit »legalisierten« sie praktisch die Gewalt im Land, was wiederum viele radikal-extremistische Gruppen stärkte.

Warum mischte sich der ehemalige Präsident Salih eigentlich wieder ein und verbündete sich 2015 formell mit seinen ehemaligen Widersachern, den Huthis, nachdem er 2 Jahre zuvor abgedankt hatte?

»Habe ich dich schon genug verwirrt?«

Farea al-Muslimi: Die Amnestie, die Salih 2011 mit Unterstützung der UN bekam, war problematisch, weil sie bedingungslos war. Er konnte tun und lassen, was er wollte. Als Salih sich über die eigenen Landesgrenzen hinaus in der Region umschaute, sah er den syrischen Machthaber Bashar al-Assad, der an seiner Macht festhielt. Und das, obwohl der Krieg in Syrien Hunderttausende Menschen das Leben kostete. In Ägypten sah er das Militär wieder an der Macht – und dachte sich sowas wie: »Was für eine Inspiration! Wenn die an der Macht bleiben, kann ich das auch!« Das muss ihn ungemein motiviert haben. Tatsächlich ist die Komplexität dieses Konflikts sehr hoch. Habe ich dich schon genug verwirrt?

Nein, jetzt haben wir uns durch die lokalen Strukturen gearbeitet und beginnen damit, uns in der Region rundherum umzuschauen. Warum begann Saudi-Arabien 2015 damit, den Jemen zu bombardieren?

Farea al-Muslimi: Für alle, die mehr über die saudischen Machthaber und deren Politik wissen wollen Der Tod des saudischen Königs Abdullah im Januar 2015 hat die Außenpolitik Saudi-Arabiens stark beeinflusst. Er war jemand, der die Fäden gern im Hintergrund zog. Dann kam der neue König Salman und Saudi-Arabien wurde fast dazu gedrängt, gegen Huthis und Salihs Kräfte an der Landesgrenze Militärschläge auszuführen. Die Saudis wollten Hadi unterstützen und wählten damit eindeutig den falschen Weg, um den Konflikt zu lösen.

Der Jemen ist eine wichtige Basis für Noch nicht viel von der al-Qaida im Jemen gehört? Dann könnt ihr euch hier informieren al-Qaida und andere Terrornetzwerke, die vom Chaos vor Ort profitieren. Sollte das für die internationale Gemeinschaft nicht Grund genug sein, den Krieg im Jemen zu beenden?

Farea al-Muslimi: Richtig. Je länger der Krieg dauert, umso mehr werden sich al-Qaida und andere radikale Gruppierungen ausbreiten. Es ist schwer, Politiker davon zu überzeugen, dass eine Politik der Prävention hier mehr als nötig ist. Denn es ist klar, dass die Katastrophe, die sich hier abzeichnet, nicht an den Grenzen des Jemens Halt machen wird. Momentan sind die Jemeniten die Einzigen, die unter diesem Krieg leiden. Doch das könnte sich eines Tages ändern, wenn al-Qaida und die Flüchtlingszahlen weiter wachsen.

Neben seinen Bemühungen um Frieden im Jemen versuchte der amerikanische Außenminister John Kerry auch, eine friedliche Lösung für den Nahost-Konflikt zu finden. Bei seiner letzten Rede im Dezember 2016 zog er sich deshalb den Zorn Israels zu, als er sich für die Zweistaatenlösung mit einem unabhängigen Staat Palästina aussprach. – Quelle: U.S. Department of State

Die Lösung: Politik statt Krieg

US-Außenminister John Kerry wollte vor der Amtsübernahme Donald Trumps einen positiven Abgang im Nahen Osten machen und Frieden im Jemen schaffen. Hat er aber nicht. Warum?
Farea al-Muslimi: Es war schon zu spät. Vergiss einmal kurz den Jemen und frag dich: Was ist das größte Problem in der Welt? Wir haben keine Führung, keine Organisationen und keine Akteure mehr, die nicht Teil des Problems sind. 2011 waren die USA, der Golf-Kooperationsrat Der Golf-Kooperationsrat vereint die Golfstaaten Kuwait, Bahrain, Katar, Saudi-Arabien und Oman, die für Außen- und Sicherheitspolitik zusammenarbeiten. und Großbritannien nicht Teil des Problems im Jemen. Sie hätten Frieden schaffen können. Aber du kannst nicht, wie es die USA gemacht haben, Die UN lehnten im September 2016 eine unabhängige Untersuchung der Kriegsverbrechen im Jemen ab (englisch) 2 Jahre lang den Krieg der Saudis unterstützen, die Aufklärung von Kriegsverbrechen im Jemen blockieren und dann plötzlich nach Frieden fragen.

Die Trump-Regierung wird den Jemen sicher nicht ganz oben auf die Agenda setzen. Wer oder was kann den Konflikt noch lösen?

Farea al-Muslimi: Es gibt 2 gute Lösungen, wenn sich die Akteure darauf einlassen und der Druck groß genug ist. Die Saudis müssten veranlassen, Der Oman ist zwar ein kleiner, dafür aber ein sehr einflussreicher Staat im Nahen Osten – vor allem in seiner Position als Vermittler dass Hadi seine Macht an den Vizepräsidenten abgibt, und der Oman könnte sich der Huthi-Rebellen annehmen. Das bringt uns zurück zu der Zeit, als wir noch Politik statt Krieg gemacht haben. Es ist möglich.

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