Frieden entsteht nicht an Verhandlungstischen, sondern so

Die Erfahrung zeigt: Frieden, der hält, wird von Menschen in kleinen Gemeinden gemacht, nicht von Regierungschef:innen oder Diplomat:innen. Hier sind deren Geschichten.

18. Juli 2022  –  11 Minuten
Artikel anhören Gelesen von Tilla Kratochwil

Frieden hält oft nicht lange, Waffenstillstände in Konflikten werden

Ein Grund für kurzlebige Friedensabkommen: Die Menschen vor Ort werden zu selten in die Verhandlungen einbezogen. Denn sie haben in der Regel weder die Kontrolle über relevante Rohstoffe noch verfügen sie über militärische Mittel oder sitzen direkt an den Schalthebeln der politischen Macht.

Stattdessen diskutieren internationale Diplomat:innen, Regierungschef:innen oder Verteter:innen militanter Gruppen am Verhandlungstisch und bestimmen darüber, was am Ende diejenigen am stärksten betrifft, die ausgeschlossen werden: die lokale Bevölkerung.

Frieden hält länger, wenn die lokale Zivilgesellschaft am Prozess beteiligt war.

Dabei sind es gerade die wissen, was die Menschen vor Ort brauchen, womit sie unzufrieden sind, welche Vorurteile sie gegeneinander hegen und wie ein Kompromiss aussieht, mit dem alle leben können. religiöser Zugehörigkeiten oder wirtschaftlicher Klassen vereinen; diejenigen, die Brücken bauen.

Die Friedens- und Konfliktforscherin Desirée Nilsson hat für eine im Jahr 2012 erschienene Studie alle Friedensabkommen nach Ende des Kalten Krieges statistisch ausgewertet. Frieden hält länger, wenn die lokale Zivilgesellschaft am Prozess beteiligt war.

Dazu gehören etwa Menschenrechtsgruppierungen, religiöse wie kulturelle Organisationen oder Frauenvereine.