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Warum 2017 Afrikas großes Jahr werden kann

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Gastautor: Franz-Josef Radermacher

Warum 2017 Afrikas großes Jahr werden kann

27. April 2017

Es braucht einen Marshall-Plan mit Afrika, um die großen Herausforderungen auf unserem Nachbarkontinent zu lösen. Die entscheidenden Weichen könnten noch dieses Jahr gestellt werden.

Franz-Josef Radermacher ist Professor für Informatik (Universität Ulm), Präsident des Senats der Wirtschaft e.V., Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW/n) Ulm und Mitglied des Club of Rome.

Stellen wir uns Marokko, Tunesien und Ägypten im Jahr 2050 als eine Region des Wohlstands und des Friedens vor, vergleichbar mit Teilen Europas auf der anderen Seite des Mittelmeers. Die meisten erwerbsfähigen Menschen in Nordafrika haben eine auskömmliche Arbeit, auch die junge Generation.

Die Staaten verfügen über ausreichend Energie, die zum Beispiel in Solarkraftwerken in der Sahara gewonnen wird, um künftige Industrie zu versorgen. Diese Energie hilft auch, mittels Entsalzung Wasser für die Landwirtschaft zu gewinnen. Nicht nur im Norden des afrikanischen Kontinents, auch an vielen anderen Orten in Afrika gibt es hoffnungsvolle Entwicklungen.

Das Solarkraftwerk Noor/Ouarzazate in Marokko (englisch)

Das klingt – angesichts der derzeitigen Lage des Kontinents und seiner vielen Probleme – utopisch? Ich bin überzeugt: Diese Vision ist möglich. Ein Marshall-Plan mit Afrika könnte die Weichen für eine solche Entwicklung stellen. Mehr noch: Vielleicht ist es die realistischste Chance für eine gedeihliche Zukunft. Das Ziel ist eine selbsttragende Entwicklung in Afrika – so wie in Asien.

»Für mich entscheidet sich die Menschlichkeit unserer Welt am Schicksal Afrikas.« – Bundespräsident a.D. Horst Köhler (2004)

Ich bin davon überzeugt, dass nur die Kräfte des Marktes und des Unternehmertums einen Kontinent aus der Armut befreien können. Der Staat schafft Arbeit, die aus Steuereinnahmen bezahlt wird. Irgendjemand muss aber Arbeit schaffen, die nicht aus Steuereinnahmen bezahlt wird, und das sollte der größte Teil wertschöpfender Aktivität sein. Hier werden die Kräfte des Marktes und damit auch des Unternehmertums gebraucht. In Asien sehen wir, was dafür erforderlich ist: starke Regierungen, die in Arbeitsplätze, Gesundheit und Bildung investieren. Vor allem aber braucht es Frieden und Stabilität. Afrika hat von all dem aktuell nicht genug, sodass der Weg dorthin lang und schwierig wird. Aber warum sollten afrikanische Staaten es nicht schaffen, wenn starke Partner Unterstützung leisten?

Energie und Wasserentsalzung dank reichlich Sonnenscheins: Aufgrund stetig sinkender Kosten ist Solarenergie ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Zukunft Afrikas. – Quelle: Isofoton CC BY-SA

Ein Aufschwung Afrikas liegt in unserem Interesse

Stellen wir uns zum Vergleich eine andere Zukunft Afrikas als Verlängerung des Status quo vor. Wirtschaftliche und demographische Entwicklung laufen weiter auseinander. Jugendliche finden keine Jobs – der so genannte »Youth Bulge« Wenn NZZ-Interview zum Zusammenhang von Konflikten und dem »Youth Bulge« von allen Männern einer Gesellschaft mindestens 30% der Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren oder mindestens 20% der Altersgruppe von 15 bis 25 Jahren angehören, dann spricht man von einem »Youth Bulge«. Bulge bedeutet auf Englisch Ausbuchtung, gemeint ist die Beule in der Bevölkerungspyramide. verstärkt das Problem. Afrika ist das Epizentrum des Bevölkerungswachstums im 21. Jahrhundert. Die Zahl der Afrikaner, so eine Prognose, UNICEF-Report zur Bevölkerungsentwicklung (englisch) wird sich bis 2050 verdoppeln und UN-Prognose zur Weltbevölkerung (englisch) bis 2100 möglicherweise vervierfachen. Der afrikanische Regenwald könnte Richard T. Corlett & Richard B. Primack: »Tropical Forest Community Ecology« (englisch, 2008) in Folge des Bevölkerungsdrucks, Der Spiegel zu den Folgen der Erderwärmung verstärkt durch den Klimawandel, ganz verschwinden. Megastädte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern In Teilen Asiens und Afrika erreicht die Verstädterung derzeit Höchstgeschwindigkeit. Die neuen Megastädte wie Mumbai und Schanghai mit 18 beziehungsweise 14 Millionen Menschen sind Zeichen dieser fortschreitenden Urbanisierung. könnten unkontrolliert wuchern, die Anzahl gescheiterter Staaten Ein Staat gilt nach einer recht vagen Definition als gescheitert, wenn er seine grundlegenden Funktionen nicht mehr erfüllen kann. Einen weltweiten Überblick (Stand 2012) gibt der Failed State Index. könnte weiter wachsen.

Warum sollten die Afrikaner dann in ihrer Heimat bleiben – ohne Perspektive? Dabei reden wir nicht über einige Hunderttausende, sondern über hunderte Millionen Menschen.

In Afrika gibt es vielerorts Studie zur Freiheit in der Welt im Jahr 2017 (englisch) schwache Regierungsführung und Der Deutschlandfunk zur Bedeutung der Rechtssicherheit mangelnde Rechtssicherheit. Ungenügende Wirtschaftsentwicklung, Bildung und Beschäftigung verbauen die Perspektiven vor allem von Frauen sowie jungen Menschen beiderlei Geschlechts. Noch immer ist der Kontinent in erster Linie Bodenschätze und Rohstoffe Afrikas Rohstofflieferant und Markt für Fertigprodukte – das koloniale Erbe wirkt bis heute. In vielen Teilen Afrikas gibt es Übersicht der weltweiten Konflikte (Stand 2014, englisch) Korruption, Krieg und Terror.

Können wir in dieser Situation tatenlos hinnehmen, was passiert? Spätestens seit der Peter Dörrie zu Irrtümern über die »Flüchtlingskrise« Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr wissen wir, dass entfernte Krisen Migrationsströme auslösen, die unser eigenes soziales Gefüge destabilisieren können – einige wenige Millionen Menschen auf der Flucht reichen dafür bereits aus. Sollten wir also nicht lieber aktiv werden und die Ursachen der Migrationsbewegungen bekämpfen – in unserem ureigenen Interesse? Was ist, wenn der Regenwald verschwindet, die Niederschlagsmengen abnehmen und die großen Flüsse im Wechsel der Jahreszeiten austrocknen?

Europa ist keine Insel wie Australien und kann sich mit derzeit 7% der Weltbevölkerung auf Dauer nicht einmauern, Deutschland mit 1% schon gar nicht. Und Afrika liegt direkt vor unserer Haustür. Aufgrund dieser gemeinsamen Interessen von Europa und Afrika argumentiere ich – wie viele andere auch – für die Idee des Marshall-Plans mit Afrika.

Regionale Unterschiede berücksichtigen

Das Ziel des Marshall-Plans ist eine Wohlstandsexplosion in Afrika. Nordafrika besitzt dabei als Brücke zwischen den »Welten« eine besondere Rolle, auch mit Blick auf die gemeinsame Historie mit Europa der letzten 2.000 Jahre. Diese Wohlstandsexplosion soll mit allen Nachhaltigkeitsanforderungen kompatibel gestaltet werden und damit den Beweis liefern, dass unser Wohlstandsmodell »liefern« kann, auch in Bezug auf die Agenda 2030 der Vereinten Nationen inklusive der »Nachhaltigen Entwicklungsziele«. Im September 2015 verabschiedeten auf einem Gipfel der Vereinten Nationen alle Mitgliedsstaaten die »Agenda 2030«, die für alle Staaten gilt. Das Kernstück bildet ein ehrgeiziger Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Diese Ziele berücksichtigen erstmals alle 3 Dimensionen der Nachhaltigkeit gleichermaßen: Soziales, Umwelt und Wirtschaft. Ihnen sind fünf Kernbotschaften als handlungsleitende Prinzipien vorangestellt: Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft.

Die konkrete Politik in den 54 afrikanischen Staaten differiert allerdings erheblich. Wichtig ist daher: Die Pläne im Kontext des Marshall-Plans zielen nicht auf alle Staaten in Afrika, sondern nur auf solche, die bestimmte Anforderungen erfüllen, sich also zum Beispiel den Zielen von Good Governance Good Governance wird häufig mit »gute Regierungsführung«, »gute Staatsführung« oder auch »verantwortungsvolle Regierungsführung« übersetzt. Ein umfassendes Verständnis von Good Governance geht jedoch noch darüber hinaus: Der Begriff »Governance« umfasst die Art und Weise, wie in einem Staat Entscheidungen getroffen, politische Inhalte formuliert und umgesetzt werden. Good Governance ist transparent, effektiv und legt Rechenschaft ab. Sie beteiligt die gesamte Bevölkerung und berücksichtigt die Meinungen und die Bedürfnisse von Minderheiten und Schwachen. Alle Bürgerinnen und Bürger werden mit den notwendigen öffentlichen Gütern und sozialen Dienstleistungen versorgt. verpflichten und diese umsetzen.

»Die wichtigste Frage ist: Wie entstehen jedes Jahr 20 Millionen neue Jobs, um der Jugend eine Perspektive zu bieten, ohne dabei die Umwelt zu zerstören?« – Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Die Forderung nach Good Governance bezieht sich dabei unter anderem auf das politische Grundsatzdokument »Agenda 2063« Die Agenda 2063 ist sowohl eine Vision als auch ein Aktionsplan. Sie wurde zum 50. Jahrestag der Afrikanischen Union (AU, genauer: ihres Vorgängers, der »Organisation für Afrikanische Einheit« (OAU)) im Jahr 2013 verabschiedet. Die Agenda nimmt auf frühere Erfolge und bestehende Herausforderungen Bezug. Sie argumentiert für eine beschleunigte Entwicklung des Kontinents und die breite Nutzung des technologischen Fortschritts. Es wurden eine Vision und 8 Ideale vorgelegt, die als Basis für die weitere Entwicklung des Kontinents dienen sollen. Die Agenda 2063 soll regelmäßig in konkrete Zielsetzungen, Meilensteine, operative Ziele, Planziele und Maßnahmen übersetzt werden. Operativ enthält die Agenda 2063 eine fortlaufende Planung in 25-, 10- und 5-Jahres-Schritten sowie in kurzfristigen Aktionsplänen. der Afrikanischen Union. Die Afrikanische Union (AU) ist der wichtigste Zusammenschluss afrikanischer Staaten und Nachfolgerin der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), eine von 1963 bis 2002 bestehende Organisation aller afrikanischen Staaten (seit Januar 2017 inklusive Marokko). Sitz der Organisation ist die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba. Das Hauptziel der Afrikanischen Union ist die politische Integration von Afrika auf Basis von Einigkeit und solidarischer Zusammenarbeit der afrikanischen Staaten. Angestrebt wird Frieden, Sicherheit und Wohlstand für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Kontinents. Die dort vereinbarten Zielsetzungen sind messbar und können so als Förderkriterien und Anreiz für eine zügige Umsetzung dienen. 2 Beispiele, die Entwicklungsperspektiven verbessern sollen:

  • (Relativ) gute Werte im sogenannten Transparency International zu verschiedenen Korruptionsindizes Transparency Index. Dieser Index soll zum Beispiel der vielerorts weitverbreiteten Korruption entgegenwirken, die Entwicklungen jeder Art hemmt.
  • Die Einführung eines »Country-by-Country-Reportings«, das Auskunft über die Besteuerung großer Konzerne im jeweiligen Land gibt. So sollen langfristig höhere Steuereinnahmen gesichert werden.

Auch wenn Afrika – vor allem im Vergleich mit China – kein homogenes Umfeld bietet, hat der Kontinent den einen oder anderen Trumpf in der Tasche. Allen voran das gigantische Peter Dörrie über Fortschritte bei der Energieversorgung in Afrika Potenzial für erneuerbare Energien in der Sahara und anderen Wüsten. Das soll genutzt werden.

Eine gute Entwicklung in den afrikanischen Staaten hat viele Bedingungen. Genügend Finanzmittel ist eine davon: Wenn die Agenda bis 2030 umgesetzt werden soll, würden in den nächsten (etwa 10) Jahren jährlich zunächst Pressemitteilung des Internationalen Währungsfonds (englisch) 100 Milliarden US-Dollar, auf Dauer 200 Milliarden, aus öffentlichen Hilfen (ODA, das heißt Oversea Development Aid) benötigt. Hier muss viel passieren. Zum Vergleich: Insgesamt hat die deutsche Wirtschaft auf der ganzen Welt fast 1 Billion Euro Direktinvestitionen platziert, davon nur 1%, etwa 9 Milliarden Euro, in Afrika. Laut Weltbank-Bericht belaufen sich die chinesischen Investitionen in Afrika auf 24 Milliarden Dollar (etwa 23 Milliarden Euro), sind also fast dreimal so hoch.

Wie funktioniert der Marshall-Plan mit Afrika?

Gelder sollten vor allem in 3 Bereiche fließen:

  1. Mit Blick auf unser Grundgesetz und unsere völkerrechtlichen Verpflichtungen (zum Beispiel aus der Genfer Flüchtlingskonvention) soll ein Ausbau unseres humanitären Programms für Flüchtlinge in Not gekoppelt werden mit einer gesteuerten Einwanderung zum Vorteil aller. Dies soll unabhängig von den Mitteln für den Marshall-Plan finanziert werden, da es sich um eine originäre staatliche Verpflichtung handelt.
  2. Etwa die Hälfte soll als Zuschuss an Sozialversicherungssysteme in Partnerländer gehen und dort helfen, die Bevölkerungsexplosion zu stoppen und Die Bedeutung von Menschenrechten erklärt Frederik v. Paepcke menschenrechtliche Zielsetzungen zu fördern. Die Begünstigten geben dieses Geld schnell wieder aus und stimulieren so die wirtschaftliche Entwicklung. Der Aufbau von Sozialsystemen ist vielleicht der wichtigste Beitrag, um Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung zu nehmen.
  3. Die andere Hälfte soll immer neue Projekte finanzieren und damit erst ermöglichen. Diese Investitionen sollen ein Vielfaches an privaten Investitionen nach sich ziehen, da Privatanleger ein geringeres Risiko haben, wenn die öffentliche Hand eine Anschubfinanzierung bereitstellt. Private Investitionen in einem riskanten Umfeld zu generieren, ist nicht einfach. Der deutsche Staat wird vor allem Risiken absichern müssen, zum Beispiel durch Bürgschaften. Es geht also um »richtiges« Wachstum in der Realökonomie, mit entsprechenden Zinsen für eingesetztes Kapital. Dabei ist zu beachten, dass momentan viele große Geldanleger kaum mehr wissen, wo sie überhaupt noch Rendite erwirtschaften sollen.

Hinzu kommen Bildungsmaßnahmen, vor allem für Frauen und Mädchen. Nach den vorliegenden Erfahrungen aus der F.-J. Radermacher, D. Solte: »Microcredit – Addressing an Ongoing Debate«, 2014 (englisch) Arbeit des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus verändert Bildung für Frauen und Mädchen besonders wirkungsvoll die Lebenssituation von Familien und die Anzahl der Kinder. Die Familien werden kleiner und ökonomisch stabiler. Dabei ist es erforderlich, kulturelle Widerstände zu überwinden und gegenseitige Akzeptanz zu erhöhen, in den Partnerländern wie bei uns.

Wo anfangen?

In den ersten Jahren ist vor allem die Förderung von Projekten sinnvoll, die die Versorgungs-Infrastruktur verbessern.

  • Viel kostengünstige und umweltfreundliche Energie ist ein wichtiger Schlüssel für Entwicklung. Die riesige Sahara ist ideal dafür mit ihrer geringen Bevölkerungsdichte und hohen Sonneneinstrahlung. Marokko hat gezeigt, dass es geht. Dort entstand 2016 in Ouarzazate eines der weltweit größten Solarkraftwerke.
  • Genauso wichtig ist eine Infrastruktur für Wasser. Dieses kann zum Teil durch klimaneutrale Wasserentsalzung gewonnen werden. Sowohl Grundwasser als auch Meerwasser sind dafür geeignet. Dieses Felix Austen erklärt, wie Wasser in Afrika zum regionalen Wirtschaftsmotor werden kann Wasser erlaubt eine massive Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und schafft potenziell Millionen neuer Arbeitsplätze.
  • Parallel dazu schafft die Aufforstung degradierter Böden vor allem in den Tropen Arbeitsplätze, die auch nach der Aufforstung bei der Nutzung der Rohstoffe erhalten bleiben. Neue Bäume im Umfeld von Regenwäldern dienen als Schutz dieser wichtigen Naturressourcen. Landwirtschaft (in Verbindung mit Humus-Anreicherung in Böden) und Aufforstung binden massiv CO2 aus der Atmosphäre und sind als Negativemissionen Als Negativemissionen bezeichnet man Tätigkeiten, mittels derer in der Luft befindliche Treibhausgase gebunden werden, zum Beispiel das Pflanzen von Bäumen. ein wichtiger Hebel, um die Globale Erwärmung und andere Klimafolgen zu bekämpfen.
Nicht zuletzt muss ein Marshall-Plan mit Afrika mit einem Programm für Flüchtlinge in Not und einer gesteuerten Einwanderung gekoppelt werden. Afrika braucht eine neue, verantwortungsbewusste Elite. Ein breiter Austausch junger Menschen im Bildungsbereich und eine großzügige Visapraxis für junge Afrikaner, Wissenschaftler, Kulturschaffende, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten ist nicht nur hilfreich, sondern lohnt sich für alle Seiten. Geldüberweisungen durch Migranten in ihre Heimat sind in vielen Ländern eine der wichtigsten Elemente der Pressemitteilung des Internationalen Währungsfonds (englisch) zufließenden Devisen.

Konferenzsaal der Afrikanischen Union in Addis Abeba. Seit kurzem sind alle anerkannten Staaten Afrikas Mitglied dieser Organisation, die sich für »Kooperation auf allen Gebieten« einsetzen soll. – Quelle: U.S. Department of State CC0

Es kommt Bewegung in die Afrika-Politik – und jeder kann beitragen

Keine Frage: Die Liste der Herausforderungen für Afrika – und uns – ist lang. Finanzzusagen über hunderte Milliarden Dollar, die detaillierte Festlegung geeigneter Förderungskriterien, der große Wurf bei Energieversorgung, Wasser- und Bodenaufbereitung und die Überwindung kultureller Schwierigkeiten – kurz: eine Jahrhundert-Aufgabe liegt vor uns.

»Und ein einziger Plan soll all dies richten?«, fragen Kritiker und verweisen darauf, dass das Konzept derzeit noch viel zu abstrakt und Afrikas Probleme viel zu unterschiedlich seien. »Afrikas Zweifel am deutschen Marshall-Plan« »Das Afrika des 21. Jahrhunderts braucht einen ernsthaften und facettenreichen Ansatz, um seine Probleme anzugehen«, moniert beispielsweise der kenianische Politikwissenschaftler Jacob Kahenya. Ob die Politik große Programme auflegen wird, ist heute tatsächlich nicht gesichert. Insofern sind auch die meisten Detailfragen noch offen.

Dennoch sprechen einige jüngere Entwicklungen dafür, dass auf zentralen Ebenen Bewegung in die Sache kommt:

Die Welt steht vor großen Herausforderungen. Erfolg und Zielerreichung sind, zum Beispiel bezüglich der Agenda 2030, nicht gesichert. Afrika und Europa befinden sich an einem entscheidenden Punkt der Zukunftsentwicklung. Es liegt im Interesse beider Seiten, zu einer klugen Form der Kooperation zu finden. Der vom Club of Rome und dem Senat der Wirtschaft vorgelegte und vom BMZ aufgegriffene Marshall-Plan mit Afrika hat das Potenzial, maßgeblich zu einer guten Zukunftsentwicklung beizutragen.

Noch ist der Marshall-Plan recht abstrakt. In diesem Jahr wird sich dies ändern – und jeder, der sich fachlich dazu berufen fühlt, kann laut BMZ beitragen:

Unsere afrikanischen Partner, alle Experten der Zivilgesellschaft – aus Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Kirchen und Verbänden – sowie aus den Politikfeldern, die gefordert sind zum Gelingen des Marshall-Plans beizutragen, sind eingeladen, im […] Afrikajahr 2017 die hier aufgezeigten Vorschläge und Lösungsansätze zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Wir werden dazu eine Vielzahl von Veranstaltungen anbieten und alle Interessierten zu einem Online-Dialog einladen. – BMZ


Dieser Artikel bezieht sich auf eine Denkschrift für die Bundesregierung unter dem Titel Denkschrift für die Bundesregierung »Migration, Nachhaltigkeit und ein Marshall-Plan mit Afrika«, die der Autor für den Club of Rome und den Senat der Wirtschaft e.V. koordiniert hat. Die Denkschrift wurde am 11.11.2016 an Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), in Berlin im Rahmen einer Bundespressekonferenz übergeben. Zwischenzeitlich hat auch das BMZ einen eigenen Ansatz zu der Thematik publiziert (siehe unten: Eckpunkte für einen Marshall-Plan mit Afrika.

Hinweis: Professor Radermacher ist derzeit auf Reisen und wird sich daher zeitverzögert an der Diskussion beteiligen.

NASA - CC0

 

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