5 aktuelle Entwicklungen, die unsere Zukunft positiv verändern können
Ab dem nächsten Jahr dürfen in New York auch Nichtbürger:innen wählen, ein Tablet für Menschen mit Sehbehinderung geht in Produktion und Firefox ist der Datenkrake Facebook auf der Spur.
Nicht immer schaffen es die Themen, über die wir Woche für Woche stolpern, direkt in einen eigenen Artikel. Vorenthalten wollen wir euch diese Entwicklungen, Geschichten und Ereignisse aber auch nicht. Deshalb berichten wir hier sonntags kurz und knapp über 5 Themen, die uns als Redaktion beschäftigt haben.
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Firefox spioniert Facebook aus, um herauszufinden, wie Facebook dich ausspioniert
von Dirk WalbrühlDass das Unternehmen Meta am liebsten alles über seine Nutzer:innen wissen möchte, . Dafür sammeln die Produkte des Megakonzerns von Mark Zuckerberg, vor allem Facebook und Instagram, was sie können, um die Informationen später zu Werbezwecken zu verkaufen. Und nicht nur das: Facebook sammelt auch abseits der eigenen Websites eifrig. Ein Mittel dazu ist der »Facebook Pixel«, ein Javascript, das viele Website-Betreiber:innen freiwillig einbetten, um damit die . Nebenbei sendet das Skript aber Informationen an den Mutterkonzern Meta, auch Informationen über Menschen, die gar keinen Facebook-Account haben. Was und wie viel so ausgespitzelt wird, ist bisher aber unbekannt – vor allem weil sich Meta weigert, die eigenen Daten an die Forschung weiterzureichen, und bei Eigenangaben
Genau hier setzt nun das Unternehmen Mozilla an, das den Browser Firefox herausgibt und das sich in der jüngsten Vergangenheit immer wieder mit einer positioniert hat. Dafür nutzt Mozilla die , mit der Nutzer:innen von Firefox die eigenen Daten an ausgewählte Forschungsprogramme verschenken können. Aktuell können nur Nutzer:innen in den USA an dieser teilnehmen. Das Unternehmen will die Facebook-Überwachungsfunktion auch für andere Länder freischalten. Die gesammelten Daten werden von Mozilla-Datenanalyst:innen und Journalist:innen ausgewertet.
Die Analyse läuft bis Sommer 2022 und dürfte in einer Reihe von Enthüllungsartikeln münden, die hohes Potenzial haben, der nächste Skandal für das Unternehmen Meta zu werden.
Das größte Weltraum-Teleskop der Geschichte ist auf Kurs!
von Lara MalbergerAm 25. Dezember 2021 hat das James-Webb-Teleskop an Bord einer Ariane-5-Rakete die Erde verlassen. Dieser Moment war für die beteiligten Forscher:innen und alle Weltraumnerds ein historisches Erlebnis. 30 Jahre dauerte die Entwicklung des bisher größten und leistungsfähigsten Weltraumteleskops, mithilfe dessen die US-amerikanische, europäische und kanadische Raumfahrtagentur die Ursprünge des Universums ergründen wollen. Doch auch wenn der Start des Teleskops geglückt ist, konnte zu diesem Zeitpunkt noch eine Menge schiefgehen. Es Die Solarmodule zur Stromversorgung, das riesige Sonnenschutzschild und die Spiegel waren eingefahren und mussten im Weltraum ausgeklappt werden. Ein heikler Prozess, woran das Projekt hätte scheitern können – die geschätzten 10 Milliarden US-Dollar Projektkosten wären dann im wahrsten Sinne des Wortes im All verpufft.
Umso größer ist die Freude der NASA-Wissenschaftler:innen darüber, dass sich das Während seiner Entfaltung reist das Teleskop zu seinem etwa 1,5 Millionen Kilometer entfernten Zielorbit, den es in etwa . Ist es dort angekommen, sollen mithilfe der Technik an Bord des Teleskops unter anderem die ersten leuchtenden Objekte und Galaxien unseres Universums aufgenommen werden, die nach dem Urknall vor über 13,5 Milliarden Jahren entstanden sind. Das Weltraumteleskop soll aber auch mehr über das .
Bis das Teleskop tatsächlich in Betrieb ist und die ersten Bilder auf der Erde ankommen, wird es allerdings noch etwas dauern: Die ersten Aufnahmen erwarten Wissenschaftler:innen im Sommer. Allein 5 Monate wird es noch dauern, bis alles an Bord richtig eingestellt ist. Dann aber könnten die Daten und Bilder, die das James-Webb-Teleskop liefert, unser Wissen über das Universum und dessen Ursprung für immer verändern.
EU-Kommission: Freie Fahrt für Fußgänger:innen und Fahrradfahrende
von Chris VielhausEs scheint bequem zu sein, das Auto. Im Vorort einsteigen, die Autobahn ansteuern, Abfahrt zur nächstgelegenen Großstadt nehmen und quer durch die Innenstadt bis ins Parkhaus direkt unterm Shoppingcenter fahren. Fahrstuhl hoch, ein paar Stunden bummeln und die gleiche Tour zurück. Diese Idee der autogerechten Stadt stammt von Planer:innen, die das weitgehend verwüstete Land nach dem Zweiten Weltkrieg bereit für die Zukunft machen wollten. Und sie schienen richtig zu liegen: Bis heute stauen sich die Autokarawanen Wochenende für Wochenende vor den Parkhäusern der Einkaufstempel. Die Menschen wollen das, so scheint es.
Doch was wäre, wenn die Menschen gar nicht mit dem Auto in die Stadt fahren, weil es ihnen so viel Spaß macht, sondern sie sich nur so verhalten, weil die Stadtplaner:innen von damals alles aufs Auto zugeschnitten haben? Expert:innen sprechen dann von »induzierter Nachfrage«, .
Die Europäische Kommission hat dieses Phänomen nun wohl erkannt und schlägt vor, in der Stadtplanung künftig Fußgänger:innen und . »Dies ist das erste Mal in der Geschichte, dass die Europäische Kommission Investitionen in diese Verkehrsträger als Rückgrat der städtischen Mobilität Priorität einräumt«, . Wird der Vorstoß der Kommission verabschiedet, sollen 424 europäische Großstädte bis 2025 Konzepte erarbeiten, um sich für die Mobilität der Zukunft fit zu machen. Auf diese Weise könnte ein wichtiger Beitrag geleistet werden, um das im Rahmen des Europäischen Green Deals festgehaltene Ziel zu erreichen, .
New York will »Non-Citizens« Wahlrechte geben
von Désiree SchneiderBei den New Yorker Kommunalwahlen nächstes Jahr dürfen zum ersten Mal Bürger:innen ihren Stimmzettel in die Urne werfen, die zwar in der Stadt leben und arbeiten, . Der entsprechende Gesetzentwurf wurde vergangene Woche vom Bürgermeister durchgewunken. Das neue Gesetz betrifft über 800.000 Menschen. Dazu zählen Non-Citizens, die seit mindestens 30 Tagen als langfristige Einwohner:innen der Stadt gemeldet sind, und Personen, die zur Arbeit in den USA berechtigt sind, einschließlich sogenannte »Dreamers«. Letztere sind illegal in die USA gekommene, junge Menschen, die unter dem von Barack Obama Schutz gefunden haben und das Recht bekamen, vorübergehend in Amerika zu leben, .
Ab 2023 ist es ihnen erlaubt, ihre Stimme bei der Bürgermeisterwahl oder der Wahl der Stadtratsmitglieder und Bezirkspräsident:innen abzugeben. Staatsweite Wahlen wie Präsidents- oder Kongresswahlen sind nach wie vor davon ausgeschlossen. Damit ist New York nicht die die das Wahlrecht ausweitet, doch mit Abstand die größte. Die Non-Citizens würden nächstes Jahr ungefähr 14% aller wahlberechtigten New Yorker:innen ausmachen. Das ist ein ordentlicher Anteil – vor allem mit Blick auf die . Die der letzten . Wenn sie von ihrem neuen Recht Gebrauch machen, können sie einiges in ihrem Interesse bewegen.
2 neue Technologien, die den Alltag von Menschen mit Sehbeeinträchtigung erleichtern können
von Annika ReketatNoch sind blinde oder sehbehinderte Menschen online auf Hilfsmittel wie Screenreader oder eine angewiesen. Doch bald haben sie noch eine weitere Option, womit sie Grafiken und Bilder auch erfühlen können: . Das sind Bildschirme, auf denen Bilder nicht wie gewöhnlich mithilfe kleiner Lichtpunkte, den Pixeln, dargestellt werden, sondern mithilfe von sogenannten Diese Taxel treten als erhabene Punkte aus der Oberfläche hervor. Vorstellbar sind taktile Displays also wie ein Nagelbrett, dessen Nägel mal versenkt und mal erhaben sind und so ein fühlbares Muster ergeben.
Hier wird das Prinzip der taktilen Muster genauer erklärt:
Wissenschaftler:innen an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg arbeiten momentan daran, eine Art Tablet mit taktilem Display zu entwickeln. Bildschirme dieser Art gibt es zwar schon, doch sind sie sehr groß, sehr teuer, haben eine schlechte Auflösung und sind somit nicht für den alltäglichen Gebrauch geeignet. Das will die ändern. Sie schuf 2016 den Prototyp eines Braille-Displays, das mobil, handlicher und günstiger ist. Eine Gruppe von Freiburger Wissenschaftler:innen um Bastian Rapp hat nun die Weiterentwicklung übernommen. In den aktuellen Vorstudien testen Proband:innen mit Sehbehinderung das neue Gerät bereits. Ziel der Wissenschaftler:innen ist es, erste Kleinserien bis Ende 2023 auf den Markt zu bringen.
Inklusives Denken erwünscht
Technologische Innovationen sollen das Leben einfacher, sicherer und angenehmer machen. Aber nicht jede Erfindung ist auch inklusiv. Oft werden die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung nicht bedacht. So sind Elektroautos beispielsweise zwar in ihrer Antriebsweise zukunftsweisend, aber die Technologie ist flüsterleise. Sie können daher für Menschen mit Sehbehinderung gefährlich werden, da sie sich im Straßenverkehr anhand akustischer Signale orientieren. Deswegen müssen leise Elektro- und Hybridautos seit 2019 im Straßenverkehr künstliche Geräusche von sich geben.
Eine weitere inklusive Technologie ist der »digitale Sehstock«, ein Blindenstock mit Radartechnik. Das Problem herkömmlicher Blindenstöcke: Als »verlängerter Arm« tasten sie nur den Boden nach Unebenheiten und Hindernissen ab. Barrieren, die sich auf Höhe des Oberkörpers befinden, entgehen den Nutzer:innen daher oft. Die Erfindung von Lukas Hartz, einem saarländischen Designstudenten, soll Abhilfe schaffen. Der Griff seines Sehstocks ist mit einer Linse ausgestattet, welche die Umgebung scannt. Wenn sich ein Gegenstand in Höhe der Brust oder des Kopfes nähert, vibriert der Griff zur Warnung. Der abnehmbare Griff kann auch als mobile Orientierungshilfe in Innenräumen dienen.
Hartz’ Anliegen war es, für seine Abschlussarbeit nicht irgendetwas zu designen, sondern eine . Für diese wurde er kürzlich mit dem ausgezeichnet, einem Award für Designkonzepte, die zur Lösung gegenwärtiger Probleme beitragen. Der Student hofft, bald ein Unternehmen zu finden, das aus seinem Prototyp ein Serienmodell macht.
Redaktionelle Bearbeitung: Maria Stich und Désiree Schneider
Titelbild: NASA/Chris Gunn - CC BY-NC-ND 2.0