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Das musst du wissen, um Fake News zu verstehen

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Dirk Walbrühl

Das musst du wissen, um Fake News zu verstehen

16. März 2017

Brennt Schweden wirklich? Jemand hat ein Interesse daran, dich zu verunsichern – und das perfekte Mittel dazu.

Was weißt du über die aktuelle Situation in Schweden?

Wenn man der AfD glaubt, dann herrschen dort besorgniserregende Zustände, verursacht durch die aktuelle Eine Einordnung der wirklichen Lage in Schweden bei der Deutschen Welle (2017) Flüchtlingssituation. Das hatte auch Donald Trump zuvor in einer Die Äußerungen von Donald Trump im Video (2017) Rede angedeutet. Trump stellte auf einer Rede vor Anhängern in Florida das Land Schweden in eine Reihe mit anderen Zielen von Terror und verwies auf angebliche Ereignisse einen Tag zuvor. Die Rede sorgte für internationale Verwirrung. Unter dem Hashtag #Lastnightinsweden entlud sich daraufhin Spott in Sozialen Medien, unter anderem von Schwedens früherem Premierminister Carl Bildt, der twitterte: »Schweden? Terroranschlag? Was hat er denn geraucht?« Später stellte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, klar: Trump habe ganz generell über Kriminalität in Schweden gesprochen. Doch Trump selbst verwies bei der Quelle seiner Informationen auf eine Sendung auf Fox News, in der Filmemacher Ami Horowitz später widerlegte Behauptungen über Schweden aufstellte. Als zusätzlichen Beweis zitierte die Hier geht es zum Tweet der AfD Berlin (2017) AfD Berlin eine angebliche Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Wenn sich Donald Trump, die Regierung und die AfD einig sind, dann muss es doch stimmen – oder?

Sie sind sich aber eben nicht einig. Das Auswärtige Amt stellte Die Richtigstellung des Auswärtigen Amtes, 2 Tage nach dem AfD-Post (2017) in einer Richtigstellung klar: Die Reisewarnung ist eigentlich ein »Reisehinweis« und gilt auch bereits seit einem Jahr. In Schweden wurde die Terrorwarnstufe sogar herabgesetzt; In Schweden gilt die Terrorwarnstufe 3 (»Erhöhte Gefahr«). Diese wurde im März 2016 von der nächsthöheren Stufe (»Hohe Gefahr«) herabgesetzt. Es gibt insgesamt 5 Warnstufen in Schweden, die vom »Nationalen Zentrum für die Einschätzung terroristischer Bedrohungen« festgelegt werden. eine gewisse Häme kann man der Behörde dann kaum verdenken: »Tut uns leid, falls das weniger interessant klingt.« Auch AfD-Pressesprecher Ronald Gläser gab zu, dass die Nachricht »nicht glücklich« und der Begriff Reisewarnung Der Unterschied: Sicherheitshinweise machen auf bestimmte Risiken in anderen Ländern aufmerksam. Reisewarnungen hingegen sind eine konkrete Warnung des Auswärtigen Amtes bei Gefahr für Leib und Leben. Das Eingeständnis des Fehlers von Pressesprecher Ronald Gläser bei SPIEGEL ONLINE (2017) »natürlich objektiv falsch« war.

Dies sind sie also, die Fake News, von denen alle sprechen, die zum Anglizismus des Jahres 2016 Sprachwissenschaftler der FU Berlin küren mit diesem Preis jedes Jahr englische Lehnwörter, die Lücken im deutschen Wortschatz füllen. Dieses Jahr neben Fake News ausgezeichnet: Platz 2 »Darknet«, Platz 3 »Hate Speech« und Platz 4 »Brexit«. gekürt wurden und angeblich auch im Die mahnenden Worte von Bundestagswahlleiter Dieter Sarreither im Tagesspiegel (2017) Bundestagswahlkampf 2017 eine große Rolle spielen werden.

Können wir Fake News identifizieren? Wer produziert die eigentlich? Und was können wir gegen sie tun? Eine Spurensuche mit einigen unbequemen Antworten.

Worüber reden wir wirklich, wenn wir über Fake News reden?

Wer heute in einen Bahnhofskiosk geht und durch Zeitungen und Zeitschriften blättert, stößt seltener auf Fake News. Wer in Deutschland gedruckt etwas anderes als die Wahrheit veröffentlicht, muss mit einer Rüge des Deutschen Presserates Die Organisation der großen deutschen Verleger- und Journalistenverbände tritt seit 1959 für das Ansehen der deutschen Presse und die Pressefreiheit ein und übt eine institutionalisierte freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Presse aus – auch um staatliche Aufsichtsstellen zu verhindern. Wer gegen den Pressekodex verstößt, kann von Lesern gemeldet werden und muss im schlimmsten Fall mit einer Rüge rechnen und diese veröffentlichen. Doch diese Qualitätssicherung ist letztlich vor allem eins: freiwillig. rechnen. Doch dieser erfasst nur die gewerblichen Medien, die sich dort freiwillig anmelden. Gänzlich ohne Rüge kommen beispielsweise private Blogs davon. Die Schweden-Fake-News bei Politically Incorrect (2017) Und genau dort begann die Fake News über die angebliche schwedische Reisewarnung – auf dem Eine Analyse des Blogs Politically Incorrect bei Correctiv rechtspopulistischen Blog Politically Incorrect. Der Blog zählt zu den größten deutschen Blogs mit ca. 400.000 Besuchern täglich. Ein Impressum fehlt bezeichnenderweise. Er steht der AfD und der Pegida-Bewegung nahe und bezeichnet sich selbst als »News gegen den Mainstream«. Die Blogbeiträge werden unter Pseudonymen verfasst und sind inhaltlich oft anti-europäisch, islamfeindlich und rechtspopulistisch. Die Seite hat gute Kontakte zu rechtsextremen Politikern (etwa zu Geert Wilders) und finanziert sich zumindest teilweise durch Werbebanner, etwa für Pfeffersprays oder rechts-patriotische Modelabels wie »Phalanx Europa«.

Im toten Winkel des Presserates und Weiteres Beispiel gefällig? Dieses Video spürt der Fake News um Axtangriffe in Düssendorf nach verteilt durch Soziale Medien sind Fake News vor allem ein Problem des Internets. Deshalb habe ich mir 2 digitale Köpfe zur Unterstützung gesucht: Jörg Müller-Lietzkow lehrt Medienökonomie und Medienmanagement an der Universität Paderborn und ist Co-Sprecher und Mitbegründer des Vereins für Netzpolitik, #cnetz. Der netzpolitische Verein wurde 2012 gegründet und sitzt heute in Berlin. Er ist der CDU nah und möchte die Digitalisierung in Deutschland voranbringen und eine verantwortungsvolle Digitalpolitik befördern. Valentina Kerst war lange Vorsitzende des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Der netzpolitische Verein ist der SPD nah und möchte »die öffentliche Debatte um die gesellschaftliche Veränderung durch das Internet, insbesondere im Hinblick auf die politische Entwicklung der Demokratie in Deutschland« unterstützen. Daneben sitzt Valentina Kerst im Beirat für Junge digitale Wirtschaft beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und ist seit 2013 Leiterin des Landesrates für digitale Entwicklung und Kultur in Rheinland-Pfalz und Digitalunternehmerin mit der Firma Topiclodge. Beginnen wir mit einer sauberen Definition von Fake News …

Jörg Müller-Lietzkow: Das geht nicht, der Pluralismus ist viel größer als wir denken. Allein die Bestimmung des Feldes in welchem Fake News auftreten definiert unter anderem die Art mit.

Valentina Kerst: Stimmt. Viele wenig netzaffine Menschen denken bei Fake News an die typische »Zeitungsente«. Der Begriff beschreibt klassische Falschmeldungen und Irrtümer. Auch hier gibt es mehrere Gründe, meist einfache journalistische Fehler durch mangelnde Quellenprüfung oder unter Zeitdruck. Ein modernes Beispiel für eine aktuelle Zeitungsente ist die Eilmeldung mehrerer großer Online-Portale wie Spiegel-Online oder Zeit.de zum NPD-Verbot: »Bundesverfassungsgericht verbietet NPD«. Doch die NPD wurde eben nicht verboten. Der Grund für die Zeitungsente: Die Redakteure vor Ort hatten nicht das ganze Urteil abgewartet, sondern das nochmalige Verlesen der Anträge zu Beginn der Urteilsverkündung falsch interpretiert und für das eigentliche Urteil gehalten. Diese Falschmeldungen gibt es auch, doch vieles, was wir »Fake News« nennen, wird ganz bewusst und gezielt im Internet gestreut.

Also reden wir gar nicht über »falsche Nachrichten«, sondern über vorsätzliche Täuschung. Wer hat denn etwas davon?

Jörg Müller-Lietzkow: Nehmen wir eine Wirtschaftsnachricht, die nicht der Wahrheit entspricht. Die ist auch falsch, kann aber Auswirkungen auf die Börse haben – wir nennen das externe Effekte. Volkswagen hätte etwa sagen können, »wir haben nie etwas Böses gemacht«, damit der Börsenkurs trotz Abgasskandal stabil bleibt. In diesem Fall war es offenkundig nicht so, aber diese Fälle gibt es immer wieder.

Auffallend viele Fake News, die über Soziale Medien geteilt werden, haben politische Inhalte – Geflüchtete, Laut RT Deutsch erfand Russland etwa ein Heilmittel gegen alle Krebsarten (2017) Russland , Türkei …

Jörg Müller-Lietzkow: Natürlich findet bei diesen politischen Themen Irreleitung statt. Zumindest durch ein Agenda Setting Die These wurde erstmals von Bernhard C. Cohen im Jahr 1963 entwickelt und durch die Chapel-Hill-Studie 1968 konkretisiert. Darin untersuchten die Forscher den US-Präsidentschaftswahlkampf und verglichen die mediale Berichterstattung mit den politischen Forderungen unentschlossener Wähler. Die Ergebnisse: Die Medienagenda beeinflusst die Publikumsagenda. Anders formuliert: Die Medien haben zwar keinen direkten Einfluss auf das, was das Publikum zu einzelnen Themen denkt, aber einen erheblichen Einfluss darauf, worüber es sich überhaupt Gedanken macht. und das Setzen von Eine umfangreiche Analyse der Agenda-Setting-These Themenschwerpunkten. Medien bestimmten damit den öffentlichen Diskurs und beeinflussen in Auswahl dieser Themen vor allem, worüber sich Menschen Gedanken machen. Das gab es aber auch schon früher. Jörg Müller-Lietzkow führt aus: »Sowohl Politik als aber auch die Wirtschaft haben schon immer versucht, genau auf dieses Agenda Setting Einfluss zu nehmen. Heute allerdings ist es zu einem neuen Schärfe- und Verbreitungsgrad gekommen. Soziale Medien und die Filterblase sind dabei die Treiber und es sind eben nicht mehr allein die aktiven Protagonisten, die versuchen Einfluss zu nehmen.«

Und Fake News wollen das verändern?

Jörg Müller-Lietzkow: In gewisser Weise. Menschen nehmen »Realität« individuell wahr, und die ist bei einigen Bürgern bereits Am Beispiel von Klimaleugnern und Impfgegnern erklärt dir Maren Urner in diesem Text die Psychologie der Gerüchte stark verschoben. Häufig hat sie wenig mit Fakten und Objektivität zu tun. Umgekehrt ist der Begriff »Fake News« an sich schon höchst problematisch und gefährlich. Fake News sind für jeden etwas anderes und entsprechend schwierig, wie schon gesagt, ist eine exakte Beschreibung geschweige denn saubere Definition.

Donald Trumps Fake-News-Vorwurf im Video (englisch, 2017) So wie für US-Präsident Donald Trump, der seine Kritiker von CNN und The New York Times als »The FAKE NEWS Media« Eine Analyse von Donald Trumps Fake-News-Vorwürfen der Washington Post (englisch, 2017) betitelt hat. Die Begründung: Sie hätten Eine Analyse von Meedia zu Donald Trumps Forderung an Journalisten, alle Quellen offenzulegen (2017) keine verlässlichen Quellen und würden Zahlen und Geschichten erfinden. Der Streit zwischen Donald Trump und einigen Medien entbrannte bereits am Tag seiner Amtseinführung an den Zahlen für die teilnehmenden Menschen in Washington. Tatsächlich entstanden viele Vergleichsbilder zwischen Obamas Einführung und der von Trump zu unterschiedlichen Zeitpunkten – keine saubere journalistische Arbeit. Doch auch aussagekräftige Vergleichsbilder zeigten ein ähnliches Ergebnis und widerlegten damit die Aussage von Press Secretary Sean Spicer, der von der »largest crowd of any inauguration ever« sprach. Die Strategie ist klar: Kleinere Fehler der Medien werden überspielt und als Fake News gebrandmarkt, um die eigenen Lügen zu verteidigen und in der Relativierung glaubwürdiger zu machen.

Damit sind wir beim unbequemen Ergebnis Nummer 1: »Fake News« wird auch hierzulande auf viele verschiedene Weisen verwendet; etwa für Falschmeldungen, Falschmeldungen sind klassisch definiert als unzutreffende Nachrichtenmeldungen. Eine solche entsteht durch die fehlerhafte oder nachlässige Recherche eines Journalisten oder wird von Journalisten bzw. ihren Informanten absichtlich lanciert. Clickbait, Clickbait charakterisiert sich durch eine reißerische Überschrift, die eine »Neugierlücke« (englisch curiosity gap) hinterlässt und den Leser dazu verleiten soll, den Artikel anzuklicken. Der Artikel ist im Vergleich dazu meist enttäuschend und erfüllt die überhöhten Erwartungen des Lesers nicht. Clickbait dient dazu, höhere Zugriffszahlen zu erzielen und damit die Werbeeinnahmen des Portals zu vergrößern. Gerüchte, Eine Meldung mit anonymer und unbestätigter Quelle, die von öffentlichem Interesse ist, sich in der Verbreitung aber stark und diffus verändern kann. Tatsachenverdrehung, Diese Form ist keine Falschmeldung, interpretiert aber die Tatsachen und Fakten bewusst so, dass ein falscher Eindruck entsteht. Man spricht auch von »tendenziösen« oder »verzerrenden« Darstellungen (englisch »Partisan News«) satirische Nachrichten, Ab dem Jahr 2000 bezeichnete Fake News satirische Nachrichtensendungen wie etwa die Daily Show oder The Onion. In Deutschland bekannter sind die Satire-Portale Der Postillion und Titanic. Hoaxes Bewusst erlogene Neuigkeiten (etwa die Todesnachricht von Prominenten oder Aprilscherze), um die Gutgläubigkeit der Nutzer in Sozialen Medien zu veralbern, auf Unterhaltungsseiten zu locken oder sogar Computerviren zu verbreiten. und Propaganda. Der zielgerichtete Versuch, die öffentliche Meinung in Bezug auf Politik zu formen und das Verhalten einer Bevölkerung zugunsten einer bestimmten Ideologie zu steuern. Dabei kommen unter anderem Tatsachenverdrehungen und gezielte Desinformation zum Einsatz.

Diese Grafik schlüsselt die unterschiedlichen Arten von Fake News auf. – Quelle: inspiriert von First Draft News

Damit ist »Fake News« als Begriff sehr unscharf und problematisch, auch weil mit ihm zunehmend Stimmung gegen unabhängige Journalisten gemacht wird. Die angegriffenen Verbreiter von Fake News wehren sich dagegen, indem sie die Aufklärer über rechte Netzwerke und Interessen als »Fake News« betiteln – die Unschärfe des Begriffs macht es möglich. So wehrte sich etwa das Compact-Magazin gegen die Analyse der taz »Rein in die rechte Blase« und titelte seinerseits »Die Taz mal wieder: Mit Fake News gegen COMPACT«. Eine für diesen Artikel brauchbare Definition kommt von Politifact, Hinter Politifact steht die Zeitung Tampa Bay Times aus Florida und ihr angeschlossene Medien. Für die Begleitung des US-Wahlkampfes 2008 erhielt das Projekt einen Pulitzer-Preis. dem Recherche- und Überprüfungs-Projekt für US-Politik: Die Definition von Fake News in der Begründung von Politifact zur »Lie of the year« (englisch, 2016) »Fake News sind erfundene Geschichten, die vorgeben, fundierte, journalistische Artikel zu sein. Sie sind dafür gemacht, dass sie von einer breiten Öffentlichkeit geteilt werden.«

Die 3 Knackpunkte politischer Fake News sind also Unwahrheit, Täuschungsabsicht und hohe Teilbarkeit. Fake News sind »viral verbreitete Lügen«. Sie setzen darauf, dass sich spannende Geschichten schneller ausbreiten als langweilige Richtigstellungen. Der »Backfire-Effect« sorgt sogar dafür, dass Richtigstellungen bei überzeugten Menschen nur zu einer stärkeren Überzeugung führen – obwohl die Beweise dagegensprechen. Der Grund liegt in der menschlichen Psychologie und ist Gegenstand zahlreicher Untersuchungen.

Das funktioniert besonders gut mit Bildern Ist dir beim Titelbild etwas aufgefallen? Es hat mit Schweden nichts zu tun, sondern zeigt (Modell, Farbe, Radkappen und Aufschrift nach zu urteilen) wahrscheinlich ein französisches Polizeiauto. und bei ideologisch aufgeladenen Themen und trifft auch auf die Schweden-Nachricht vom Anfang zu. Diese wurde in AfD-Ortsgruppen und unter den Fans fleißig verbreitet. Die Richtigstellung nicht. Dahinter steht in diesem Fall auch Wahlkampftaktik. In einem Ende 2016 verabschiedeten Strategiepapier heißt es, die AfD wolle mit »sorgfältig geplanten Provokationen« auf sich aufmerksam machen – Fake News bieten sich da an. Doch beim Thema Fake News kratzt das nur an der Oberfläche.

Jörg Müller-Lietzkow: Vielleicht sollten wir uns weniger fragen »Was sind Fake News?« und uns mehr fragen »Was sind für bestimmte Rezipientenkreise Fake News?« Das kann für einen Wähler des linken Spektrums im Gegensatz zu Wählern des rechten, gar antidemokratischen Spektrums etwas völlig anderes sein.

Wer liest eigentlich all diese Fake News … und warum?

Um das Phänomen besser zu verstehen, müssen wir uns mit den Menschen beschäftigen, die Fake News konsumieren. Provokant gefragt: Sind das alles unverbesserliche Dieses Interview mit den Machern von Hoaxilla gibt einen Einblick in die Welt der Verschwörungstheorien Verschwörungsgläubige in einer rechtsdrehenden In diesem Artikel erkläre ich, wie Echokammern funktionieren und wie wir ihnen entkommen Echokammer? Nein – Langzeit-Daten zum Nutzerverhalten in den USA legen Folgendes nahe:

Eine weitere Studie des Columbia Journalism Review wertete aus, welche Beiträge Social-Media-Nutzer teilten. Das Ergebnis macht Zusammenschlüsse von Informations-Netzwerken sichtbar.

Das Netzwerk der US-amerikanischen Nachrichtenmedien als Karte. Im Herzen rechter Informations-Netzwerke findet sich das rechtsextreme Breitbart News Network von Steve Bannon. – Quelle: vereinfacht nach Columbia Journalism Review

In diesen zirkulieren dann Neuigkeiten und auch Fake News. Und hier spielt eine zweite Eigenschaft von Fake News eine Rolle: Sie werden in Sozialen Netzwerken aktiv geteilt und damit mit einem persönlichen Bezug versehen. Zusätzliche persönliche Informationen wie Kommentare, Smileys oder Likes verstärken diesen noch. Anders formuliert: Aktuelle Studien zeigen, wie Soziale Netzwerke die Trennung zwischen eigenen und gemeinsamen Erinnerungen verwischen (englisch, 2017) Wir glauben Informationen eher, wenn sie von Bekannten stammen. Nach und nach wird ein Leser in einem Informations-Netzwerk mit (falschen) Fakten und Argumenten vertraut – und fügt sich in ein Weltbild.

Und in Deutschland? Die Twitter-Karte von Journalist Gerret von Nordheim nach den Amokläufen in München (2016) Eine vergleichbare Karte wertete hierzulande die Twitter-Sphäre aus und kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie identifizierte neben einer großen, bunten Gruppe, in der sich auch die meisten Medien und Politiker bewegten, ein fast hermetisch abgetrenntes Informations-Netzwerk, in dem auch AfD-Politiker mitmischten. So findet sich unsere Schweden-Nachricht auch beim Dieselbe Schweden-Nachricht beim rechtsnationalen Onlinemagazin »Zuerst!« (2017) rechtsnationalen Onlinemagazin Zuerst!

Doch jetzt wird es kompliziert. Denn manche Beobachtungen dieser verzerrten Perspektive Bericht über Ausschreitungen nach dem Tod einer Flüchtlingshelferin (2016) haben durchaus einen wahren Kern: Dieser Artikel des Handelsblattes beschreibt die Herausforderungen Schwedens Schweden hat überproportional viele Geflüchtete aufgenommen und erlebt auch immer wieder mit ihnen zusammenhängende Ein CNN-Bericht über Unruhen in einem Stockholmer Migrantenviertel (englisch, 2017) Unruhen und Gewalt. Auch existiert in Schweden immerhin zumindest eine »erhöhte« Terrorwarnstufe Wie in ganz Europa!

So werden Reisende in der Hauptstad Stockholm etwa gebeten, sich besonders während religiöser Feiertage »umsichtig zu bewegen, größere Menschenansammlungen zu meiden und in jedem Fall Weisungen der schwedischen Sicherheitskräfte zu befolgen«. Auch wurden wieder generelle Grenzkontrollen eingeführt, was zu Wartezeiten führen kann.
und man las in den letzten Monaten darüber eher wenig in deutschen Tageszeitungen – Außer natürlich, als sich dann doch etwas änderte, wie dieser Bericht des Deutschlandfunks beweist (2016) auch weil sich eben nicht viel änderte.

Bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen in dem skandinavischen Land aber nicht. Der Politikwissenschaftler Dr. Bernd Parusel vermutet genau darin den eigentlichen Grund für die rechte Aufmerksamkeit auf das Land (2017) Schweden-Experten betonen, dass trotz allem das Land beim Thema Geflüchtete »besser dasteht als der Rest Europas«. Doch woher soll der Leser das wissen, Niklas Luhmann beschreibt in diesem Buch die traditionelle Deutungsmacht der Medien als Informationsvermittler wenn er selbst nicht vor Ort war?

Valentina Kerst ist seit 2013 Leiterin des Landesrates für digitale Entwicklung und Kultur in Rheinland-Pfalz. – Quelle: Valentina Kerst copyright

Valentina Kerst: Bei Fake News geht es eben auch um Vertrauen – und Misstrauen in die etablierten Medien. Es geht darum, bestimmten Menschen »ihre richtigen« News auszuliefern.

Also die News, die zu ihrem Weltbild passen. Und Wahrheit spielt dabei eine untergeordnete Rolle?

Valentina Kerst: Ja. Was wahr ist, ist dabei weniger wichtig als die Frage, wer glaubwürdig rüberkommt. Soziale Bestätigung wird höher gewichtet, als die tatsächliche Sachlage. Zielgruppenspezifische Kommunikation ist ja auch nichts Neues: Wenn ein Politiker früher im Ruhrpott unterwegs war, hat er den Leuten etwas anderes erzählt als in Berlin.

Jörg Müller-Lietzkow: Natürlich gibt es immer Interpretationsraum, auch bei eigentlich offenkundigen Fakten – ganz besonders im Wahlkampf interpretieren alle entweder negativ gegenüber politischen Mitbewerbern oder positiv aus der eigenen Position heraus. Es ist aber noch etwas anderes, mit grober, teilweise wissentlicher Verzerrung oder falschen Fakten zu arbeiten.

Wer also falsche Fakten nur glaubhaft verbreitet, stärkt damit das eigene Weltbild und die dahinterstehende Politik? Damit wären Fake News ein Symptom für etwas tieferliegendes …

Jörg Müller-Lietzkow: Wir haben noch ein ganz anderes Problem, das sogar parteiübergreifend ist. Allein Fake News erklären natürlich nicht, warum Donald Trump gewählt wurde. Das hat etwas mit Freiheit zu tun, und damit sind wir bei den ganz großen Themen. In den USA sehen wir eine Masse von Menschen, die unsere selbstverständlichen Freiheiten Etwa die in Deutschland durch Artikel 5 sichergestellte Pressefreiheit zunehmend ablehnen oder zumindest kritisch hinterfragen.

Und die bereit sind, »alternativen Fakten« und Weltbildern zu folgen?

Jörg Müller-Lietzkow: Nehmen wir zum Beispiel Kellyanne Conway, die von einem The Washington Post über die Aussagen der Trump-Beraterin (englisch, 2017) »Bowling Green Massaker« gesprochen hat und selbst eingestehen musste, dass das aberwitzig und falsch war. Doch das störte die Trump-Fans zunächst wenig. Entsprechend fielen die Reaktionen in den Sozialen Medien aus. Der Richtigstellung in den etablierten Medien wurde zunächst wenig Glauben geschenkt. Jörg Müller-Lietzkow merkt an, dass genau so Fake News faktisch akzeptiert werden.

Jörg Müller-Lietzkow: Wir leben in einer Zeit der Informationsflut. Die schiere Masse an Informationen kann heute niemand mehr sinnvoll verarbeiten. Das überfordert viele, die sich dann nach einer ordnenden Logik und Einfachheit sehnen, die ihnen eine solche »Interpretation« teilweise bietet. Das soll dann am besten noch kostenfrei und leicht zu konsumieren sein.

»Geflüchtete sind böse«, auch in Schweden? Die Menschen sind dann bereit, dieser »Einfachheit« mehr zu glauben als einer kritisch reflektierten, wissenschaftlich unterlegten Recherche?

Valentina Kerst: Auch in den Qualitätsmedien liest man ja im Kern wenige Nachrichten, die immer wieder vorgekaut sind. In vielen Nachrichtensendungen Uwe Krüger analysiert in diesem Buch diese »Verengung des Meinungsspektrums« bekomme ich als Zuschauer identische News, häufig auch in derselben Reihenfolge, nur ein wenig anders aufbereitet.

Unbequemes Ergebnis Nummer 2: Lesern von Fake News ist der Informationsgehalt weniger wichtig als die Glaubwürdigkeit »ihrer politischen Seite«. Fake News sind erfolgreich, Juliane Metzker erklärt das »Confirmation Bias« und warum wir den Bildern im Kopf so sehr glauben weil sie das bestätigen, was die Leser bereits glauben – dazu gehört auch die Idee, Die Psychologie nennt das »Hostile Media Effect« (englisch, 2003) dass andere Medien unfair gegenüber der eigenen Weltsicht sind. Die Idee einer »Lügenpresse« überspitzt das nur und hilft dabei, nur noch die Fakten anzunehmen, Eine Analyse, wie die Schweden-Unruhen nachträglich die Trump-Falschaussage über Schweden bestärkten (englisch, 2017) die ins eigene Weltbild passen.

»Zeige mir, was du sharest, und ich sage dir, wer du sein willst.« - Sascha Lobo zieht in seiner Kolumne den Zusammenhang zwischen Teilverhalten und Identität (2016) Sascha Lobo Auf Sozialen Medien geht es außerdem immer um Identität: Wer eine empörende Fake News teilt, bestätigt damit die eigene Weltsicht und die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Das Verbreiten von Lügen lässt sich vor dem eigenen Gewissen dann als Widerstand gegen So etwa der Blogger Hartmut Danish, der damit ein »degeneriertes Pressesystem« hacken will (2016) einen politischen Feind rechtfertigen.

Doch wozu das alles?

Die Schweden-Nachricht wurde auf Facebook unter AfD-Ortsgruppen und ihren Fans häufig geteilt. Die Richtigstellung nicht. (Dies ist ein Screenshot vom 6. März 2017. Der Original-Post wurde inzwischen gelöscht.) –

Was bezwecken die Macher von Fake News?

Lassen wir Europa zurück und wenden uns Bowling Green zu, der drittgrößten Stadt im US-Bundesstaat Kentucky. Sie ist neuerdings berühmt dafür, dass dort KEIN Massaker stattfand. Das hatte nämlich Trump-Beraterin Kellyanne Conway im Interview mit dem Fernsehsender MSNBC behauptet. Sie sprach in 3 Fällen von einem »Bowling Green Massacre«, in einem Interview mit MSNBCs Moderator Chris Matthews, in einem Interview mit dem Cosmopolitan Magazine und in einem mit TMZ. Das macht klar: Es handelte sich also nicht bloß um einen Versprecher, sondern wiederholte, gezielte Falschinformation.

Faktenchecker der US-Medien widerlegten es; Conway ruderte zurück und Ein Bericht des Variety dazu (englisch) gab einen Fehler zu. National Survey Results (englisch, 2017) Trotzdem glaubten in einer Umfrage 51% der Trump-Wähler anschließend, dass es das erfundene Massaker wirklich gegeben habe und sogar, dass es Trumps Einwanderungs-Politik rechtfertige. Ein politischer Erfolg für die Fake News.

Der Trick dabei: Diese Studie zeigt: Das Wiederholen von Mythen erhöht den Glauben an sie (englisch, 2005) Je häufiger ein Leser mit einer Information in Kontakt kommt, desto höher ist die Chance, dass sie für wahr gehalten wird. Das anschließende Zurückrudern und Relativieren gehören damit zum System – denn die virale Lüge verbreitet sich bereits. Hat sie einen politischen Zweck, heißt der Die besondere Rolle von Propaganda im NS-Regime bei der Bundeszentrale für politische Bildung historisch schwierige aber richtige Begriff: Propaganda.

Ist dies der eigentliche Zweck der Fake News?

Jörg Müller-Lietzkow: Es geht tatsächlich auch um die Legitimation von gesellschaftlich geächteter Handlung. Diese wird dann durch Fake News untermauert. Wir reden hier tatsächlich zunehmend über einen Kulturstreit.

Valentina Kerst: Wenn jemand wie Donald Trump etwa die Presse als »Fake News« kritisiert, schmiert er gleichzeitig seinen Anhängern Honig um den Mund.

Dabei hat er selbst die »alternativen Fakten« verbreitet, die sie glauben, und verleiht ihnen als Politiker Legitimation. Clever.

Jörg Müller-Lietzkow: Diese Methoden sind aber nicht neu. Das Ganze gab es bereits in der NS-Zeit. Jörg Müller-Lietzkow weist darauf hin: »Wer sich mit der Bioraphie von Joseph Göbbels beschäftigt, findet sicherlich einen Meister der Fake News seiner Zeit.« Dort wurden auch gezielt Fakten verdreht und verbreitet, etwa über die jüdische Gemeinschaft – Historiker Eberhard Jäckel wirft im Interview einen Blick auf das Wissen der Deutschen in der NS-Zeit (2004) aber auch über die KZs. Eigentlich hätten wir als Menschheit daraus lernen müssen und sollten dies massiv ächten.

Jörg Müller-Lietzkow lehrt Medienökonomie und Medienmanagement an der Universität Paderborn. – Quelle: Jörg Müller-Lietzkow copyright

Und heute sind die Sozialen Medien die perfekten Kanäle für virale Propaganda?

Jörg Müller-Lietzkow: Das Internet beschleunigt den Prozess nur, allerdings maximal. Bereits die Nazis haben ihre Propagandaheftchen kostenlos verteilt, um ihre Reichweite und Wirkung zu erhöhen. Auch im Internet ist vieles kostenlos – statt eine Zeitung zu kaufen, werde ich dort täglich von Propaganda überschüttet. Die Menge machts. Jörg Müller-Lietzkow betont, dass die virale Verbreitungsform und somit Wirkungsdichte der Nachricht eine wichtige Rolle spielt. Er nennt dies auch »eine neuen Art Dichtefunktion der Medien«.

Unbequemes Ergebnis Nummer 3: Bei Fake News geht es auch darum, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und politische Ziele durchzusetzen. So verdienen Fake-News-Macher auf Facebook ihr Geld (englisch, 2016) Andere nehmen das für Klicks und damit Einnahmen nur in Kauf und sind anschließend regelrecht erstaunt über die Wirkung: Ein Fake-News-Macher im Interview mit The Washington Post (englisch, 2016) »Wenn sich Dinge als unwahr herausstellen, dann interessiert es die Leute nicht. [...] Das ist wirklich beängstigend.«

Da müssen doch jetzt harte Kontrollen her – oder nicht?

Kontrollen helfen nicht – Das können wir wirklich gegen Fake News tun

Im Wahlkampfjahr 2017 ließ die Politik nicht mit Forderungen gegen Fake News auf sich warten. Die Justizminister von Hessen, Bayern und Sachsen-Anhalt forderten bereits ein Bericht von heise online (2017) schärferes Vorgehen gegen Fake News. Wie das konkret aussehen könnte, ließen die Positionspapiere der Das Positionspapier der CDU zu Fake News (2017) CDU und Das Positionspapier der SPD zu Fake News (2017) SPD erahnen. So denkt die CDU etwa über Möglichkeiten nach, Werbeanzeigen im »Umfeld« von Fake News zu verbieten. Die Idee dazu stammt von Google Inc. Der Konzern sperrte nach der Trump-Wahl 200 Anbieter von Fake News und Propaganda von seinem Werbedienst AdSense. Doch die Formulierungen sind unkonkret und klingen nach Aktionismus. Ein Der ganze Gesetzesentwurf des Bundesjustizministers bei netzpolitik.org (2017) erster Gesetzesentwurf dient vor allem dazu, dass Betreiber Sozialer Netzwerke rechtswidrige Inhalte schneller löschen.

Können mehr Gesetze und staatliche Kontrollen überhaupt eine Lösung gegen Fake News sein?

Valentina Kerst: Rein technisch halte ich das für einen Schnellschuss, der grundsätzlich fehlgeleitet ist. Wer da bei Politikern an der Oberfläche kratzt, merkt schnell, da kommt nichts Konkretes.

Das Innenministerium plant ja für das Wahljahr bereits ein Die SPIEGEL-Informationen zum Vorschlag des Bundesinnenministeriums (2016) Abwehrzentrum gegen Desinformations-Kampagnen …

Valentina Kerst: Ich glaube nicht, dass eine staatliche Stelle die Probleme lösen kann – wie auch? Staatliche Kontrollen ließen sich ja auch schnell zu anderen Zwecken erweitern. Etwa, um durch die Hintertür doch Sperren und Internetzensur einzuführen, gegen die Netzaktivisten seit Jahrzehnten ankämpfen. Der Gesetzesentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas scheint diese Sorge der Netzaktivisten zu bestätigen.

Was wäre dann eine Lösung – bei Facebook und Co. anklopfen?

Valentina Kerst: Mark Zuckerberg hat ja bereits eingestanden, dass sie mehr sind als nur ein Infrastrukturportal.

Jörg Müller-Lietzkow: Trotzdem hat Facebook schreckliche Angst, als Medienunternehmen anerkannt zu werden. Denn dann müssten sie ja ihre redaktionellen Pflichten nachkommen und die Rechtslage würde sich fundamental für sie ändern.

So schnell Facebook gewann erst im März einen Prozess und muss Fake News und Verleumdungen nicht löschen (2017) wird das also nicht passieren. Was ließe sich denn kurzfristig gegen Fake News tun?

Valentina Kerst: Ich setze da doch eher auf die etablierten Medien. Wie wäre es etwa mit einem neuen Pressekodex, der die digitalen Komponenten bis hin zu Social Media mit einbezieht – etwa Journalisten verpflichtet, online die Quellen anzugeben?

Dies wäre aber wieder nur eine Selbstverpflichtung.

Valentina Kerst: Aber wenn sich das als Standard durchsetzt, könnte die ganze Medienlandschaft davon profitieren. Außerdem sollte man über Finanzierung von Journalisten nachdenken. Das Geld ist bei den Öffentlich-Rechtlichen ja da. Die Frage ist nur, wie es verteilt wird. Brauchen wir wirklich das nächste Sportevent für 20 Millionen oder doch gerade mehr Fact Checker?

Andererseits lockt die Fußball-WM wesentlich mehr Zuschauer an als Tagesschau und heute-journal zusammen. Ist auch das Publikum Schuld, wenn Fake News an Bedeutung gewinnen?

Jörg Müller-Lietzkow: Geld ist ein gutes Stichwort. Der Leser ist in unserer Gratiskultur kaum bereit, Geld für kritischen, gut recherchierten Journalismus auszugeben. Ich frage Studierende der Medienwissenschaften etwa im 1. Semester jedes Mal, ob sie irgendeine Tageszeitung im Abonnement haben und regelmäßig lesen – egal ob digital oder analog. Die Quote liegt bei unter 3%. Das ist doch dramatisch, wenn die zukünftige, so genannte intellektuelle Elite schon nicht mehr liest! Wenn wir über Fake News reden, müssten wir eigentlich viel mehr über »Real Knowledge« reden.

Alles rechts? Nein, denn auch linke Leser fallen auf Fake News herein, etwa auf diese über Donald Trump (wahrscheinlich aus dem Jahr 2015.) – Quelle: Snopes klärt auf

Das ist vielleicht das unbequemste Ergebnis bisher: Fake News sind vor allem deshalb als Propaganda-Instrument interessant, weil immer weniger Bürger fundierte Informationen lesen und sich lieber über Sozialen Medien informieren. Tatsächlich sind Fake News damit auch Symptom für ein grundlegendes Problem unseres digitalen Zeitalters: unseren Umgang mit Informationen.

Die folgenden Gegenmaßnahmen könnten helfen:

Aufklären: Fake News funktionieren nur, wenn wenige Menschen die dahinterliegenden Systeme durchschauen. Deshalb muss die erste Gegenmaßnahme auch Aufklärung sein und die Profiteure beim Namen zu nennen: Vor allem rechte Medien und Parteien nutzen virale Lügen für gezielte Desinformation. Ein Beispiel ist die XY-Einzelfall-Karte zu angeblichen Flüchtlings-Verbrechen in Deutschland. Sie wurde auch von Breitbart und der Jungen Freiheit aufgegriffen. Das eigentliche Problem heißt daher nicht Fake News, sondern Propaganda. Eine Recherche vom Bureau of Investigative Journalism schlüsselte auf, wie stark die dort präsentierten Daten in die Irre führen.

Einordnen: Leser, die sich in den Informations-Netzwerken der Fake News bewegen, deuten Fakten um. Hier hilft unabhängiger und gut bezahlter Journalismus, der Fakten checkt, Quellen offenlegt und in den größeren Kontext einordnet – das gilt auch für Fake News selbst. Sie haben laut einer Die Studie untersucht die Verbindungen von US-Wahl und Fake News (englisch, 2017) aktuellen Studie den US-Wahlkampf nicht entschieden und dürften auch im kommende Bundestagswahlkampf keine so große Rolle spielen, wie manche Politiker glauben.

»Fake News sollten für Unternehmen wie Facebook richtig teuer werden, wenn sie die Verbreitung nicht verhindern.« – In einem Interview mit der WAZ-Mediengruppe (2016) Martin Schulz

Kritisch bleiben: Falsche Informationen können sich nur deshalb auf Sozialen Medien viral verbreiten, weil immer mehr Nutzer sie ohne sie zu hinterfragen teilen oder sie unwidersprochen hinnehmen. Facebook arbeitet zum Melden von verdächtigen Nachrichten demnächst mit externen Faktencheckern zusammen (2017) Hier sind wir alle gefragt. Das stoppt zwar nicht die Verbreitung einzelner Lügen, fordert aber auf lange Sicht Weltbilder heraus, die darauf aufbauen.

Vor allem dürfen Fake News nicht dazu führen, dass wir immer allen Informationen misstrauen – wer Hier beschreibt Maren Urner, wie wir Wissenschaft hinterfragen können fundierte Wissenschaft oder gut recherchierten Journalismus nicht mehr erkennt, geht nur häufiger den Fake-News-Machern auf den Leim.

shutterstock / bibiphoto - copyright

 

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