Wie aus Drogendealern ehrliche Unternehmer werden

In einem bayerischen Gefängnis werden Drogendealer zu Gründern, aus amerikanischen Gefängnissen werden Mehrfachmörder frühzeitig entlassen. Justiz kann mehr, als nur zu bestrafen.

1. Februar 2017  13 Minuten

Nur die Gitterfenster erinnern daran, dass ich in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim bin, dem zweitgrößten Gefängnis Deutschlands. Im schönsten Saal des Gefängnisses stehen sich 2 Gruppen gegenüber, getrennt durch eine weiße Linie auf dem Boden. 1/3 aller Männer trägt eine blaue Gefängnisuniform, sie sind Häftlinge. Alle anderen sind hier nur zu Besuch, für ein paar Stunden. So wie Maren Jopen, die gerade alle animiert, an einer Art Ehrlichkeitsspiel teilzunehmen:

Ich habe kriminelle Dinge getan, für die ich hätte bestraft werden sollen, wurde es aber nicht. Dazu zählt: betrunken Auto gefahren zu sein, mal gekifft zu haben, nicht jede Arbeitskraft angemeldet zu haben, es mit der Steuer nicht ganz genau genommen zu haben … – Maren Jopen, Gründerin des Rehabilitationsprogramms »Leonhard«

Wer überschreitet die Linie beim Ehrlichkeitsspiel? – Quelle: Josef König / Leonhard gGmbH copyright

Nach und nach bekennen sich fast alle Anwesenden zu eigentlich strafbaren Handlungen – egal ob mit oder ohne Uniform. Am Schluss stehen zirka 60 Menschen auf der Linie. Doch nur ein Teil von ihnen sitzt deswegen im Gefängnis.

Von ihnen wiederum werden bald einige die blaue Häftlingsuniform ablegen: 16 Gefangene haben das Hier geht es zur Website des »Leonhard«-Rehabilitationsprogramms Münchener Rehabilitationsprogramm »Leonhard. Unternehmertum für Gefangene« erfolgreich abgeschlossen und stellen ihre künftigen Geschäftsideen vor. Vorher hatten krumme Geschäfte sie hierher, nach Stadelheim gebracht: Drogenhandel, Steuerhinterzug im großen Stil. Manche haben 2 Jahre hinter Gittern gesessen, manche 6. Jetzt steht ihre frühzeitige Entlassung bevor, bereits nach 2/3 der Zeit. Das ist nicht unüblich – Uli Hoeneß etwa wurde Bericht bei ZEIT Online zur Entlassung von Uli Hoeneß nach gut der Hälfte seiner 3,5 Jahre Gefängnis entlassen. Entscheidend ist »gute Führung« und die Aussicht, nicht wieder straffällig zu werden. Die Gefangenen des »Leonhard«-Programms haben Business-Ideen entwickelt, die sie draußen umsetzen wollen. Eine Öko-Autolackiererei ist darunter, ein Fisch-Spa, ein Online-Shop für Hip-Hop-Musik und ein schicker Weinladen.

Titelbild: Josef König / Leonhard gGmbH - copyright

von Giusi Valentini 

Giusi arbeitet gern als Journalistin in vielen Sprachen und in vielen Ländern. Studiert hat sie in Italien und England, recherchiert und gearbeitet in mehr als 20 anderen Ländern. Begeistern kann sich sich besonders, wenn es um Geschichten geht, die eine ganz neue Perspektive auf die Menschen anbieten. Im Gefängnis mit Insassen zu reden, war eine davon.

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